Ergebnisse

UFC Berlin: Die Ergebnisse

UFC-Championesse Joanna Jedrzejczyk (Foto: Dorian Szücs).

Die zweite Berliner UFC Fight Night innerhalb eines knappen Jahres liegt hinter uns, und trotz teils harter Kritik im Vorfeld kann man die Veranstaltung wohl ohne schlechtes Gewissen als Erfolg bezeichnen. Obwohl der Ticketverkauf zunächst schleppend verlief, war die Berliner o2 World am 29. Juni doch noch ansehnlich gefüllt. Trotz der fehlenden Starpower lieferten die 22 Kämpfer eine unterhaltsame Show – vor allem im Vorprogramm gab es Action satt zu sehen, lediglich einer von sechs Kämpfen ging über die volle Distanz.

Joanna Jedrzejczyk vs. Jessica Penne
Im Titelkampf im Strohgewicht der Damen wurde schon früh in der ersten Runde deutlich, wie überlegen Champion Joanna Jedrzejczyk ihrer Herausfordererin Jessica Penne im Stand war. Mit schnellen Boxkombinationen verhinderte die Polin, dass Penne überhaupt nennenswerte Offensive entwickeln konnte. Penne versuchte dann auch wenig überraschend, den Kampf so schnell wie möglich auf die Matte zu verlagern. Zwar konnte sie Jedrzejczyk ein Mal auf alle Viere bringen, sie dort jedoch nicht halten. Zurück auf den Beinen gelang es Jedrzejczyk sogar, Penne niederzuschlagen, beenden konnte sie den Kampf jedoch nicht.

In der zweiten Runde gab es mehr von dem zu sehen, was bereits in der ersten offensichtlich wurde: Der immense Erfahrungs-, Power- und Geschwindigkeitsvorteil der Polin sorgte dafür, dass Pennes Gesicht schon gegen Mitte der Runde deutliche Spuren zeigte. Schlagkombinationen, Head- und Bodykicks und vereinzelte Ellbogen sowie Kniestöße aus dem Clinch ließen Penne keine Chance, ansatzweise in den Kampf zu finden. Am Ende der zweiten Runde schien es zweifelhaft, ob Penne überhaupt noch zur dritten antreten würde – sie tat es, und obwohl Jedrzejczyks Volumen nicht mehr ganz so hoch war wie noch zu Beginn, bearbeitete sie Penne weiterhin gnadenlos, bis der Ringrichter ein Einsehen hatte und den Kampf abwinkte, als eine blutüberströmte Penne stehend am Käfigzaun Bomben kassierte.
Joanna Jedrzejczyk bes. Jessica Penne via T.K.o. (Schläge) nach 4:22 in Rd. 3

Dennis Siver vs. Tatsuya Kawajiri
Die beiden Veteranen Dennis Siver und Tatsuya Kawajiri legten in Berlin ein recht hohes Tempo im Stand an den Tag – Schlagkombinationen und einige gedrehte Kicks richteten zwar kaum nennenswerten Schaden an, hielten aber die Zuschauer bei Laune. Kawajiri verlegte sich recht schnell darauf, den Bodenkampf zu suchen, war damit aber dank Sivers solider Takedownverteidigung selten erfolgreich. In Runde zwei schaffte der Japaner es gegen Mitte der Runde dann aber doch, den Mannheimer auf die Matte zu befördern und arbeitete dort bis zum Rundenende aus der Oberlage.

Gleiches Spiel in Durchgang drei – Siver setzte zwar einige Treffer, Kawajiri nutzte die Kicks des Deutschen aber stets dazu, um mit einem Takedown zu kontern. Die meisten Versuche konnte Siver abwehren, trotzdem verbrachte er einige Zeit in der Unterlage oder mit dem Rücken zum Zaun – mehrere Guillotine-Versuche blieben dabei erfolglos für den 37-Jährigen, der den Kampf auf dem Rücken beendete.
Tatsuya Kawajiri bes. Dennis Siver einstimmig nach Punkten (29:28, 29:28,29:28)

Peter Sobotta vs. Steve Kennedy

In seinem zweiten aufeinanderfolgenden Kampf in Berlin setzte Peter Sobotta den australischen Ersatzkämpfer Steve Kennedy früh im Stand unter Druck, landete einige gute Hände und vereinzelte Kicks und brachte seinen Gegner anschießend mühelos zu Boden. Von dort aus sicherte der Balinger sich den Rücken Kennedys und setzte zum Rear Naked Choke an, den der Australier zunächst gut verteidigte, dann jedoch abklopfen musste.
Peter Sobotta bes. Steve Kennedy via Aufgabe (Rear Naked Choke)  nach 2:57 in Rd. 1

Nick Hein vs. Lukasz Sajewski
Nick Hein wollte in Berlin einen Moment für die Ewigkeit kreieren, Lukasz Sajewski allerdings hatte andere Pläne. Von Anfang an setzte der junge Pole den „Sergeant“ unter Druck und konnte den einen oder anderen harten Schlag ins Ziel bringen. Hein ließ sich dabei allerdings nicht zu häufig treffen und konterte selbst mit seinem linken Haken. Ein verfehltes eingesprungenes Knie nutzte Hein schließlich zum Takedown. Von da an tauschten die beiden die restliche Runde über hauptsächlich Einzelaktionen im Stand aus, ohne, dass sich jemand deutliche Vorteile verschaffen konnte.

In der zweiten Runde wurde es etwas wilder als im ersten Durchgang – Hein und Sajewski schlugen sich wilde Haken um die Ohren, allerdings traf keiner hart genug, um den jeweils anderen in Gefahr zu bringen. Im Laufe der Runde war es Hein, der die besseren Treffer setzte und mit Boxkombinationen, Einzelschlägen und zwischendurch eingestreuten Kicks Punkte sammelte.

In Runde drei schein Sajewski zusehends frustriert, reagierte jedoch damit, etwas wild nach vorne zu stürmen, was Hein mit Schlägen zum Kopf konterte. Gegen Ende wurde Sajewski zunehmend ungestümer, hatte damit aber immer weniger Erfolg und erlaubte Hein dadurch, immer häufiger zu treffen. Nach drei Runden gab es daher wenige Zweifel daran, wen Andy Friedlander als Sieger verkünden würde.
Nick Hein bes. Lukasz Sajewski einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 30:27)

Makwan Amirkhani vs. Masio Fullen

Der finnische Senkrechtstarter Makwan Amirkhani fuhr in Berlin einen weiteren spektakulären Erstrundensieg ein – nach seinem Acht-Sekunden-K.o. gegen Andy Ogle im Januar brauchte Amirkhani keine zwei Minuten, um Masio Fullen per Rear Naked Choke zur Aufgabe zu zwingen. Schon nach wenigen Sekunden brachte Amirkhani seinen Gegner zu Boden, wo er kurz darauf zum Rear Naked Choke ansetzte – der Mexikaner verteidigte entschlossen, musste schließlich aber doch abklopfen.
Makwan Amirkhani bes. Masio Fullen via Aufgabe (Rear Naked Choke) nach 1:41 in Rd. 1

Mairbek Taisumov vs. Alan Patrick
Zehn Sekunden dauerte es, bis Alan Patrick zum ersten Takedown gegen Mairbek Taisumov ansetzte, der jedoch sofort wieder auf den Beinen war. Anschließend versuchten beide vor allem harte Einzelaktionen, die jedoch recht selten sauber trafen. Der erste wirklich harte Treffer des Kampfes war gegen Mitte der ersten Runde dann ein versehentlicher Fingerstich, der Taisumov im Auge traf und für eine mehrminütige Unterbrechung sorgte. Taisumov wurde vom Ringarzt allerdings für kampftauglich erklärt, woraufhin ein weitestgehend verhaltener Rest der Runde folgte.

Runde zwei begann zunächst ähnlich, bis Patrick sich nach einem verfehlten Takedownversuch einmal mehr wegdrehte und nach einer kompletten 360°-Drehung prompt einen Headkick kassiert, der ihn auf die Bretter gehen ließ. Dort machte Taisumov anschließend mit Folgeschlägen den Sack zu.
Mairbek Taisumov bes. Alan Patrick via T.K.o. (Headkick und Schläge) nach 1:30 in Rd. 2

Alan Omer vs. Arnold Allen
Omer machte von Beginn an Druck im Stand, um dem erst 21-Jährigen Allen gar nicht erst zu ermöglichen, in den Kampf zu finden. Allen hielt gut mit, traf trotz einer wilden Aggressivität im Stand aber selten deutlich und konnte Omer nicht daran hindern, den Clinch zu suchen und dort Kniestöße zu landen. Erst gegen Ende der Runde kam eine harte Gerade des Engländers durch, die Omer kurzzeitig in den Rückwärts zwang und Allen einen Takedown und anschließend die Oberlage bis zum Ende der Runde ermöglichte.

In Durchgang zwei war es dann Omer, der den Takedown suchte und einige Male fand. Allen kam zwar früher oder später immer wieder auf die Beine, konnte dort aber wenige bedeutsame Offensive landen. Das Geschehen wechselte sich im Laufe der der Runde zwischen Bodenkampf und Clinch ab, wobei den Großteil der Zeit über Omer die Kontrolle behielt.

Gleiches Spiel in Runde drei, in der Omer Allen weiter mit Takedownversuchen und im Clinch unter Druck setzte, sich dabei jedoch in einem Guillotine Choke des Engländers wiederfand, in dem der Stuttgarter kurze Zeit später abklopfen musste.
Arnold Allen bes. Alan Omer via Aufgabe (Guillotine Choke) nach 1:41 in Rd. 3

Niklas Bäckström vs. Noad Lahat
Nach der schnellen K.o.-Niederlage in seinem letzten Kampf startete Niklas Bäckström sein Duell mit Noad Lahat bedeutend vorsichtiger als gewohnt. Zumindest bis zu einem eingesprungenen Kniestoß, der allerdings nicht sauber traf und Lahat die Möglichkeit zum Konter-Takedown gab. Bäckströms aktives BJJ allerdings erlaubte es ihm, sich in die Oberlage zu drehen und dabei fast einen Omoplata anzubringen. Obwohl Bäckström damit nicht durchkam, fand sich Lahat bis zum Rundenende mehrfach in Schwierigkeiten wieder, u.a. einem Rear Naked Choke und einem Armbar, bevor er vom Rundengong gerettet wurde.

Im zweiten Durchgang hatte Lahat deutlich mehr Erfolg – Bäckström wirkte ungewöhnlich müde, blutete aus einem Cut über der Nase und steckte zunehmend harte Treffer ein. Ein verfehlter Takedown brachte Lahat anschließend die Mount ein, von wo aus er Ground and Pound anbrachte und sich in einen Armbar drehte, der zu sitzen schien. Bäckström weigerte sich jedoch, abzuklopfen und attackierte selbst weiter, konnte Lahat allerdings nie ernsthaft in Gefahr bringen.

Trotz schwieriger Situationen schafften es also beide in die dritte Runde. Beide Kämpfer schienen verständlicherweise langsamer als in den harten ersten zwei Runden und verbrachten die meiste Zeit über im Clinch am Käfig und auf der Matte. Während Lahat anfangs die Kontrolle hatte, übernahm Bäckström später das Ruder. Am Ende der fünfzehn Minuten schien Bäckström die erste und dritte Runde nach Ansicht der meisten Zuschauer gewonnen zu haben, zwei Punktrichter gaben ihn jedoch an Lahat, während einer ihn Unentschiedne wertete.
Noad Lahat bes. Niklas Bäckström mehrheitlich nach Punkten (28:28, 29:28, 29:28)

Scott Askham vs. Antonio dos Santos
Schon beim Wiegen waren die Mittelgewichte Scott Askham und Antonio dos Santos beinahe aneinandergeraten, ihren Kampf begannen die beiden dagegen zunächst eher verhalten. Dos Santos schien auf eine Gelegenheit zu warten, Askhams Kinn mit seinen harten Fäusten bekannt zu machen.

Ein linker Aufwärtshaken leitete schließlich den Anfang vom Ende für dos Santos ein, der sich zwar anschließend noch für kurze Zeit auf den Beinen halten konnte, von einer Kombination aus Kniestößen, Kicks und weiteren Schlägen dann aber doch endgültig auf die Bretter geschickt wurde.
Scott Askham bes. Antonio dos Santos via T.K.o. (Schläge) nach 2:52 in Rd. 1

Piotr Hallmann vs. Magomed Mustafaev
Weiter ging es im Leichtgewicht zwischen Piotr Hallmann und Magomed Mustafaev. Beide Kämpfer gingen von der ersten Sekunde an aggressiv zu Werke. UFC-Debütant Mustafaev landete im Stand einige gute Treffer – von Schlägen über Kicks bis hin zu Kniestößen. Hallmann hielt gut mit und sicherte sich gegen Mitte der Runde nach einem Ausrutscher Mustafaevs die Oberlage, aus der er sich aber bis zum Ende des Durchgangs gegen eine Reihe Aufgabgegriffe verteidigen musste. Runde zwei spielte sich zunächst hauptsächlich am Käfigzaun ab, wo Mustafaev einige Ellbogen, Hallmann dafür den einen oder anderen Kniestoß aus dem Thai-Clinch landete. Einer der Ellbogen öffnete einen tiefen Cut auf Hallmanns linker Augenbraue, der zunächst eine Pause und wenig später den Kampfabbruch herbeiführte.
Magomed Mustafaev bes. Piotr Hallmann via T.K.o. (Abbruch durch den Ringarzt) nach 3:24 in Rd. 2

Taylor Lapilus vs. Ulka Sasaki
Im ersten Kampf des Abends wurde schnell klar, dass Taylor Lapilus den Kampf auf den Beinen halten wollte, während Ulka Sasaki sein starkes BJJ anbringen wollte. Mit seinen Takedowns war der Japaner allerdings über weite Strecken wenig erfolgreich – wenn er Lapilus auf den Boden bekam, stand dieser meist schnell wieder auf. In Runde zwei stellte der Franzose seinen Gegner mit einer harten Geraden auf wacklige Beine, schlug ihn nieder und machte mit Folgeschlägen den Sack zu.
Taylor Lapilus bes. Ulka Sasaki via T.K.o. nach 1:28 in Rd. 2

Anbei die Ergebnisse im Überblick:

UFC Fight Night 69: Jedrzejczyk vs. Penne
Samstag, 20. Juni 2015
o2 World Berlin


Titelkampf im Strohgewicht:
Joanna Jedrzejczyk bes. Jessica Penne via T.K.o. (Schläge) nach 4:22 in Rd. 3

Hauptprogramm:
Tatsuya Kawajiri bes. Dennis Siver einstimmig nach Punkten (29:28, 29:28,29:28)
Peter Sobotta bes. Steve Kennedy via Aufgabe (Rear Naked Choke)  nach 2:57 in Rd. 1
Nick Hein bes. Lukasz Sajewski einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 30:27)

Vorprogramm:
Makwan Amirkhani bes. Masio Fullen via Aufgabe (Rear Naked Choke) nach 1:41 in Rd. 1
Mairbek Taisumov bes. Alan Patrick via T.K.o. (Headkick und Schläge) nach 1:30 in Rd. 2
Arnold Allen bes. Alan Omer via Aufgabe (Guillotine Choke) nach 1:41 in Rd. 3
Noad Lahat bes. Niklas Bäckström mehrheitlich nach Punkten (28:28, 29:28, 29:28)
Scott Askham bes. Antonio dos Santos via T.K.o. (Schläge) nach 2:52 in Rd. 1
Magomed Mustafaev bes. Piotr Hallmann via T.K.o. (Abbruch durch den Ringarzt) nach 3:24 in Rd. 2
Taylor Lapilus bes. Ulka Sasaki via T.K.o. nach 1:28 in Rd. 2