Ergebnisse

Roundhouse in Berlin: Salonfähiger MMA-Sport

Der entscheidende Schlag von Charles Andrade. (Foto: Valentino Kerkhof/Groundandpound.de)

Niveau und Seriosität sind nicht die ersten Stichwörter, die dem Durchschnittsdeutschen einfallen, wenn er an Kampfsport denkt. Die Organisatoren von Roundhouse würden das gerne ändern. Am 6. Oktober haben sie mit ihrer Debütshow in Berlin einen ersten Schritt in diese Richtung getan. Angefangen vom originellen Plakat über eine exklusive Location (Rittersaal des Edelclubs Adagio) bis hin zum international besetzten Kampfprogramm arbeiteten sie eifrig daran, sich „klar vom Bestehenden abzuheben".

Die Ausfälle waren zahlreich: Die „German Top Ten"-Kämpfer Andreas Kraniotakes, Martin Zawada und Martin Buschkamp sowie die Lokalmatadore Peter Tornow, Jesse-Björn Buckler und Ulf Fritzmann sagten ab. Dennoch ist es der Roundhouse-Truppe um Schauspieler Raphael Vogt gelungen, dem Publikum aus fachkundigen Fans und neugierigen Durchschnittsdeutschen einen unterhaltsamen Kampfsportabend zu bieten, der Lust auf eine Fortsetzung machte.

Im Hauptkampf der Veranstaltung versuchte der Nürnberger Wesley Howard, seine bei Respect.10 erlittene erste Niederlage wiedergutzumachen. Im Interview mit Groundandpound.de hatte er vor wenigen Tagen gesagt, er wolle „keine Zeit mit Fallobst verschwenden" – und das tat er auch nicht, denn er trat gegen den Brasilianer Charles „Gracie" Andrade an, einen seit 1997 aktiven Veteranen mit knapp 40 Kämpfen auf dem Buckel, der bereits bei renommierten Organisationen wie Cage Warriors und Fight Nights Moscow angetreten ist.

In jenem Interview sagte Howard auch, er habe aus seiner Niederlage bei Respect.10 gelernt, „dass man keine Middle-Kicks bei einem Top-Grappler macht". Doch genau mit einem solchen griff er den BJJ-Schwarzgurt an. Andrade fing den Kick, aber im Unterschied zu Nicolas Penzer vor einer Woche stieß er Howard nicht zu Boden, sondern konterte mit einer rechten Geraden. Howard ging schwer getroffen zu Boden und Andrade schlug ihn mit einem weiteren Treffer nach nur sieben Sekunden K.o.

Tanja HoffmannAsker und Hoffmann siegen in Sekundenschnelle

Der Bremerhavener Eugen Buchmüller zeigte gegen den Franzosen Cyril Asker mit knackigen Schlägen, wieso er ein erfolgreicher Amateurboxer war. Asker nutzte die erste Gelegenheit, die sich bot, um Buchmüller zu Boden zu bringen. Die Back Mount war schnell eingenommen. Asker bereitete mit Schlägen zum Kopf den Rear Naked Choke vor und erzwang damit nach 59 Sekunden die Aufgabe.

Tanja Hoffmann aus Bad Griesbach wollte mit ihrer Schlagfrequenz anscheinend einem Presslufthammer Konkurrenz machen. Sie setzte die Französin Audrey Kerouche von der ersten Sekunde an mit schnellen Schlägen unter Druck. Kerouche versuchte sich mit einem Takedown zu retten, aber es war Hoffmann, die in der Oberlage landete. Aus der Mount-Position feuerte sie weiter schnelle Schläge ab – Kerouche gab ihren Rücken frei und Hoffmann nutzte die Gelegenheit, um den Rear Naked Choke anzusetzen: Aufgabesieg nach 54 Sekunden.

Tymoteusz Swiatek und Damien PighieraSwiatek begeistert mit Rocky-Comeback

Der Showstealer des Abends war das Duell zwischen dem Franzosen Damien Pighiera und dem jungen Polen Tymoteusz Swiatek, das sich zu einem echten Krimi entwickelte. Swiatek und Pighiera begannen die Auseinandersetzung mit einem wilden Schlagabtausch im Stand. Kaum ging es auf den Boden, punktete Pighiera mit Ellenbogenstößen aus der Guard. Er passierte den Verteidigungswall seines Gegners und attackierte am Ende der Runde sogar aus der Mount-Position.

Der zweite Durchgang begann genauso wild wie der erste. Erneut verlagerte Pighiera den Kampf auf den Boden. Er setzte Swiatek so sehr mit Ground and Pound zu, dass die Zuschauer ihm bereits mitleidige Blicke zuwarfen. Mit letzter Kraft führte Swiatek einen Sweep aus und plötzlich befand er sich in der Oberlage – da strahlte auch Yvonne Catterfeld bis über beide Ohren. Unter dem Jubel der Zuschauer revanchierte sich Swiatek bis zum Ende der Runde mit Schlägen, ehe er einen Rear Naked Choke ansetzte, dessen vollständige Ausführung die Ringglocke beendete.

Zu Beginn der dritten Runde nahm Swiatek Pighiera im Stand in einen Guillotine Choke. Pighiera brachte Swiatek zu Boden, doch der zog danach die Schlinge um dessen Hals nur noch enger zu. Pighiera blieb nach 25 Sekunden nichts anderes mehr übrig als abzuklopfen.

Yuki SuzukiSuzuki und Ögüt gewinnen vorzeitig

Der Kampf zwischen dem Japaner Yuki Suzuki, einem erfolgreichen Amateur-Ringer, und dem Franzosen Cedric Severac musste in der Pause zwischen der ersten und zweiten Runde abgebrochen werden. Suzuki hatte Severac nach einem Takedown minutenlang mit Ground and Pound zugesetzt, sodass sich über Severacs rechtem Auge ein Cut öffnete, der ihm das Sehen erschwerte. Um die Gesundheit des Kämpfers nicht zu gefährden, ließ der Ringarzt ihn nicht zur zweiten Runde antreten.

Ein skurriles Ende nahm der Kampf zwischen dem Wolfsburger Yavuz Ögüt und dem Franzosen Yvan Sorel. Die erste Runde verlief weitestgehend ausgeglichen; beide Kämpfer hatten gute Momente auf dem Boden. Im zweiten Durchgang sprang Sorel im Stand in einen Guillotine Choke. Ögüt erarbeitete sich auf dem Boden die Side Control und dann – kam die Aufgabe von Sorel, der beharrlich an seinem Guillotine Choke festgehalten hatte. Ögüt hatte einen Von Flue Choke angesetzt, Sorel behauptete hinterher, aufgrund einer Schulterverletzung aufgegeben zu haben – so oder so, der Kampf wurde nach 38 Sekunden abgebrochen.

Olivier PastorFriberg schlägt Randrianasolo, Pastor souverän

Der Schwede Erik Friberg ging gegen den Franzosen Lana Randrianasolo siegreich hervor. Randrianasolo initiierte in der ersten Runde zwar mit einem Takedown den Bodenkampf, doch nach einem Sweep nahm Friberg die dominanten Positionen ein. Auch in der zweiten Runde befand sich Friberg die meiste Zeit über in der Oberlage und punktete mit Ground and Pound. In der dritten Runde verlagerte sich das Geschehen abermals schnell auf die Matte; wiederum mit Friberg in der Oberlage. Nach 44 Sekunden erzwang er mit einem Arm Triangle Choke die Aufgabe.

Der Franzose Olivier Pastor setzte sich im Eröffnungskampf gegen den Japaner Yuma Ishizuka durch. Pastor bestimmte die erste Runde im Stand mit harten Kicks, musste jedoch ein Takedown hinnehmen. Die Runden zwei und drei verbrachten er damit Ishizuka mit Ground and Pound zuzusetzen, sodass der Ringrichter mehrere Male kurz davor war, das Duell abzubrechen. Dem Kampfgeist des Japaners und den stellenweise nur halbherzig ausgeführten Schlägen Pastors war es zu verdanken, dass die drei Punktrichter zum ersten und einzigen Mal an diesem Abend ein Urteil fällen musste. Dieses fiel mit Wertungen von 29-27, 30-25 und 30-26 deutlich für Pastor aus.

Roundhouse
6. Oktober 2013
Adagio Berlin

Charles Andrade bes. Wesley Howard via K.o. (Schlag) nach 0:07 in Rd. 1
Cyril Asken bes. Eugen Buchmüller via Rear Naked Choke nach 0:59 in Rd. 1
Tanja Hoffmann bes. Audrey Kerouche via Rear Naked Choke nach 0:54 in Rd. 1
Mateusz Swiatek bes. Damien Pighiera via Guillotine Choke nach 0:25 in Rd. 3
Yuki Suzuki bes. Cedric Severac via T.K.o. (Cut) nach 5:00 in Rd. 1
Yavuz Ögüt bes. Yvan Sorel via Von Flue Choke nach 0:38 in Rd. 2
Erik Friberg bes. Lana Randrianasolo via Arm Triangle Choke nach 0:44 in Rd. 2
Olivier Pastor bes. Yuma Ishizuka einstimmig nach Punkten (29-27, 30-25, 30-26)

Groundandpound.de Auszeichnungen:
Knock-out of the Night: Charles Andrade
Submission of the Night: Yavuz Ögüt
Fight of the Night: Tymoteusz Swiatek vs. Damien Pighiera

Eine ausführliche Fotogalerie zur Veranstaltung findet ihr bei Facebook.