Ergebnisse

Stärker als jemals zuvor

Alle Fotos via Uwe Tersek (youte.info)

Fünf Titelkämpfe, über 1.500 begeisterte, fachkundige Zuschauer und Mixed-Martial-Arts-Action, die noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wenn Respect.5 einen Tiefschlag für die Veranstaltungsserie von Ben Helm und Sebastian Tlatlik war, kann Respect.6 vom gestrigen Abend in Wuppertal getrost als das Meisterstück der beiden Respect.FC-Macher angesehen werden. „Stronger than ever“ war das Motto der Veranstaltung, und es wurde ein denkwürdiger Kampfsportabend, der den Ruf der Veranstaltung auf Hochglanz polierte.

Für den Schwergewichtstitelträger Björn Schmiedeberg lief im Hauptkampf von Respect.6 zu Beginn alles wie am Schnürchen. Vor heimischem Publikum setzte „Die Gazelle“ früh deutliche Akzente und jagte Weinpolter mit Schlagsalven durch den Ring, von denen er eine mit einem Kniestoß abschloss, der den Österreicher aus dem Ring beförderte. Weinpolter ließ aber kein Schaulaufen des Lokalmatadoren zu und biss die Zähne zusammen. Mit gezeichnetem Gesicht wehrte er sich erbittert und konnte speziell im Clinch das Momentum zu seinen Gunsten wenden. Schmiedebergs Hoffnung über den Kampfausgang, „alles, nur bitte nicht wieder fünf Runden“, hatte sich spätestens dann in Luft aufgelöst, als Weinpolter selbst mit gebrochener Nase weitermachte.

Björn Schmiedeberg (l.) vs. Sascha Weinpolter

In der dritten Runde zollten beide Kämpfer der Erschöpfung und zahlreichen Treffern Tribut, und das Tempo wurde langsamer. Schmiedeberg gelang es immer seltener, im offenen Schlagabtausch zu punkten und verlor die vierte Runde deutlich, nachdem er zahlreiche harte Knie zu Kopf am Boden kassiert hatte. Nach zwanzig Minuten sehenswertem Kampf von beiden, war klar, dass die letzten fünf Minuten das Zünglein an der Waage sein würden und nach ausgeglichenem Verlauf war sich keiner des Sieges sicher. Die Punktrichter entschieden sich dennoch mit 3-0 Stimmen für den Wuppertaler Schmiedeberg, der seinen Titel mit Ach und Krach verteidigen konnte und frenetisch gefeiert wurde.

Sebastian Risch aus Bremen und Nick Hein aus Köln trafen in einem klassischen Striker-vs.-Grappler-Duell aufeinander. Das heiß erwartete Ringen um den vakanten Mittelgewichtstitel ging nach einer Verzögerung los, in der Ringrichter Marco Broersen nach eigener Aussage Vaseline von den Beinen des Bremers entfernte. Im Kampf gelang es Risch, Hein mit einem Ellenbogenschlag im Stand anzuklingeln. Hein rettete sich mit einem Takedown und suchte, seien Dominanz im Bodenkampf auszuspielen, was ihm mit der Back Mount und weiteren Takedowns auch gelang. Risch, für den es mittlerweile zum Alltag geworden zu sein scheint, langsam in die Kämpfe zu starten und die erste Runde abzugeben, blieb aber dennoch gefährlich und zeigte schönes Ground and Pound aus der Rückenlage, mit dem er Streckenweise mehr Treffer erzielte, als Hein von oben.

Sebastian Risch (r.) vs. Nick Hein

Im zweiten Durchgang sprawlte Risch einen Takedown von Hein schön und erkämpfte sich kurzzeitig sogar die Back Mount. Im Stand leitete ein hartes Knie des Bremers dann die endgültige Wende ein: Hein war verwundet, setzte mit letzter Kraft einen erneuten Takedown, wurde aber gesweept, bevor er sich erholen konnte. Risch hatte Blut geleckt und biss sich fest. Unter frenetischem Applaus der Zuschauer attackierte er Hein mit harten Kniestößen am Boden, denen der angeschlagene Kölner Judoka nur noch seine enorme Zähigkeit und seinen Willen entgegensetzen konnte. Der Ringrichter stoppte den Kampf folgerichtig eine Minute vor Ende der zweiten Runde und krönte den Bremer Senkrechtstarter.

Typisch Manuel Masuch: Der Sparta-Essen-Kämpfer spulte im Kampf um den vakanten 93-Kilo-Titel nach vorsichtiger Abtastphase sein Standard-Repertoire ab. Aus der Sicht seines Gegners Marcin Naruszczka bedeutete dies, sich einen Takedown einzufangen, unten in der Side Mount zu liegen und sich mit aller Kraft gegen den vermeintlich finalen Keylock zu wehren. Der physisch deutlich überlegene Masuch riss, bog, zog, justierte nach, musste den Hebel schlussendlich aber loslassen und wechselte in die Full Mount. Naruszczka war den weiten Weg aus Warschau aber nicht angereist, um sich geschlagen zu geben und trotzte den Attacken des Ringers. Anfang der zweiten Runde fing er sich einen Masuch-Schwinger ein und ging zu Boden.

Marcin Naruszczka (r.) vs. Manuel Masuch

Beim Nachsetzen gelang es Masuch aber erneut nicht, seinen Gegner zu stoppen, und die Rufe seines Trainers Les “Brainbug“ Herden, die ihn ermahnten, nicht zu überpacen, wurden lauter. In der dritten Runde gelang es Naruszczka erstmalig, einen Takedown zu verteidigen und Masuch schien Probleme mit seinem linken Ohr zu haben. Der Pole nahm das Heft in die Hand und witterte die Sensation: Ende der Runde konnte er einige harte Kniestöße, sowie die Full und die Back Mount verbuchen. Nur der Rundengong rettete Masuch vor dem Rear Naked Choke. Erst nach drei weiteren Minuten Kampf konnte Naruszczka Masuch mit dem Rear Naked Choke zur Strecke bringen, nachdem der Essener ihn in einer letzten Offensivaktion erneut mit seinem patentierten Keylock bedroht hatte.

Um den Titel in der 66-Kilo-Klasse lieferten sich der Düsseldorfer Marcel Jedidi und der Niederländer Ben Boekee ein interessantes Duell. Jedidi griff dabei immer wieder mit überfallartigen Schlagsalven an, die Boekee teils schwere Probleme bereiteten. Der Grappler selbst zeigte einen schönen Wurf und vereinzelten Lowkicks, musste die erste Runde aber an den enorm agilen Jedidi abgeben. Boekee hatte genug vom Standkampf und brachte Jedidi in Runde zwei sofort zu Boden. Aus der Position befreite Jedidi sich nach einiger Zeit ohne größeren Schaden genommen zu haben, doch hatte er nicht mit einem blitzartigen Kniestoß von Boekee gerechnet, der ihn voll traf und ihm wegen eines daraus resultierenden Cuts die Niederlage bescherte. Boekee feierte seinen Coup und bekam von Matchmaker Ben Helm den Gürtel umgeschnallt.

Ben Boekee (l.) vs. Marcel Jedidi

Im Leichtgewichtstitelkampf kam es zum interessanten Duell zwischen neuer und alter Garde, als der Showman Niko “Karl Stahl“ Lohmann auf den Veteran Cengiz “Mosquito“ Dana traf. Der Kampf wäre beinahe nach wenigen Sekunden schon vorbei gewesen, als Dana Lohmann in einem Guillotine Choke hatte, und sich der Kopf des Esseners deutlich rötete. Lohmann entkam aber und schenkte Dana einen Schluck seiner eigenen Medizin ein: Diesmal war es der Combat-Club-Cologne-Kämpfer, der sich nur mit letzter Kraft aus der Guillotine befreien konnte.

Cengiz Dana (o.) vs. Niko Lohmann

Den feinen – oder in diesem Fall eher brachialen – Unterschied zwischen einem Veteran und einem noch recht unerfahrenen Kämpfer wie Lohmann, zeigte Dana wenig später im Stand. Nach dem Break ließ Lohmann Dana kurz außer Acht und kassierte sofort ein präzises eingesprungenes Knie des heranpreschenden “Mosquitos“. Lohmann ging zu Boden und war nicht mehr in der Lage, sich effektiv gegen zwei folgende harte Kniestöße zu wehren, die dem in letzter Zeit vom Pech verfolgten Dana den so dringend benötigten Sieg und gleichzeitig den Respect.FC-Leichtgewichtstitel sicherten.

Alt gegen jung: klingt abgedroschen, trifft aber voll zu, wenn ein 37-Jähriger auf einen 19-Jährigen trifft. Sebastian Baron aus Wuppertal und Jessin Ayari aus Nürnberg zeigten einen intensiven Kampf voller hin und her, in dem keiner zurückstecken wollte. Erst am Ende der ersten Runde konnte Ayari sich die Kruzifix-Position erarbeiten, aus der er Baron mit gutem Ground and Pound die erste Runde abluchste. Zur Enttäuschung der Zuschauer musste Baron nach der Rundenpause scheinbar völlig erschöpft aufgeben.

Jessin Ayari (l.) vs. Sebastian Baron

Im Federgewicht lieferten sich der Berliner Veteran Jesse-Björn Buckler und der Ratinger Kamil Sauter einen Kampf, bei dem der vorbildliche sportliche Respekt der beiden voreinander mehrmals deutlich wurde. Sauter versuchte seine körperlichen Vorteile umzumünzen und punktete mehrfach mit schönen Schlägen, denen der Berliner vor allem seinen zielsicheren linken Tritt entgegensetzte. Im zweiten Durchgang gelang es Buckler dann, Sauter am Boden zu fixieren und dort mit einem Rear Naked Choke zur Aufgabe zu zwingen.

Jesse-Björn Buckler (r.) vs. Kamil Sauter

Der 44-jährige Karate- und BJJ-Schwarzgurt Jörg Lothmann zeigte deutlich, dass das englische Sprichwort „never judge a book by its cover“ auch im Ring von Respect.FC seine Gültigkeit behält. Im Kampf gegen den Niederländer Jeffrey Waltmans rächte er sich für die Niederlage seines Schülers Daniel Kimmling mit einem gewaltigen eingedrehten Tritt, der Waltmans nach nur 13 Sekunden K.o. zu Boden gehen ließ. Die Halle war außer sich vor Begeisterung und feierte Lothmann noch Minuten später mit Standing Ovations.

Arne Boekee, der beste niederländische Amateurkämpfer, hatte mit dem Kölner Luta-Livre-Kämpfer Stefan Larisch eine denkbar schwere Aufgabe für sein Profi-Debüt. Larisch zeigte dabei mehr Boxtechniken, als man sonst von ihm gewohnt ist, konnte sich gegen den deutlich größeren Schlaks Boekee aber nicht entscheidend durchsetzen. Zur Überraschung vieler zwang Boekee Larisch Mitte der ersten Runde mit einer Guillotine zur Aufgabe, nachdem er einen Takedown des Kölners vereiteln konnte.

Im einzigen Frauenkampf des Abends legten die Bremerin Katharina Albinus und die die Niederländerin Janeth Almeida los wie die Feuerwehr. Offener Schlagabtausch im Dauerfeuer-Modus stand auf dem Programm, der nur “unterbrochen“ wurde, als Almeida nach einiger Zeit ein Takedown gelang. Am Boden setzte sie der Bremerin schwer zu, fand sich jedoch in der zweiten Runde selbst in der Unterlage wieder, aus der sie schlussendlich von Albinus mit Schlägen gestoppt wurde.

Der Pole Marian Ziolkowski und Max Coga aus Frankfurt lieferten sich ein knappes Duell auf Augenhöhe. Ziolkowski startete gut und sammelte Punkte am Boden, die Coga erst im weiteren Kampfverlauf in den Schlagwechseln gutmachen konnte. In der letzten Runde traf Coga dann mit sehenswerten Schlägen, die Ziolkowski schwer zusetzten. Der Pole beendete die Runde zwar in der Full Mount, doch wurde der Punktsieg Coga mehrheitlich zugesprochen, was das Publikum mit lauten Buh-Rufen quittierte.

Im Bantamgewicht zeigte der junge Berliner Rany Saadeh gegen den Shooto Amateur-Europameister Santiago Jordan aus den Niederlanden eine beachtliche Leistung. Beide zeigten einen für das Bantamgewicht typischen Kampf mit sauberen Techniken und hohem Tempo, das Saadeh im Kampfverlauf mit schweren Kniestößen zu bestimmen begann. In der zweiten Runde war es dann ein weiteres Knie, gefolgt von Ground and Pound, was Jordans Niederlage besiegelte.

Bei den Amateuren bezwang Jeffrey Sanderson Alexander Figge in der ersten Runde mit einem Side Choke, während ein Cut den Nürnberger Andreas Dümmler im Kampf gegen Martin Hink früh aus dem Rennen nahm. Patrick Bork nutzte seine Vorteile im Bodenkampf für einen Punktsieg gegen Christian Veltmann. Sebastian Stolte machte kurzen Prozess mit Gabriel Pauni: Armbar nach nur 25 Sekunden. Sven Goos bezwang Mohammed Fellini nach Punkten, während Malte Große bei seinem Punktsieg gegen Cedric Robens eine Leistung aufs Parkett legte, die nach Semi-Pro schreit. Im Eröffnungskampf zwang Alfred Burkhardt Christian Spieker mit einer Guillotine zur Aufgabe.

Respect.6 – Stronger than ever
17. September 2011
Bayerhalle in Wuppertal

Schwergewichtstitelkampf
Björn Schmiedeberg (c) bes. Sascha Weinpolter nach Punkten (einstimmig) nach 5x5 min.

Mittelgewichtstitelkampf
Sebastian Risch bes. Nick Hein via TKO (Kniestöße) nach 4:05 in Runde 2

Halbschwergewichtstitelkampf
Marcin Naruszczka bes. Manuel Masuch via Rear Naked Choke nach 3:03 in Runde 4

Leichtgewichtstitelkampf
Cengiz Dana bes. Niko Lohmann via KO (Kniestöße) nach 4:10 in Runde 1

Federgewichtstitelkampf
Ben Boekee bes. Marcel Jedidi via TKO (Cut) nach 2:18 in Runde 2  

Pro
Jessin Ayari bes. Sebastian Baron via TKO (Aufgabe) nach 5:00 in Runde 1
Jesse-Björn Buckler bes. Kamil Sauter via Rear Naked Choke nach 3:25 in Runde 2
Jörg Lothmann bes. Jeffrey Waltmans via KO (Spinning Back Kick) nach 0:13 in Runde 1

Semi-Pro:
Arne Boekee bes. Stefan Larisch via Guillotine Choke nach 2:52 in Runde 1
Katharina Albinus bes. Janeth Almeida via TKO (Schläge) nach 3:28 in Runde 2
Max Coga bes. Marian Ziolkowski nach Punkten (mehrheitlich) nach 3x4 min.
Rany Saadeh bes. Santiago Jordan via TKO (Schläge) nach 3:48 in Runde 2

Amateur
Jeffrey Sanderson bes. Alexander Figge via Side Choke nach 1:13 in Runde 1
Martin Hink bes. Andreas Dümmler via TKO (Cut) nach 0:27 in Runde 1
Patrick Bork bes. Christian Veltmann nach Punkten (einstimmig) nach 3x3 min.
Sebastian Stolte bes. Gabriel Pauni via Armbar nach 0:25 in Runde 1
Sven Goos bes. Mohammed Fellini nach Punkten (einstimmig) nach 3x3 min.
Malte Große bes. Cedric Robens nach Punkten (einstimmig) nach 3x3 min.
Alfred Burkhardt bes. Christian Spieker via Guillotine Choke nach 2:00 in Runde 1

Weitere Infos unter www.respectfc.de