Kolumnen

Aller guten Dinge sind drei - UFC 189

Conor McGregor war einer der großen Gewinner des Abends (Foto: Florian Sädler/GnP1.de).

Was für eine Nacht. UFC 189 platziert sich im Rennen um den Titel des spektakulärsten UFC-Events aller Zeiten ganz weit vorne – Hype im Vorfeld, tolle Kämpfe und Gesprächsstoff für die nächsten Monate, dem Fan-Herz bleibt nach dieser Show wenig zu wünschen übrig. Den Löwenanteil der Aufmerksamkeit hatte im Vorfeld natürlich Conor McGregor sicher, im Octagon allerdings sorgten die anderen Kämpfer dafür, dass UFC 189 nicht als die McGregor-Show in Erinnerung bleiben wird, sondern als das womöglich beste Event in der Geschichte der Liga.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Conor McGregor
Und Ringen kann er trotzdem nicht – so oder so ähnlich werden sich eine Menge Fans getröstet haben, denen Irlands momentan erfolgreichster Export mit großer Klappe und nicht enden wollender Medienpräsenz ordentlich auf den Schlips getreten ist. Und obwohl es Chad Mendes tatsächlich mehrfach geschafft hat, Conor McGregor in ihrem Interimstitelkampf in Las Vegas auf die Matte zu bringen, trägt der Ire trotzdem nun UFC-Gold um die Hüften. Ist die „Ringerfrage“, wie McGregor die Diskussion in den letzten Monaten genannt hat, damit also beantwortet? Ja und Nein – McGregor hat sowohl gefährliche Schwachstellen in seiner Takedownverteidigung bewiesen als auch die Tatsache, dass er trotzdem gegen einen explosiven Ringer als Sieger aus dem Octagon kommen kann. Bei aller Skepsis angesichts eines früher oder später anstehenden Duells mit Frankie Edgar oder gar einem Rückkampf gegen Mendes muss man sich trotzdem eingestehen, dass McGregor am vergangenen Wochenende einen Erfolg epischen Ausmaßes eingefahren hat. Nach all dem überbordenden Hype, der Rivalität sowohl mit José Aldo als auch mit Mendes, dem späten Gegnerwechsel und ganz generell mit unmenschlich hohem Erfolgsdruck auf den Schultern ist es schlicht beeindruckend, wie McGregor nach harten zwei Runden lediglich einen kleinen Fehler seines Weltklasse-Gegners brauchte, um den ganzen Kampf in ein paar wenigen Sekunden völlig zu drehen und Mendes kurz vor Ende der Runde auszuknocken.

Was haben wir also bei UFC 189 über McGregor gelernt? Neben der Tatsache, dass er ein Granitkinn besitzt und ihm jeglicher Druck nichts auszumachen scheint vor allem, dass er all seinen großen Worten tatsächlich auch große Taten folgen lassen kann. Ob das reicht, um auch gegen José Aldo und Frankie Edgar zu bestehen und die Kritiker endgültig verstummen zu lassen? Zumindest seine Chance gegen Aldo wird McGregor allem Anschein nach demnächst bekommen...

Robbie Lawler
Was für ein Kampf. Robbie Lawler und Rory MacDonald machten in ihrem Weltergewichtstitelkampf am Samstag bei UFC 189 genau dort weiter, wo sie im November 2013 bei UFC 167 aufgehört hatten. Damals schnappte sich Lawler nach drei harten Runden eine knappe Punktentscheidung, dieses Mal haben wir zu sehen bekommen, was dabei herauskommt, wenn man diese beiden noch zwei Runden länger in einen Käfig steckt: Ein Intensitätslevel, der seinesgleichen sucht. Der spontane Staredown am Ende der vierten Runde hat es bestens visualisiert – keiner der beiden würde je auch nur einen Millimeter vor dem anderen zurückweichen. Lediglich MacDonalds körperliche Grenzen setzten dem Spektakel wenige Minuten nach dieser Szene ein brutales Ende, als eine linke Gerade Lawlers seine bereits gebrochene Nase endgültig in seinem völlig zerschmetterten Gesicht verschwinden ließ und er am Ende seiner Kräfte zu Boden ging.

Lawler gegen MacDonald bleibt nach diesem Abend jedoch einer der wenigen Kämpfe, bei denen auch ein drittes Duell jede Menge Spannung aufkommen lassen würde, obwohl ein Kämpfer die potentielle Trilogie mit zwei zu null Siegen bereits gewonnen hat. Allerdings wird das nicht in den nächsten Monaten geschehen – vermutlich wird MacDonald sich bis Ende des Jahres erholen und sich danach der Frage stellen müssen, ob er nach dem massiven Schaden aus diesem Kampf überhaupt jemals der gleiche Kämpfer sein wird wie bisher. Bis dahin macht eigentlich kaum jemand außer Johny Hendricks Sinn als nächster Herausforderer auf Lawlers Titel, der den Gürtel Ende 2014 mit einer hauchdünnen Punktentscheidung an Lawler abgeben musste und sich anschließend mit einem Sieg gegen Matt Brown zurück ins Gespräch brachte.

Gunnar Nelson

Ein Finish nach dem anderen auf der Main Card – überzeugt haben am Samstag jede Menge Sportler, der beeindruckendste Sieg allerdings dürfte einem der leisesten Kämpfer im Kader der UFC gehören. Statt für Knockouts ist Gunnar Nelson für seine Brillanz auf der Matte bekannt, bei UFC 189 allerdings hat er seinen Erstrundensieg gegen den hochexplosiven Stand-Spezialisten Brandon Thatch in dessen Spezialgebiet eingeleitet – die Vorentscheidung für Nelsons Aufgabe-Sieg fiel auf den Beinen, als „Gunni“ seinen Gegner mit einer knackigen 1-2-Kombi auf die Bretter gehen ließ. Dort war der angeschlagene Thatch kein großes Problem mehr für Nelson, der ihn wenig später mit einem Rear-Naked-Choke zum Abklopfen zwang.

Ein derartiger Sieg ist genau das, was Nelson nach der unerwarteten Niederlage gegen Rick Story im Oktober des vergangenen Jahres gebraucht hat. Mit dem imposanten Finish gegen einen gefährlichen Kontrahenten kann Nelson nun wieder genau dort weitermachen, wo er im letzten Herbst nach seinen ersten vier UFC-Siegen aufgehört hat. Gerüchteweise steht sein nächster Gegner auch schon fest – Dana White soll angeblich daran interessiert sein, Nelson im Hauptkampf der anstehenden UFC-Dublin-Show im Oktober gegen Steven Thompson anzusetzen. „Wonderboy“ Thompson beeindruckte nur einen Tag nach Nelson in derselben Arena, als er Jake Ellenberger mit zwei Spinning Heel Kicks imposant auf die Bretter gehen ließ.