Kolumnen

Aller guten Dinge sind drei: The Ultimate Fighter 21 Finale

Stephen Thompson hat sich am Sonntag den größten Sieg seiner Karriere geholt (Foto: Florian Sädler/GnP1.de).

Nach dem Blockbuster-Event UFC 189 haben sich die meisten Fans gedanklich aus Las Vegas verabschiedet, fast vergessen wurde einen Tag später aber noch das Finale der neuesten „The Ultimate Fighter“-Staffel in der MGM Grand Garden Arena ausgetragen. Obwohl die vergleichsweise kleine Show in vielerlei Hinsicht natürlich nicht ansatzweise an den Mega-Event vom vorherigen Abend herankam, überzeugten die Kämpfer auch hier mit soliden Kämpfen und einigen spektakulären Knockouts und Submissions.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Stephen Thompson
Als in dutzenden Kämpfen unbesiegter Kickboxer mit einem Hintergrund im Karate war noch vor Stephen Thompsons UFC-Debüt Anfang 2012 klar, dass der „Wonderboy“ beinahe jedem anderen Weltergewicht in der UFC im Stand überlegen sein würde. Georges St-Pierre höchstpersönlich hat Thompson „den besten Standkämpfer“, mit dem er je trainiert hat genannt. Und trotzdem flog der 32-Jährige trotz fünf Siegen im Octagon bisher unter dem Radar, nachdem ein spannender, aber verlorener Kampf gegen Matt Brown in seinem zweiten UFC-Auftritt den Hype im Keim erstickte. Mit den zwei Spinning Heel Kicks, die am Sonntag im Hauptkampf des „The Ultimate Fighter“-Finales Jake Ellenberger ins Reich der Träume geschickt haben, dürfte Thompson endlich den Durchbruch in die Gegenden geschafft haben, in die er gehört.

Was kommt also als nächstes? In seinen letzten drei Kämpfen hat Thompson mit Robert Whittaker, Patrick Coté und jetzt Jake Ellenberger drei solide Gegner besiegt, die zum Zeitpunkt des Kampfes aber alle entweder noch recht unbekannt oder bereits vermeintlich über ihrem Zenit waren. Eine Möglichkeit für Thompson wäre jetzt ein Rückkampf gegen Brown, der einen Tag zuvor Tim Means in Runde eins per Aufgabe besiegen konnte. Gerüchteweise soll die UFC aber bereits mit dem Gedanken spielen, Thompson im Hauptkampf von UFC Dublin im Oktober gegen Gunnar Nelson anzusetzen. Dieser Kampf würde zwar ein noch unverbrauchtes Gesicht in der Weltergewichtsrangliste abrutschen lassen, der Sieger des Duells hätte dafür einige wirklich prestigeträchtige Kämpfe vor sich.

Jorge Masvidal
Seine bisherige Zeit in der UFC war für Jorge Masvidal von Erfolg ebenso wie Frust geprägt. Sechs von acht Kämpfen konnte „Gamebred“ seit seinem Octagon-Debüt Anfang 2013 gewinnen, wirkliche Fortschritte in der Rangliste hat er währenddessen aber nicht gemacht. Eine kontroverse Punktniederlage gegen Al Iaquinta hat das Fass schließlich zum Überlaufen gebracht und Masvidals Wechsel hoch ins Weltergewicht veranlasst. Dort ist er am Wochenende auf Vitor Belforts Schützling Cezar Ferreira getroffen, der aus der anderen Richtung, vom Mittelgewicht aus, ins Weltergewicht gewechselt ist. Der vermeintliche physische Unterschied schien Masvidal am Kampfabend jedoch nicht viel auszumachen, nach nicht einmal fünf Minuten fand sich Ferreira bereits bewusstlos auf der Matte wieder. Der K.o.-Sieg war genau das, was Masvidal gebraucht hat – allzu viele Aufwärmkämpfe sollte „Gamebred“ nach dieser Leistung nicht mehr vor sich haben, eigentlich könnte man ihn sogar direkt gegen Matt Brown ansetzen, bevor eine Niederlage oder ähnliches diesem mit ziemlicher Sicherheit epischen Kampf noch einen Strich durch die Rechnung macht.

Josh Samman
Die letzten zweieinhalb Jahre glichen für Josh Samman einer emotionalen Achterbahnfahrt. Nachdem er bei TUF 17 zwar vor dem Finale ausschied, sich mit einem Sieg in seinem UFC-Debüt aber doch noch einen Vertrag mit der Liga sichern konnte, warfen ihn zunächst mehrere schwere Verletzungen und kurz darauf der Unfalltod seiner Freundin völlig aus der Bahn. Erst Ende 2014 fühlte sich der einstige TUF-Antagonist bereit, sich wieder ins Trainingcamp zu stürzen und einen weiteren Kampf anzugehen. Gegen Eddie Gordon schien dieses Vorhaben bei UFC 181 im Dezember zunächst in einer Niederlage zu enden, bis Samman wie aus dem Nichts einen nahezu perfekt platzierten Headkick ins Ziel brachte und so einen spektakulären Comeback-Sieg holte, der von verschiedenen MMA-Webseiten zum Knockout des Jahres gekrönt wurde.

Auf dem Papier die größere Herausforderung, holte sich Samman gegen den schlagstarken BJJ-Schwarzgurt Caio Magalhaes einen weitaus leichteren Sieg. Noch in Runde eins sicherte Samman sich einen Rear Naked Choke, in dem der Brasilianer aufgeben musste – Magalhaes wollte sich mit seiner Niederlage nicht so recht abfinden und spuckte absichtlich Blut in Richtung seines Gegners, das ändert aber nichts daran, dass Samman sich gegen ihn einen der beeindruckendsten Siege seiner Karriere gesichert hat. Durch die TUF-Staffel hat das Mittelgewicht einen gewissen Wiedererkennungswert bei den Fans und mit drei Siegen in Folge darüber hinaus eine Basis, auf der man aufbauen kann. Einen Top-Gegner wird er sicherlich nicht als nächstes bekommen, sondern eher jemanden, der ebenfalls bald einen großen Schritt nach oben machen will und dafür noch einen weiteren imposanten Sieg braucht. Ein solcher Kandidat ist beispielsweise Thiago Santos, der in der UFC bisher ebenfalls drei Mal gewonnen hat, zuletzt durch einen Headkick-Knockout gegen Steve Bossé.