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Shooto Deutschland trumpft in Holland auf!

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Die Europäische Shooto Kommission unter der Leitung von Martijn de Jong und mit Unterstützung von Rafles La Rose hat am vergangenen Samstag in der Sporthallen Zuid in Amsterdam die 10. Amateur Europameisterschaften im SHOOTO abgehalten. Teams aus Finnland, Schweden, Holland, Belgien, Frankreich, Spanien, Polen und Deutschland waren am Start und kämpften in den jeweiligen Gewichtsklassen der Herren um die begehrten Titel der ältesten MMA-Liga der Welt. Zusammen mit Franco de Leonardis (Gracie Barra Deutschland) hat SHOOTO Germany Präsident Peter Angerer erstmals ein offizielles Nationalteam zusammengestellt und die vielversprechendsten Talente Deutschlands an den Start geschickt. Und in der Höhle des Löwen in Holland rumpelte es dann auch ganz gewaltig, denn das Team Germany räumte in unserem Nachbarland so richtig auf mit der internationalen Konkurrenz. Vor allem das spanische Team unter der Leitung von ADCC-Repräsentant Chinto Mordillo bekam die Schlagkraft der deutschen Shooter empfindlich zu spüren, da die meisten Spanier in den Auftaktkämpfen von Athleten aus dem deutschen Team besiegt wurden. Sehen wir uns die Gewichtsklassen und das Abschneiden unserer Sportler im Einzelnen an:

Federgewicht -60 kg:

Christian Kosasih (Tempel Fightschool Darmstadt/Gracie Barra) stieg als erster für Deutschland in den Ring. Sein Auftaktgegner war der Spanier Sergi Mini, den Kosasih gut mit Takedowns zu Boden brachte und dort aus der Top-Position kontrollierte. Nach vier Minuten Kampfzeit war der Darmstädter eine Runde weiter im Halbfinale.

Savas Cevik (Achilleas Sportarena Aschaffenburg/Gracie Barra) hatte mit Santiago Jordan (Team Calmaro) weniger Glück und unterlag durch einen Guillotine Choke. Da er im Halbfinale gegen den späteren Turniersieger unterlag, bedeutete dies aber den 3. Platz für Cevik, der mit Sicherheit in Zukunft noch mehr von seinem Potential zeigen können wird.

Kosasih traf im Halbfinale auf den Polen Przemyslav Dobiala (Gracie Barra Polen), den er souverän zu Boden brachte und dort nach kurzer Zeit aus der Mountposition einen Armbar anbringen konnte. Im Finale stand Kosasih dann dem Amsterdamer Lokalmatadoren Santiago Jordan gegenüber, der zuvor Savas Cevik aus dem Rennen geworfen hatte. Der Kampf ging über zwei Runden im Finale und wogte hin und her, wobei Jordan letztendlich die deutlicheren Treffer im Stand anbringen konnte. Dadurch sicherte sich der Holländer in seiner Heimatstadt den Titel durch einen sehr knappen Punktesieg, doch Kosasih hatte mit der Silbermedaille bei diesen Europameisterschaften und seinen Siegen über Gegner aus Spanien und Polen ein klares Statement abgegeben. Man darf auf mehr von diesem großen Talent aus Darmstadt gespannt sein!

Leichtgewicht -65 kg:
In dieser Klasse wurde kurzerhand Kampfsportgeschichte geschrieben. Der ADCC-Silbermedaillist der European Trials 2009 Frank "Hammy" Stäblein vom German Top Team in Worms war mit Abstand der älteste Teilnehmer bei diesen Europameisterschaften und hatte erst wenige Wochen zuvor überhaupt sein Debüt beim 1. Offenen Shooto-Turnier in Großostheim gegeben. Stäblein setzte seinen Siegeszug nun auch in Holland konsequent fort. Sein Auftaktgegner Arshin vom Tatsujin Dojo in Amsterdam erwies sich als zäher Gegner, doch er hatte den dominanten Takedowns und der starken Bodenarbeit von Stäblein wenig entgegenzusetzen. Der Wormser siegte nach Punkten und rückte ins Halbfinale vor, wo er auf den Finnen Jussi Siitari traf. Diesmal machte Frank Stäblein kein langes Federlesen und arbeite bilderbuchmäßig: Takedown, Kontrolle, Guillotine Choke, Sieg! Im Finale kam dann die Enttäuschung darüber, dass sich sein Gegner im Halbfinale derart verletzt hatte, dass er zum Kampf um Gold nicht mehr antreten konnte. Frank musste die Trophäe des Europameisters kampflos aus der Hand von Golden Glory Fighterin Marloes Coenen in Empfang nehmen. Das erste Gold für Deutschland!

Weltergewicht -70 kg:
In dieser Klasse legte der Balinger Martin Buschkamp von Peter Sobottas Team Planet Eater eine beeindruckende Vorstellung hin. Seine beiden ersten Gegner in der Vorrunde fegte der Balinger mit blitzschnellen Submissionsiegen durch Mata Leao weg. Es war schon erstaunlich, wie locker und dennoch immer dynamisch sich Buschkamp den Rücken seiner Kontrahenten holte und dann sofort den Kampf beendete. Da ist ein ganz großes Talent für Deutschland im Kommen! Erst der Finne Antti Virtanen konnte Buschkamp im Halbfinale Einhalt gebieten und siegte in einem der besten Kämpfe des Tages nach Punkten. Allerdings blieb für Martin damit noch der 3. Platz und Bronze bei diesen Europameisterschaften.

David Adam vom German Top Team Reutlingen legte ebenfalls den Vorwärtsgang ein und besiegte seine ersten beiden Gegner aus Spanien und Schweden nach Punkten. Im Finale unterlag der Reutlinger dann im Kampf um die Goldmedaille Virtanen aus Finnland in Runde zwei durch Submission, kann aber mit seiner Silbermedaille bei diesen Europameisterschaften mehr als zufrieden sein.

Im Mittelgewicht -76 kg war aufgrund eines Gewichtsklassenwechsels von Julian Koch und dem Stuttgarter Igor Montes (Stallion Cage) kein Starter für Deutschland im Ring. In den bisherigen Gewichtsklassen war jedesmal das Finale mit einem deutschen Kämpfer besetzt und man wollte sich mit den bisherigen Erfolgen nicht zufrieden geben.

Halbschwergewicht -83 kg:
In dieser Klasse waren gleich drei Deutsche für Shooto Germany am Start. Achilleas Chalkidis (Achilleas Sportarena Aschaffenburg/Gracie Barra) legte mit einem packenden Fight gegen den Holländer Marvin Aboeli (Kops Gym) gut los, musste sich aber nach Punkten geschlagen geben. Benjamin Nüßle vom German Top Team Reutlingen hatte im Viertelfinale mit dem Schweden Mattias Björn (Team Per Eklund) eine harte Nuss zu knacken - und es knackte gewaltig! Mit einem der schönsten Submissionsiege durch einen Triangle Choke rückte Nüßle in das Halbfinale vor. Dort unterlag er dem Holländer Marvin Aboeli durch eine Mata Leao und musste sich mit Bronze zufrieden geben.

Sein Teamkamerad Julian Koch vom German Top Team Reutlingen hatte im Viertelfinale ein Freilos und stand im Halbfinale dem Holländer Antonio Vassileus gegenüber, den er vorzeitig mit einer tollen Submission zur Aufgabe zwang. Im Finale zeigte dann der "German Hunter" Marvin Aboeli, dass er sich den Titel auf keinen Fall nehmen lassen wollte und konnte Koch beeindrucken mit einer sehr unkonventionellen Mata Leao in Runde zwei zur Aufgabe zwingen. Damit holte Koch das dritte Silber für die Deutschen.

Cruisergewicht -91 kg:
Niels Wernersbach vom German Top Team Worms kämpfte ein starkes Match gegen den Belgier Thomas Hanno (Hybrid Dojo), unterlag aber nach Punkten. Der Wormser, der in Holland bei diesen Europameisterschaften erst seinen zweiten Kampf bestritt, wird im kommenden Jahr mit mehr Erfahrung zurückkommen.

Schwergewicht -100 kg:
Bastian Schäfer vom German Top Team Reutlingen war kurzfristig für eine Teilnahme nominiert worden und gab in Holland sein Debüt. Der Baden-Württembergische Meister im Kickboxen stand gegen den Belgier Eric Pailao (Hybrid Dojo) bereits im Halbfinale und eigentlich erwartete man jetzt das klassische "Striker vs. Grappler"-Duell. Doch Schäfer zeigte, dass er seine Hausaufgaben gemacht hatte. Er kassierte zwar zwei Takedowns durch den Belgier, setzte aber am Boden erstaunlich gut zwei gefährliche Submissionversuche an. Nach Ablauf der Kampfzeit reichte es aber nicht und Pailao rückte in das Finale vor.

Dort traf er auf Amir Dragan vom Challenge Club Frankfurt. Dragan, ein Purple Belt im BJJ der Gracie Barra unter Franco de Leonardis, hatte zuletzt das Shooto-Turnier in Großostheim gewonnen und sich nicht umsonst für eine Teilnahme qualifiziert. Im zahlenmäßig leider nur schwach besetzten Schwergewicht stand Dragan schon im Finale gegen den Belgier Pailao fest, der zuvor Schäfer nach Punkten besiegt hatte. Dragan machte dann den Sack auch gleich voll zu. Einem tollen Takedown folgten Sidemount und Mountposition, aus welcher Dragan dann einen Triangle Choke ansetzte, aus welchem der bullige Belgier kein Entrinnen mehr sehen konnte. Mit einem schnellen Submissionsieg in Runde ein holte sich Amir Dragan den Titel des Europameisters im Shooto und bescherte dem deutschen Team das zweite Gold!

Auf jeden Fall ist Amir Dragan ein Kämpfer, der viel Potential für einen echten Profi mitbringt. Starke Takedowns, kombiniert mit einem sehr dominanten Groundgame und gepaart mit schnellen harten Fäusten im Standkampf zeigen einen sehr kompletten Kämpfer. Mit Sicherheit wird Dragan am Ende des Jahres um die Deutsche Meisterschaft im Shooto kämpfen dürfen und sich somit für die B-Klasse im kommenden Jahr empfehlen. Wir hoffen, dass wir bis dahin noch mehr von diesem Fighter zu sehen bekommen.

Superschwergewicht +100 kg:
Bei den "ganz schweren Jungs" startete der Marler Thorsten Klein (MMA Marl), der zwar nicht für eine Teilnahme nominiert war, aber auf eigene Faust mit einem tollen Betreuerstab angereist war. Er unterlag in seinem ersten Kampf dem Holländer Dean Frenk (Tatsujin Nijmegen) durch Punkte und konnte keine Platzierung erkämpfen. Dennoch zählt sein Kampf für die Deutsche Shooto-Rangliste und man kann nur hoffen, dass noch mehr Superschwergewichtler in Deutschland den Weg zum Shooto finden, damit Klein im Laufe des Jahres nochmals national an den Start kann.

Resümee Peter Angerer:
"Es war ein unglaubliches Erlebnis mit Kämpfern aus den verschiedensten Teams in Deutschland gemeinsam unter einer Flagge nach Holland zu diesen Europameisterschaften zu fahren und zu sehen, wie sich die harte Arbeit der letzten Monate gelohnt hat. Von insgesamt acht Gewichtsklassen waren wir in fünf im Finale vertreten und haben mit zwei Titeln und drei Silbermedaillen dabei richtig abgeräumt! Ich kann es kaum in Worte fassen, was dieser Erfolg für mich und für das Shooto in Deutschland bedeutet.

Frank Stäblein ist ein leuchtendes Vorbild für alle Kämpfer! Mit 44 Jahren sein Debüt im Shooto zu geben und dann auch gleich noch den Titel des Europameisters zu holen, ist bisher beispiellos in der MMA-Geschichte in Deutschland. Und Amir Dragan hat in nur einem Kampf gezeigt, was für ein wahnsinniges Potential in ihm steckt. Ich war nach seinem Kampf wirklich sehr beeindruckt und freue mich schon riesig darauf, Amir bald wieder in Deutschland kämpfen zu sehen. Aber auch Christian Kosasih und Martin Buschkamp haben mich nachhaltig beeindruckt. Ich kann nur hoffen, dass diese beiden Athleten ihren Weg bei den Amateuren im Shooto weitergehen und am Ende des Jahres bei den German Vale Tudo Open in Reutlingen um die Deutschen Meistertitel in der C-Klasse kämpfen. Danach stünde einem Schritt ins Profilager im Shooto nichts mehr im Wege.

Von meinen eigenen Jungs bin ich auch sehr angenehm überrascht, da alle vier sich nicht nur in einer tollen Form sondern auch kämpferisch beeindruckend präsentierten. David Adam hat nach einer langen Kampfpause den "Ringrost" gut abgeschüttelt und gezeigt, dass man jederzeit mit ihm rechnen muss. Julian Koch hatte schon bei "Upcoming Glory 7" im März gewonnen und seine Leistung bei diesen Europameisterschaften hat einfach nur seine tolle Form unterstrichen. Besonders angetan war ich von dem Submission-Sieg von Benjamin Nüßle über den Kämpfer aus dem Team Per Eklunds. Wenn ein Mann wie Per in der anderen Ecke steht, ist man meist schon sehr beeindruckt, doch Benjamin hat ein echtes Bilderbuch-Shooto gezeigt und mit einer schönen Submission den Kampf beendet. Bastian Schäfer brauch einfach noch ein oder zwei Shooto-Kämpfe, bis er sein Potential voll entfalten kann, aber mit seiner gezeigten Leistung hat er meine Erwartungen übertroffen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass er sehr schnell im Schwergewicht national Fuß fassen wird...

Savas Cevik, Niels Wernersbach und Thorsten Klein haben auch gut gekämpft und ausnahmslos gegen starke Gegner verloren. So ist das eben bei einem Turnier. Da kann in der ersten Runde alles passieren. Doch ich denke, dass sie alle bei den kommenden Veranstaltungen in Deutschland kämpfen werden und dann im nächsten Jahr mit weitaus mehr Erfahrung in den Ring steigen. Und dann sieht die Welt schon ganz schnell ganz anders aus. Auf jeden Fall bin ich überglücklich, dass Shooto Deutschland einen derart tollen Erfolg nach so kurzer Zeit verbuchen konnte und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit allen interessierten Schulen und Kämpfern in den nächsten Monaten. Das wichtigste ist jetzt nur, konstant am Training und den Wettkampfmöglichkeiten für die Athleten weiterzuarbeiten."