Ergebnisse

Salido schockt Juanma Lopez

Foto by Tom Casino/Showtime.

Hochmut kommt vor dem Fall, lautet ein altes Sprichwort und vor allem in der Welt des Sports behält es nach wie vor seine Gültigkeit. Juan Manuel Lopez (30-1-0, 27 KO) musste dies am Samstagabend am eigenen Leib erfahren, als er von Außenseiter Orlando Salido (35-11-2, 23 KO) erst auf die Bretter geschickt und wenig später von Ringrichter Roberto Ramirez Jr. vorzeitig aus dem Kampf genommen wurde. Dem Wort „vorzeitig“ kam dabei eine ganz besondere Bedeutung zu.

Der Kampf begann recht verhalten, mit Abtasten beider Boxer. Wirklich signifikante Treffer gab es keine und Lopez schien das Geschehen mit seiner Ringkontrolle zu diktieren. Ab Runde vier zeigte sich dann plötzlich, was bereits schon in unserer Vorschau zum Kampf angemahnt wurde: durch nachlässige Deckungsarbeit und überheblich offenes Hineingehen in Schlagabtausche musste der puerto-ricanische World Boxing Organization-Weltmeister plötzlich harte Hände einstecken und Salido sicherte sich seine erste Runde auf den Zetteln der Punktrichter.

Zum Start des nächsten Durchgangs schritt Lopez energisch zur Ringmitte und wollte offenbar zeigen, dass noch immer es ist, der das Heft in der Hand hat. Wieder vernachlässigte er jedoch seine Defensivarbeit und zahlte schließlich den Preis dafür, als Salido ihn kurz vor Ende der Runde mit einer linken Geraden, gefolgt von einem krachenden Rechten Haken auf die Bretter schickte. Ein harter Wirkungstreffer - Lopez ließ sich Zeit beim Aufstehen und versuchte, die verbleibenden 17 Sekunden des Durchgangs Fersengeld zu geben und sich auf wackligen Beinen in die Pause zu retten.

Salido hatte nun natürlich Blut geleckt und versuchte die gesamte sechste Runde über, dem Kampf ein Ende zu setzen und den Weltmeister KO zu schlagen. Lopez hielt dem enormen Tempo jedoch Stand und gab die Runde zwar ab, musste jedoch keine nennenswerten Wirkungstreffer mehr nehmen. In Runde sieben fand der Champion dann stark in den Kampf zurück und hatte er den Schock der fünften Runde offenbar überwunden und sich von dem Niederschlag wieder erholt. Salido hatte sich dagegen im vorherigen Durchgang dermaßen ausgepowert, dass er nun langsamer und bedeutend weniger Schlug. Es sah kurzzeitig so aus, als schien Lopez den Kampf wieder an sich zur reißen. Stattdessen kam das Ende des Kampfes und der makellosen Bilanz „Juanmas“ jedoch schon in der darauffolgenden Runde.

Salido schien in der Pause ein paar versteckte Kraftreserven aktiviert zu haben und gab im achten Durchgang noch einmal gehörig Gas. Als er Lopez mit einigen harten Treffern aus der Rückwärtsbewegung anklingeln konnte, stolperte der hinter seinem Herausforderer her und endete schließlich am Ringseil, wo er von einer brutalen Schlagserie eingedeckt wurde. Lopez versuchte zu kontern, es traf jedoch nur eine Hand. Als er weitere Folgetreffer Salidos einstecken musste, ging Ringrichter Ramirez Jr. dazwischen und winkte den Kampf ab.

Lopez war geschockt. Außer sich vor Wut musste er von seinen Betreuern in der eigenen Ecke festgehalten werden, während Salido in der Mitte des Rings seinen Sieg zelebrierte. Der Zeitpunkt für den Kampfabbruch mag in der Tat ein wenig unglücklich gewählt worden sein, Lopez war offenbar noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, als Ramirez Jr. schützend dazwischensprang. Einige Sekunden später oder einige Sekunden vorher, als der Champion noch durch den Ring taumelte, hätte ein solcher Abbruch sicher mehr Sinn gemacht. Doch Abbruch hin oder her: Lopez war dabei, diesen Kampf zu verlieren. Einen Kampf, den er eigentlich hätte gewinnen sollen. Ein Appetithappen, bevor er später in diesem Jahr gegen den kubanischen World Boxing Association-Super-Weltmeister Yuriorkis Gamboa angetreten wäre. Der Traumkampf, auf den viele Fans seit langer Zeit warten.

Sie werden weiter warten müssen. Besonders wird dies die Promoter ärgern, denn theoretisch wäre es nun Salido, den man gegen Gamboa stellen müsste. Nur, dass der in seinem letzten Kampf gegen eben jenen Gamboa recht deutlich nach Punkten verloren hat. Wahrscheinlicher scheint zum jetzigen Zeitpunkt erst einmal ein Rückkampf gegen Lopez. Der Fight war ausgeglichener als Gedacht, zum Zeitpunkt des Abbruchs waren beide Boxer auf den Punktzetel gleichauf. Die Dramatik der letzten Runden und das kontroverse Finish bieten genug Raum für Lopez vs. Salido II – einen Kampf, von dem gestern Morgen noch niemand gedacht hätte, dass es ihn je geben könnte.

Juan Manuel Lopez vs. Orlando Salido
16. April 2011
Coliseo Ruben Rodriguez in Bayamon, Puerto Rico


WBO Weltmeisterschaft im Federgewicht
Orlando Salido bes. Juan Manuel Lopez

WBO Latinomeisterschaft im Super-Federgewicht
Luis Cruz bes. Martin Honorio einstimmig nach Punkten

Vorprogramm
Victor Bisbal bes. Willie Herring einstimmig nach Punkten
Jose A. Gonzalez bes. Miguel Angel Munguia via TKO in Rd. 3
Carlos Negron bes. Emerson Chasing Bear via TKO in Rd. 4
Jonathan Gonzales bes. Elvin Caldero via TKO in Rd. 1

Mark Bergmann ist Chefredakteur von GroundandPound, sowie Redakteur für Fighters Only Germany. Er berichtet über Boxen und Mixed Martial Arts. Folgt ihm auf Twitter: @MarkBergmann.