Ergebnisse

Respect.5-Bericht aus Essen

Respect.5 in Essen.(Foto via Bas Uterwijk)

Normal ist das nicht, hat sich jeder MMA-Fan im Vorfeld der fünften MMA-Veranstaltung von Ben Helm und Sebastian Tlatlik gedacht. Je näher die Veranstaltung rückte, desto mehr Absagen flatterten ins Haus. Mit Nick Hein, Björn Schmiedeberg und Mario Stapel waren es zudem die Teilnehmer der Titelkämpfe, die verletzungsbedingt absagen mussten, und das bei den beiden letzteren teilweise so kurzfristig, dass an gleichwertigen Ersatz nicht mehr zu denken war.

Doch auch im regulären Programm schlug die Absagenflut voll zu, was unter anderem den Wegfall des heiß ersehnten Kampfes zwischen dem Kölner Johannes Eckert und dem Niederländer Duane van Helvoirt bedeutete. Am Beispiel des Wuppertaler Alligator Rodeo Teams, das zu Beginn sechs Kämpfer gemeldet hatte, die wegen Krankheit oder Verletzung allesamt ausfielen, sieht man deutlich, welches Improvisationstalent Matchmaker Ben Helm an den Tag legen musste.

Der Blick auf die finale Fightcard mit dreizehn Kämpfen, darunter sechs Amateurpartien und ein Grapplingkampf, war somit ernüchternd. Ein Eindruck, der von der Eventhalle „Amalie“, einer mitten auf einem Zechengelände Essens gelegenen Skateboardhalle, unterstützt wurde. Die Halle versprüht sicher einen gewissen Ruhrpott-Charme, doch passte sie nicht wirklich zum Sporthallen-geprägten Respect.FC-Erlebnis der bisherigen Veranstaltungen.

Die Zuschauer hielten Respect.FC aber wie gewohnt die Treue und strömten in Scharen nach Essen. Sie bewiesen mit ihrer Begeisterung, dass Respect eine der führenden MMA-Shows in Deutschland ist und sich die Qualität der Kämpfe und Veranstaltung weit herumgesprochen hat. „Es kann nicht immer bergauf gehen“, sagte ein Fan nach der Show und traf damit den Nagel auf den Kopf. Unterm Strich stellten die Macher von Respect.FC eine kurze und unterhaltsame Gala auf die Beine, deren sportlicher Teil zu überzeugen wusste, doch wird Respect.6 im September zu einem entscheidenden Termin für die Zukunft der Veranstaltungsreihe.

Das Vorprogramm

Vincent Chauvaux aus Belgien und Aleksandr Afanasyev aus Hürth eröffneten den Abend, und es war Chauvaux, der den aggressiv kämpfenden Hürther zu Boden brachte und dort mit einem Beinhebel zur Aufgabe zwang. Daniel Meinhardt aus Münster zeigte in seinem Kampf gegen den Dortmunder Nicolas Villalon sein verbessertes Standup, mit dem ihm bereits in der ersten runde zwei Niederschläge gelangen. Im zweiten Durchgang zwang er Villalon dann mit einem Kimura zur Aufgabe.

Angelo Simons aus Mülheim drehte im Duell mit dem Hürther Cedric Robens nach vorsichtigem Start beider Kämpfer schnell auf und punktete mit technisch starken Boxtechniken. Nach zweieinhalb Minuten gelang es ihm, seinen Gegner mit einem platzierten Leberhaken KO zu stoppen. Mit Andreas Esser stand der erste Lokalmatador auf dem Programm. Gegen Lars Gabrisch legte Esser los wie die Feuerwehr und bedrohte ihn fürh in Runde eins mit einem Rear Naked Choke, den Gabrisch aber zur Verblüffung vieler verteidigen konnte. Wenig später konnte Esser ihn aber mit einem Triangle Choke zur Aufgabe zwingen.

Der Marler Andre Solibieda nutzte in seinem Kampf gegen den Bremer Tobias Detlow geschickt seine Größenvorteile und zwang ihn, nachdem er von Detlow zu Beginn der Begegnung noch zu Boden gerungen wurde, im Stand mit einem Guillotine Choke zur Aufgabe. Maurice Skrober aus Mainz versuchte sich im Kampf gegen den US-Amerikaner KJ Hanna als Masakazu Imanari-Imitator – Hintern zum Gegner und nur darauf wartend, den Gegner mit einer Beinschere zu erwischen –, doch gelang ihm das zur Frustration des Publikums nie wirklich. Nach drei – für Hanna und für das Publikum eher verwirrenden – Runden, setzte Hanna sich mit seinem Striking nach Punkten durch.

Den Abschluss bildete der Grapplingwettstreit der Veteranen Frank Burczynski aus Berlin und Jörg Lothmann aus Prüm, die ursprünglich unter MMA-Regeln aufeinandertreffen sollten. Trotz einer Schulterverletzung ließ der Berliner sich auf ein Grapplingduell ein, das nach sechs Minuten Unentschieden gewertet wurde.

Volker Dietz (r.) muss verletzt gegen Jessin Ayari aufgeben. Foto via Bas Uterwijk.

Das Hauptprogramm

Lokalmatador Volker „Krabbe“ Dietz legte im Kampf gegen den Nürnberger Jungspund Jessin Ayari furios los und zeigte, dass er die Entscheidung im Stand suchen wollte. Dietz’ harte Schläge und stetiger Druck veranlassten Ayari dazu, den Kampf zu Boden zu bringen. Als Ayari Dietz mit Tritten gegen die Beine bestrafte, deutete der Essener Lokalmatador an, dass etwas mit seiner linken Hand nicht stimmt. Ringrichter Marco Broersen ging dazwischen und ließ den Kampf kurz darauf auf Dietz’ Wunsch hin wieder weiterlaufen. Im folgenden Schlagabtausch zeigte sich aber, dass Dietz nicht mehr weiter kämpfen konnte, und er musste wegen einer gebrochenen Hand aufgeben.

Langeweile + Facebook = Kampf am nächsten Abend. Was kurios klingt, wurde bei Martin Zawadas jüngerem Bruder David am gestrigen Abend Realität. Kurzfristig und nur eine Woche nach seinem letzten Kampf sprang der Düsseldorfer gegen Florian Ziebert aus Dorsten ein und nahm zudem noch einen deutlichen Gewichtsnachteil in Kauf. Ziebert gelang es, den Kampf zu Boden zu bringen, wo er Zawada mit Armhebeln bedrohte. Dieser setze sich zur Wehr, schlug von unten Ground and Pound und zeigte einen schönen Sweep. Ziebert nutze die Gelegenheit aber, um zum Kneebar überzugehen, den Zawada aber verteidigen konnte.

David Zawada mit hartem Ground and Pound. Foto via Bas Uterwijk.

Zawada nutzte die Gelegenheit, sicherte sich die Full Mount und setzte Ziebert bis zum Rundenende mit platziertem Ground and Pound zu. Im zweiten Durchgang setzte Zawada alles auf eine Karte und lag damit goldrichtig: Er setzte gute Schläge im Stand und drängte Ziebert in die Ecke zurück. Zawada hatte Blut geleckt und konnte ein schönes eingesprungenes Knie landen, dem er eine harte Schlagsalve folgen ließ, in der Ziebert zu Boden sackte. Der Ringrichter brach den Kampf daraufhin sofort ab.

Kurzfristig zugesagt, zweiter Akt. Hauptdarsteller: Silvio Zimmerman aus den Niederlanden. Als Teil der Ringaufbaucrew angereist, sagte Zimmerman kurzfristig ja, wobei niemand weiß, ob ihm der Namen Manuel Masuch etwas sagt oder er eher wegen des harmlosen Spitznamens „Alte Dame“ zugesagt hat. Spätestens als Masuch ihn kurz nach dem Ringgong mit Wucht aushob, wie ein kleines Paket geschultert zurechtlegte und mit Gewalt auf den Boden slammte, ließ sich eher auf zweiteres schließen.

Manuel Masuch: Slams aus Leidenschaft. Foto via Valentino Kerkhof.

Als das Publikum kurz nach dem spektakulären Gewaltakt noch tobte und Masuch sich in der Side Mount gelandet war, schoss plötzlich Blut aus der Nase des Esseners. Zimmermann witterte die Sensation, als der Ringarzt aber glücklicherweise einen Nasenbruch ausschließen konnte und Masuch weitermachen durfte und wollte. Der Kampf wurde in selber Position fortgeführt, und Masch wusste, dass die Zeit in diesem Kampf nicht auf seiner Seite war: Das Kraftpaket riss Zimmermans Arm hoch und zwang ihn postwendend mit einem Kimura zur Aufgabe.

Niko Lohmann (l.) ruhig, Marva Kuebler (r.) alternativ. Foto via Bas Uterwijk.

In der 75-Kilo-Klasse trafen im Duell zwischen dem Essener Niko Lohmann und dem Berliner Marva Kuebler zwei starke Grappler aufeinander. Nachdem der FFA-Leichtgewichtstitelträger Kuebler bei der Ankündigung des Ringsprechers noch eine spaßige Pose inklusive Futtwackler präsentierte, legte er im Kampf sofort los und suchte nach einem eröffnenden Tritt den Clinch. Lohmann wehrte sich geschickt und nahm im folgenden Positionskampf einen Takedown zu Gunsten eines Guillotine Chokes in Kauf. Kuebler blieb ruhig, musste dann aber plötzlich zur Überraschung des Publikums wegen des Würgegriffs von „Karl Stahl“ aufgeben.

Marcel Jedidi: Killerinstinkt trotz Bürokratenlook. Foto via Bas Uterwijk.

Team Alpha-Kämpfer Marcel Jedidi traf in einem Respect-Federgewichts-Contender-Fight auf den im MMA-Sport ungeschlagenen Bremer Ioannis Antonopoulos. Jedidi ließ es ruhig angehen, setzte mit scharfen Low Kicks und knackigen Schlagkombinationen aber erste Akzente. Er ließ Antonopoulos keinen Raum, eigene Offensivaktionen zu starten und begann, ihn mit härter werdenden Treffern in Bedrängnis zu bringen. Als Antonopoulos nach harten Schlägen wackelte, brach der Ringrichter auf Anraten des Ringarztes den Kampf wegen eines Cuts am Auge des Bremers ab. Nach der Siegerehrung wurde der Niederländer Ben Boekee in den Ring gerufen, der bei Respect.6 nun gegen Jedidi um den vakanten Titel kämpfen wird.

Im Hauptkampf des Abends stand ein Duell zwischen zwei Top-Talenten im Mittelgewicht auf dem Plan. Sebastian Risch hatte zuletzt mit einem dominanten Sieg über Volker Dietz für Aufsehen gesorgt und damit Christian „Kroetschzilla“ Kroetsch auf den Plan gerufen, der die Niederlage seines Sparta-Teamkollegen rächen wollte. Direkt nach dem Ringgong gingen beide in den Clinch über, wo sie sich hart mit Knien und Dirty Boxing beharkten. Rischs Uppercuts fanden wiederholt ihr Ziel und brachten Kroetsch eine blutige Nase ein, während dieser sich mit Haken über die Deckung revanchierte.

Sebastian Risch in der Back Mount. Foto via Bas Uterwijk.

Die Stimmung im Publikum war fast am Kochen, während Rischs Trainer Michael Rüdiger seinen Schützling in bekannt frenetischer Manier nach vorn peitschte und erst auf Androhung des umsichtigen Ringrichters Marco Broersen einen Gang zurück schaltete. Die Kämpfer taten dies aber keinesfalls und gaben weiter alles. Aus dem Clinch gelang es Risch, seinen Gegner zu Boden zu ringen, wo Kroetsch ihn aber sofort mit einem Triangle Choke bedrohte. Risch schüttelte den Angriff ab und eroberte die Full Mount und wenig später die Back Mount, aus der er Kroetsch mit harten Schlägen zusetze.

Die Schläge des Bremers wurden härter und trafen ihr Ziel zunehmend, während sich Kroetschs Gesicht immer mehr verfärbte und verformte. Risch ging zum Rear Naked Choke über, scheiterte aber an Kroetschs zäher Gegenwehr. Erst als er kurz darauf wieder zum Ground and Pound überging, gelang es ihm, den schwer gezeichneten Kroetsch zu stoppen. Der gelernte Thaiboxer Risch konnte mit dem Triumph den zweiten Sieg in Folge über einen Kämpfer von Essens Grapplingexperten einfahren und zeigte eine Leistung, die ihn für höhere Aufgaben – wie einen Titelkampf - empfiehlt.

Sebastian Risch feiert seinen Triumph. Foto via Valentino Kerkhof.

Respect.5
9. April 2011
Eventhalle Amalie in Essen


Pro
Sebastian Risch bes. Christian Kroetsch via TKO (Punches) nach 4:19 in Runde 1
Marcel Jedidi bes. Ioannis Antonopoulos via TKO (Cut) nach 2:32 in Runde 1
Niko Lohmann bes. Marva Kuebler via Guillotine Choke nach 0:54 in Runde 1
Manuel Masuch bes. Silvio Zimmerman via Kimura nach 0:50 in Runde 1
David Zawada bes. Florian Ziebert via KO (Flying Knee and Punches) nach 0:21 in Runde 2
Jessin Ayari bes. Volker Dietz via TKO (Broken Hand) nach 1:37 in Runde 1

Grappling
Frank Burczynski und Jörg Lothmann trennten sich Unentschieden nach 6:00 in Runde 1

Amateur
KJ Hanna bes. Maurice Skrober via Unanimous Decision (3-0) nach 3:00 in Runde 3
Andre Solibieda bes. Tobias Detlow via Guillotine Choke nach 1:43 in Runde 1
Andreas Esser bes. Lars Gabrisch via Triangle Choke nach 1:20 in Runde 1
Angelo Simons bes. Cedric Robens via KO (Leberhaken) nach 2:43 in Runde 1
Daniel Meinhardt bes. Nicolas Villalon via Kimura nach 1:53 in Runde 2
Vincent Chauvaux bes. Aleksandr Afanasyev via Leg Lock nach 2:15 in Runde 1

Weitere Infos unter www.respectfc.de.