Ergebnisse

UFC 124: Der Veranstaltungsbericht

Der glückliche Gewinner: Georges St.Pierre

Nur eine Woche nachdem das Finale der zwölften "The Ultimate Fighter"-Staffel ausgetragen wurde, kollidierten beide Trainer bei UFC 124 vor 23.000 Zuschauern. UFC Weltergewichtschampion Georges St. Pierre verteidigte seinen Gürtel in der kanadischen Heimat gegen "Bad Boy" Josh Koscheck.
Dana White kündigte einen Bonus von 100.000 US-Dollar für den Kampf des Abends an, was die Kämpfer zu guten Leistungen motivieren sollte.

Pat Audinwood vs. John Makdessi (links)
Pat Audinwood vs. John Makdessi
Der Kanadier Makdessi durfte die Halle im heimischen Quebec mit dem ersten Kampf beglücken und wurde lautstark angefeuert. Er dominierte seinen Gegner mit starkem Standkampf, knockte ihn sogar an und wehrte Takedowns ab. Nach drei Runden mit einigen Spinning Back-Kicks (siehe Bild) und hartem Kickboxen wurde der erste kanadische Sieg im ersten Kampf sichergestellt.
John Makdessi besiegte Pat Audinwood via Punktentscheidung (einstimmig) (30-27, 30-27, 30-26).

Ricardo Almeida vs. TJ Grant (unten)
Ricardo Almeida vs. TJ Grant
Almeida ging als Favorit in diesen Kampf und konnte, wie erwartet, den Kampf auf den Boden bringen und dort dominieren. Grant versuchte sich zu befreien, doch konnte er Almeida nie in Gefahr bringen. Nach drei Runden konnte Almeida den Kampf zwar nicht vorzeitig beenden, doch es war offensichtlich, dass er genug getan hatte um nach Punkten zu gewinnen.
Ricardo Almeida besiegte TJ Grant via Punktentscheidung (einstimmig) (30-27, 30-27, 30-27).

Sean Pierson (r.) vs. Matthew Riddle (l.)
Sean Pierson vs. Matthew Riddle
Der Kampf startete mit einem harten Schlagabtausch indem es zuerst hin und her ging, bis Riddle hart getroffen wurde. Riddle ging daraufhin zu Boden, als er von einem rechten Haken getroffen wurde, nachdem er mit einem fliegenden Knie sein Ziel verfehlte. Auf dem Boden konnte der Kanadier, Pierson, den Rücken seines Gegners erringen um einen Rear Naked Choke anzusetzen, doch Riddle befreite sich. Im Laufe des Kampfes, der über die volle Distanz ging, wurde klar, dass Pierson der bessere Standkämpfer war und Riddle nur auf dem Boden eine Chance hatte. In der letzten Runde konnte Riddle dem Auge seines Gegners zwar Schaden zufügen, doch reichte dies nicht zum Triumph.
Sean Pierson besiegte Matt Riddle via Punktentscheidung (einstimmig) (30-27, 30-27, 30-27).

Jesse Bongfeldt vs. Rafael Natal
Jesse Bongfeldt vs. Rafael Natal
Bongfeldt wurde aus dem Clinch zu Boden gebracht, wo Natal ihm mit Hammerfists zusetzte. In Runde zwei konnte Bongfeld einige Treffer setzen und seinen Gegner auf den Boden bringen, doch Natal schaffte es wieder auf die Beine und konnte seinerseits Takedowns und den Rücken seines Gegners erringen. Nach drei harten Runden, die allesamt knapp ausfielen, konnten sich die Punktrichter scheinbar für keinen Gewinner entscheiden und werteten den Kampf unentschieden.
Rafael Natal vs. Jesse Bongfeldt endete im mehrheitlichen Unentschieden (28-28, 28-28, 29-28).

Mark Bocek (unten) vs. Dustin Hazelett
Mark Bocek vs. Dustin Hazelett
Bocek bekam beim ersten Versuch den Takedown, der Hazelett nichts auszumachen schien, denn er arbeitete vom Rücken aus und versuchte Gogoplatas und Triangles anzusetzen. Bocek war vorsichtig und ließ sich in keine Submission hineinlocken, sondern arbeitete sich in die Full Mount. Von dort aus sicherte er einen blitzschnellen Triangle Choke, der Hazelett keine andere Chance gab als abzuklopfen.
Mark Bocek besiegte Dustin Hazelett durch Aufgabe (Triangle Choke) Rd.1 (2:33).

Joe Doerksen vs. Dan Miller (oben)
Joe Doerksen vs. Dan Miller
Miller diktierte das Kampfgeschehen von Beginn an und brachte Doerksen mit einem Takedown zu Fall. Auf dem Boden dominiert er die Runde über mit Ground and Pound während Doerksen vom Rücken aus Aufgabegriffe anzusetzen versuchte, die jedoch erfolglos blieben. Auch in der zweiten Runde konnte Miller einen schnellen Takedown sichern, doch Doerksen drehte seinen Gegner und befand sich nun in der Guard von Miller. Im Gegensatz zu Doerksen, war Miller vom Rücken aus aktiver, konnte seinen Gegner abschütteln und aufstehen. Dies sorgte für einen weiteren Takedown seinerseits (Miller) und damit lag Doerksen wieder auf dem Rücken, wie in Runde Eins. Der Kanadier (Doerksen) versuchte mit einem Kimura ans Ziel zu gelangen, doch Miller befreite sich nach einigen Sekunden. Da Miller in beiden Runden der aktivere Mann war und die bessere Position auf dem Boden erreichte, war den Beteiligten klar, dass Doerksen in der letzten Runde alles geben musste. Miller konnte, wie in Runde eins und zwei, früh den Takedown erringen und sich damit über die volle Distanz auf dem Boden den Vorteil verschaffen. Doerksen schaffte es nicht wieder auf die Beine und der Kampf ging an die Punktrichter.
Dan Miller besiegte Joe Doerksen via Punktentscheidung (geteilt) (29-28, 28-29, 29-28).

Thiago Alves (l.) vs. John Howard
Thiago Alves vs. John Howard
Der Kampf startete, wie in den Vorkampf-Interviews angekündigt, mit hartem Kickboxen beider Kontrahenten. Alves konnte einige harte Treffer setzen und einen Takedown-Shoot von Howard abwehren. Einige Treffer später konnte Alves seinen Gegner mit einem Belly-to-Belly Suplex auf den Boden bringen und dort einige Schläge anbringen, bis Howard wieder auf die Beine kam. Wieder gab es hartes Kickboxen, in dem Alves der technisch bessere Kämpfer war. Nach einem harten rechten Lowkick konnte Alves zum Clinch übergehen und mit zwei harten Knien Howards Gesicht treffen, doch dieser steckte sie ein und machte ambitioniert weiter. In der Rundenpause wurde Howard von seiner Ecke aufgefordert mit mehr Fake-Shots zu arbeiten um Alves zu verwirren, doch in der zweiten Runde war nichts davon, von Howard, zu sehen. Beide Kämpfer brachten mehrere Lowkicks, die lautstark an den Oberschenkeln klatschten und die Zuschauer zum verbalen Höchstleistungen brachten. Gut zwei Minuten vor Ende der zweiten Runde punktete Alves mit einem spektakulären Takedown-Slam und verbrachte die restliche Zeit im Guard von Howard. In der letzten Runde machte Alves sichtlich weniger, da er sich im Klaren darüber war, die ersten beiden Runden für sich entschieden zu haben. Er ließ Howard kommen und konterte ihn aus. Durch eine harte Rechte getroffen ging Howard zu Boden, kam jedoch schnell wieder auf die Beine. Howard versuchte die letzte Minute noch ein letztes Mal Druck zu machen, doch Alves ließ ihn schwingen und konterte im hitzigen Schlagabtausch. "Thiago Alves ist zurück!", sagte ein begeisterter Joe Rogan (UFC Kommentator).
Thiago Alves besiegte John Howard via Punktentscheidung (einstimmig) (30-27, 30-27, 30-27).

Mac Danzig vs. Joe Stevenson (l.)
Mac Danzig vs. Joe Stevenson
"The Ultimate Fighter"-Staffel Sechs Gewinner, Mac Danzig, traf auf Staffel Zwei Gewinner, Joe Stevenson. Stevenson machte Druck und verfolgte Danzig durch das Octagon. Stevenson holte zu einem linken Haken aus machte damit beim Schwingen den Schritt vorwärts, was Danzig zu einem perfekten Konter in der Rückwärtsbewegung brachte, der seinerseits mit einem linken Haken das Kinn von Stevenson traf. Stevenson ging hart zu Boden und war KO bevor er, wie ein Kartoffelsack, auf den Boden polterte.
Mac Danzig besiegte Joe Stevenson via Knockout (linker Haken) Rd.1 (1:54).

Jim Miller (l.) vs. Charles Oliveira
Jim Miller vs. Charles Oliveira
Miller sicherte den Takedown nach wenigen Sekunden, was Oliveira dazu brachte von einem Rücken aus zu arbeiten und Aufgabegriffe zu suchen. Miller schien zu wissen was er tat, denn er befreite sich problemlos aus Oliveiras Aufgabeversuchen und setzte diesem mit Ground and Pound zu. Oliveira versuchte das Bein seines Gegners zu sichern, doch Miller konterte und griff seinerseits das Bein des Brasilianers und drehte sich in eine perfekt positionierte Kneebar die Oliveira  nach wenigen Sekunden zum Abklopfen brachte.
Jim Miller besiegte Charles Oliveira via Aufgabe (Kneebar) Rd.1 (1:59).
Die Kommentatoren waren überrascht, dass der BJJ Experte so schnell submittet wurde. Im Interview mit Joe Rogan forderte Miller den Titelkampf, da er nun sechs UFC Kämpfe in Folge für sich entscheiden konnte.

Sean McCorkle slammt Stefan Struve
Sean McCorkle vs. Stefan Struve
McCorkle kündigte an Struve in der ersten Runde unter drei Minuten besiegen zu wollen. Dazu bezeichnete er ihn als "jung und dumm", was vor dem Kampf für verbale Furore sorgte. Zu Beginn traf Struve mit einer Rechten, wurde jedoch daraufhin von McCorkle durch einen Slam zu Boden gebracht. Auf dem Boden versuchte McCorkle einen Kimura, der Struve zwar zusetzte, doch dieser konnte mit dem Rücken zum Käfig den Griff blocken und sich befreien. Struve konnte McCorkle in die Guard schieben und von dort selbst einen Kimura-Sweep ansetzen, woraufhin er sich im Mount befand und von dort harte Schläge und Ellenbogen herabfallen ließ, bis der Ringrichter dazwischengehen musste.
Stefan Struve besiegte Sean McCorkle via TKO (Schläge) Rd.1 (3:55).

Georges St. Pierre (r.) vs. Josh Koscheck (l.)
Weltergewichtstitelkampf
Georges St. Pierre (c) vs. Josh Koscheck

Die Halle drohte vor lauten Buhrufen bei Koschecks Einzug einzubrechen, ebenso bei GSPs Einmarsch, doch bei Letzterem aufgrund von ohrenbetäubendem Jubel. Kein Handshake vor dem Kampf. St. Pierre traf mit einigen Jabs und konnte nach knapp 20 Sekunden im Kampf mit einen Takedown punkten. Koscheck war kurz darauf wieder auf den Beinen. Die Halle sang "Olé-Olé!"-Hymnen, während GSP mit Jabs die Nase seines Gegners traf. Der Kanadier traf mit einer links-rechts Kombination, gefolgt von weiteren harten Jabs die Koschecks Kopf rütteln und sein rechtes Auge anschwellen ließen. Koscheck versuchte sein Glück mit wilden Schwingern, die nur Luft trafen. 30 Sekunden vor Ende der ersten Runde bemühte Koscheck sich um einen Double-Leg Takedown, der ihm nach einigem Ringen am Käfigrand gelang.

Runde Zwei wurde von St.Pierres Superman-Jab gestartet, was wieder "Olé-Olé!"-Rufe einleitete. Wieder traf St.Pierre mit seinen harten Jabs, die Koscheck sichtlich frustrierten. Ein weiterer Superman-Jab (nicht zu verwechseln mit dem Superman-Punch) hatte Koschecks Auge als Ziel und sorgte bei diesem für ein immer schlechteres Sichtfeld. GSP mixte die Angriffe mit Lowkicks, während Koscheck ein Aufwärtshaken ans Ziel brachte. Runde drei wurde mit weiteren Treffern von GSP eingeleitet. Ein Shoot-Versuch von GSP folgte, der im Clinch am Käfig endete. GSP arbeitete dort mit Knien an den Oberschenkeln von Koscheck, bis dieser den Clinch brechen und Abstand gewinnen konnte. Wenige Sekunden später konnte GSP seinen Gegner wieder an den Käfig drücken und wieder mit Knien maltretieren. Koscheck schien sichtlich frustriert, da er das Duell im Standkampf verlor, was seine Stärke in den letzten Kämpfen zu sein schien.

In der Rundenpause schaute sich der Ringarzt Koschecks Auge intensiv an und schien mit dem Gedanken zu spielen den Kampf abzubrechen, ließ den Kampf aber weiterlaufen. In Runde Vier punktete GSP mit einem Takedown, konnte jedoch seinen amerikanischen Gegner jedoch nicht lange unten halten. Weitere Treffer von GSP folgten im Stehen, hauptsächlich auf Koschecks rechter Seite, da das Auge immer weiter zuschwoll und die Reaktionszeit, aufgrund der schlechten Sicht, nachließ. In der Rundenpause zur letzten Runde forderte Koschecks Ecke den KO. Koscheck schrie schmerzhaft auf, als der Cutman währenddessen sein Auge kühlte, was darauf hindeutete, dass die Verletzung ernst war. GSP machte dort weiter, wo er die Runden zuvor aufgehört hatte. Weitere Jabs und linke Haken trafen Koschecks Gesicht. Kommentator Joe Rogan sprach von den "meisten Jab-Treffern der MMA-Historie". Koscheck wurde mit zwei Minuten auf der Uhr in den Maschendraht gedrückt, während das geschwollene rechte Auge zu bluten anfing. Ein weiterer Takedown von GSP folgte, doch Koscheck stand wieder auf und wieder brachte GSP ihn zu Fall. Dies war systematisch für den gesamten Kampf. Koscheck stand wieder und wurde in den Zaun gedrückt, bis er Abstand gewinnen konnte. Die letzten 30 Sekunden wurden lautsark vom Beifall der Zuschauer zu Ende geführt. Koscheck umarmte seinen Kontrahenten und schien ein paar nette Worte für ihn übrig zu haben.
Georges St. Pierre besiegte Josh Koscheck via Punktentscheidung (einstimmig) (50-45, 50-45, 50-45).
Joe Rogan stellte heraus, dass GSP als "Überringer" seine letzten Kämpfe dominierte, nun mutierte er scheinbar zum "Top Boxer". Wer kann diesen Mann schlagen?

UFC 124: GSP vs Kos

UFC 124: St. Pierre vs. Koscheck
11. Dezember 2010
Bell Centre in Montreal, Quebec, Kanada


Weltergewichtstitelkampf
Georges St. Pierre (c) bes. Josh Koscheck via Punktentscheidung (einstimmig)

Hauptkämpfe
Stefan Struve bes. Sean McCorkle via TKO nach 3:55 in Rd.1
Jim Miller bes. Charles Oliveira via Kneebar nach 1:59 in Rd.1
Mac Danzig bes. Joe Stevenson via Knockout nach 1:54 in Rd.1
Thiago Alves bes. John Howard via Punktentscheidung (einstimmig)

Vorkämpfe (live auf UFC.com)
Dan Miller bes. Joe Doerksen via Punktentscheidung (geteilt)
Mark Bocek bes. Dustin Hazelett via Triangle Choke nach 2:33 in Rd.1

Vorkämpfe (nicht im TV)
Sean Pierson bes. Matt Riddle via Punktentscheidung (einstimmig)
Jesse Bongfeldt vs. Rafael Natal endete unentschieden
Ricardo Almeida bes. TJ Grant via Punktentscheidung (einstimmig)
John Makdessi bes. Pat Audinwood via Punktentscheidung (einstimmig)