Kolumnen

20 Jahre UFC

Ein VHS-Cover von UFC 1.

Am 13. November wurde die UFC 20 Jahre alt, am 16. November feiert sie mit UFC 167 ihren Geburtstag. Aus diesem Anlass blicken die GnP-Redakteure auf die vergangenen beiden Jahrzehnte zurück und erzählen von den Momenten, die für sie persönlich am denkwürdigsten waren.

Mark Bergmann: UFC-Deutschland-Debüt: Wanderlei Silva vs. Rich Franklin
Im ersten UFC-Fight, den ich je in meinem Leben gesehen habe, prügelte Vitor Belfort Wanderlei Silva 44 Sekunden lang quer durch das Octagon. Eben jener Wanderlei Silva entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren zu meinem absoluten Lieblingskämpfer. Wie ein kleines Kind zu Weihnachten freute ich mich auf die PRIDE-Events, auf jeden neuen Auftritt des „Axtmörders“.

Als die UFC vor viereinhalb Jahren ankündigte, ihr Octagon endlich in Deutschland aufzubauen und obendrein Wanderlei Silva in den Hauptkampf zu stellen, wurde für mich ein Traum wahr. Es war meine erste Live-UFC überhaupt – sowohl als Fan, als auch als Journalist. Als Wanderleis Einlaufmusik ertönte, er in den Käfig stieg und frenetisch bejubelt wurde, bekam ich Gänsehaut. 

Als Journalist auf den Presseplätzen ist man angehalten, objektiv, und vor allem ruhig, seine Arbeit zu verrichten. Ich stand als einziger inmitten der Pressevertreter aus aller Welt und schrie lauthals, um meinen Helden anzufeuern.

Ihn nach dem Kampf persönlich zu treffen, mit ihm zu sprechen, war unfassbar – heute ist es Normalität. Umso schöner ist es, sich solche Momente zurück ins Gedächtnis zu rufen. Mein denkwürdigster UFC-Moment muss daher der erste Kampf zwischen Wandelei Silva und Rich Franklin sein, als tausende Fans in der Kölner Lanxess Arena mit den Füßen auf dem Boden stampften und für erdbebenartige Atmosphäre sorgten – unvergesslich!

Jan Großöhmigen: UFC 40, eine wegweisende Veranstaltung
Mein denkwürdigster Moment aus 20 Jahren UFC hängt sehr stark mit einem persönlichen Moment zusammen. Im Herbst 2002 bekam ich durch Zufall „UFC Throwdown“ für den Nintendo Gamecube in die Hände. Dieses „Ultimate Fighting“ hatte mich sofort in seinen Bann gezogen und ich begann, im Internet nach News und Videos zu suchen. Überall stieß ich auf „UFC 40“, die nächste große Veranstaltung der UFC. Der Aufbau für den Hauptkampf zwischen Tito Ortiz und Ken Shamrock begeisterte mich als alten Profi-Wrestling-Fan natürlich besonders.

Auf nicht ganz legale Weise beschaffte ich mir dann die Veranstaltung und war schwer begeistert, sowohl von den spektakulären Siegen von Robbie Lawler und Chuck Liddell, als auch von dem Duell zwischen Ortiz und Shamrock, welches das hielt, was ich mir damals von versprochen hatte. UFC 40 hat mich endgültig zum MMA-Fan gemacht, doch die wegweisende Bedeutung, die diese Veranstaltung für die UFC haben sollte, wurde mir erst in den folgenden Jahren bewusst. UFC 40 erzielte die mit Abstand größten PPV-Verkaufszahlen (99.000) seit der Übernahme durch Zuffa, LLC und generierte durch die Fehde zwischen Ortiz und Shamrock Interesse in der Öffentlichkeit. Diese Veranstaltung bewies Zuffa, LLC, dass es möglich war, mit der UFC tatsächlich Geld zu verdienen, und so trieben sie ihre Vision vom MMA-Sport weiter voran, anstatt die UFC einzustampfen und sich anderen Projekten zu widmen.

Kai Ruhle: Randy Couture gewinnt den Schwergewichtstitel 2007
Es war das Jahr 2007, Randy Couture vs. Tim Sylvia bei UFC 68. Fast alle „Experten“ sahen damals einen einseitigen Kampf voraus, weil Sylvia die damalige Schwergewichtsklasse dominierte. Die Klasse war noch nicht so gut besetzt, wie sie es heute ist. Entgegen der Meinungen dieser „Experten“ zeigte Couture, dass er immer noch mit den großen Jungs mithalten konnte. Ich freute mich über diesen Sieg, weil er so einer totgeglaubten Gewichtsklasse wieder Leben einhauchte. Für viele Leute mag dieser Kampf nur aus den letzten 45 Sekunden bestehen, aber nicht nur die Endsequenz war beeindruckend. Viel mehr war das Auspunkten von Couture sehr beeindruckend. Leider kam es nur zu einer erfolgreichen Verteidigung, weil er sich danach erneut mit der UFC zerstritt. Aber dennoch gehört Couture zu den Kämpfern, die in verschiedenen Epochen der UFC erfolgreich waren und sie geprägt haben.

Alexander Petzel-Gligorea: UFC 61, Faszination auf den ersten Blick
Es ist schwierig sich in 20 Jahren UFC auf einen einzigen Moment festzulegen. Das erste Mal live in der Halle werde ich nie vergessen und Kämpfe wie Silva vs. Sonnen I, Sylvia vs. Couture, Griffin vs. Shogun I oder Lesnar vs. Carwin haben dafür gesorgt, dass ich mitten in der Nacht wie ein kleines Kind durchs Zimmer gehüpft bin. Der persönlich wichtigste Moment der UFC-Geschichte ist aber UFC 61: Bitter Rivals. Wie so viele andere kam ich über das Wrestling zum MMA und dabei vor allem über Ken Shamrock. Ich kannte seine MMA-Vergangenheit überhaupt nicht, sondern nur seine Zeit in der WWF Ende der 90er Jahre. 2006 sah ich ihn dann in einem Wrestling-Forum auf einem Plakat zu UFC 61. Ich verschaffte mir Zugang und war bereits mit dem ersten Kampf des Abends, Joe Stevenson gegen Yves Edwards, Feuer und Flamme. Ich konnte nicht glauben, was ich da sah und war sofort fasziniert von dieser für mich komplett neuen Art des Kämpfens. Diese Faszination hat sich bis heute gehalten und sorgte im Anschluss an den ersten Kontakt mit MMA für eine glühende DSL-Leitung, man hatte ja ein paar Jahre nachzuholen.

Den normalen MMA-Fans ist UFC 61 nicht lange im Gedächtnis geblieben. Ein genesender Frank Mir quälte sich drei Runden lang gegen Dan Christison und Sylvia gegen Arlovski III war im Nachhinein genauso zum Vergessen wie die zweite Zerstörung Shamrocks durch Tito Ortiz. Nichtsdestotrotz wäre ich ohne UFC 61 und ohne Ken Shamrock heute nicht Teil von GroundandPound.de. Daher ist UFC 61 immer noch der wichtigste UFC-Moment in meiner persönlichen Liste.

Elias Stefanescu: Tito-Ortiz-Ära
Ich habe zwar mit UFC 1 angefangen, doch kultig wurde es für mich erst in der Tito-Ortiz-Ära. Niemand schien damalig in der Lage den Champion zu stürzen. Mit starkem Ringen und brutalem Ground and Pound fertigte Ortiz seine Gegner reihenweise ab. Zudem sorgte er für eine großartige Show obendrauf, zum Beispiel mit Unterstützung der Klänge von Limp Bizkit, einer Pyro-Show und vieles mehr. So etwas erinnerte eher ans Pro-Wrestling, als an modernes MMA.

Jahre später konnte ich sowohl als Fan als auch als Journalist Legenden wie Ortiz, Royce Gracie, Wanderlei Silva und andere persönlich treffen, mit ihnen sprechen, Interviews führen usw. Es ist heute Alltag für GnP-TV, vor vielen Jahren noch absolut unvorstellbar. Die UFC hat viel getan seitdem und war bereits zweifach in Deutschland. Für alle Fans wäre es ein Highlight, wenn die weltweit größte MMA-Organisation ihr Vorhaben wahr macht und 2014 erneut zu Besucht kommt.

Christian Pahl: Matt Hughes und sein Comeback gegen Frank Trigg
Ende 2003 wurde angekündigt, dass die Premiere UFC-Events übertragen will. Bis dahin habe ich nur Wrestling geschaut. Das Interesse für die WWE war aber auf einen Nullpunkt gesunken. Ich schaute mir also die ein Stunden Previews kurz vor Silvester an. Meine erste Show erlebte ich dann am 31. Januar 2004. Rückwirkend eine eher mittelmäßige Veranstaltung. Ich blieb dran am Sport. So richtig gefesselt wurde ich allerdings erst am 16. April 2005. Im Vorprogramm zum zweiten Aufeinandertreffen von Randy Couture und Chuck Liddell kam es zum Rückkampf zwischen Matt Hughes und Frank Trigg.

In dem Duell war Feuer drin. Beide Kontrahenten konnten sich nicht leiden. Die Spannung war förmlich greifbar. Dann ging es los. Schnell passierte das Unglück. Frank Trigg traf einen Tritt in die Weichteile der UFC-Legende. Der Ringrichter ging nicht dazwischen und Trigg feuerte ein Feuerwerk auf Hughes. Es wirkte so als ob der Kampf gleich vorbei sei. Dann kam der Moment, der mich zum Riesen MMA-Fan werden ließ. Der mehrmalige Weltergewichtstitelträger nimmt seinen Gegner hoch, trägt ihn durch das halbe Octagon, slammt ihn auf den Boden und beendete seine Auferstehung mit einem Rear-Naked Choke. Es war einer dieser unvorhersehbaren Momente, die den Sport so sehenswert machen und mein erster.