Ergebnisse

Radke und Atkas werden Norddeutsche Meister der FFA

Wenn Eric Bluhms Ziel lautete, den Menschen an der Ostsee den MMA-Sport schmackhaft zu machen, kann man nach „Rock the Cage 2“ getrost sagen: Mission erfüllt. Die Zuschauer in der Sporthalle 4 in Greifswald, zu denen auch der ehemalige IBF-Boxweltmeister Sebastian Sylvester gehörte, bekamen gestern die gesamte Bandbreite des MMA-Sports geboten: harte und eng umkämpfte Schlachten auf der einen Seite, Knockouts und Aufgabesiege auf der anderen Seite. Und, in Zusammenarbeit mit der FFA, sogar zwei Titelkämpfe um die Norddeutsche Meisterschaft.

In Greifswald wurde gestern aber nicht nur gekämpft – in einer der Pausen stieg eine junge Frau in den Käfig und machte ihrem Freund einen Heiratsantrag. Da soll noch einer sagen, der MMA-Sport brächte keine Menschen zusammen...

Die Norddeutsche Meisterschaft der FFA

Im Hauptkampf von „Rock the Cage 2“ standen sich der umjubelte Lokalmatador Christian Radke vom MMA-Team-East aus Greifswald und der junge Wiener Aleksandar Rakic vom Iron Fist Gym gegenüber. Es ging um die Norddeutsche Meisterschaft der FFA in der Klasse bis 93 Kilogramm. Rakic fand gut in den Kampf und übernahm im Stand mit seinen Schlagkombinationen das Kommando. Insbesondere sein linker Führungshaken traf Radke öfters im Gesicht und öffnete sogar einen Cut über dessen rechtem Auge. Vom lautstarken Publikum angefeuert, drehte Radke auf und erzielte seinerseits Treffer im Stand. Daraufhin setzte Rakic zum Takedown an, doch Radke wehrte es ab und nahm Rakic im Stehen in einen Guillotine Choke. Rakic hielt noch kurz dagegen, aber dann musste er in dem Würgegriff aufgeben.

Um die Norddeutsche Meisterschaft der FFA in der Klasse bis 61 Kilogramm ging es im Kampf zwischen Mohamid Hassan vom Team Cage Fighters Frankfurt und Murat Atkas vom Iron Fist Gym aus Wien. Die Kämpfer gingen gleich zu Beginn am Käfig in den Clinch. Nach etwas Gegenwehr von Hassan gelang Atkas das Takedown direkt in die Mount. Von dort aus arbeitete er mit schnellem Ground and Pound, bis FFA-Ringrichter Michael Wachter dazwischen ging und den Kampf beendete.

Zwei spektakuläre Knockouts bei den schweren Jungs

Im Schwergewicht kam es zum Aufeinandertreffen von Jürgen Dolch (Cage Fighters Frankfurt) und dem früheren „German Top Five“-Kämpfer Edwin Ofori-Attah (Golden Glory Berlin). Nach einem kurzen Geclinche am Käfig gingen die beiden in den offenen Schlagabtausch. Ofori-Attah feuerte mehrere Schlagsalven ab und ging kurz auf Distanz. Die nächste Schlagsalve schloss er mit einem gewaltigen rechten Haken ab, mit dem er Dolch nach nur 40 Sekunden eiskalt KO schlug.

Noch schneller beendete der frenetisch gefeierte Greifswalder Lokalmatador Philipp Groß vom MMA-Team-East seinen Kampf. Auch er und sein Gegner, Francisco Maldonado von MMA Berlin, begannen früh zu clinchen. Doch Groß stellte Maldonado am Käfig und schlug ihn mit einer schnellen Schlagsalve nieder. Dann knockte er ihn auf dem Boden mit Ground and Pound aus.

Viel Action bei den Vorkämpfen

Einen der spannendsten Kämpfe des Abends lieferten sich Olaf Hommel (Combat Team Hamburg) und Attila Korkmaz (IMAG Berlin). Korkmaz hatte von Beginn an mit kontrollierter Kickboxoffensive die Vorteile im Stand und wehrte zwei Takedownversuche von Hommel ab. Als dieser dann endlich den Clinch fand, setzte er Korkmaz mit Kniestößen zum Körper zu und brachte ihn mit einem Single-Leg-Takedown in Rücklage. Hommel erarbeitete sich die Side Control, aber kurz vor Schluss holte sich Korkmaz die Guard zurück.

In Runde zwei legte Hommel los wie die Feuerwehr. Er stürmte auf Korkmaz zu und attackierte ihn mit Schlagsalven und Kniestößen. Nach einem Hüftwurf landete Hommel in der Side Control. Von dort aus erarbeitete er sich einen Armhebel, doch Korkmaz verteidigte sich und blockierte ihn mit seinem Bein. Beide hielten verbissen ihre Positionen, ehe Hommel vom Armhebel zum Triangle Choke wechselte. Mit einem an „Rampage“ erinnernden Slam versuchte sich Korkmaz zu befreien, aber Hommel zog noch einmal an. Korkmaz wollte immer noch nicht aufgeben und schlief daher nach starker Gegenwehr in Hommels Würgegriff ein.

Magamed „Roy“ Ismailow (Iron Fist Gym Vienna) startete mit kräftigen Schwingern in seinen Kampf gegen Lars Arendt (Trave Teuvel Lübeck). Arendt stoppte ihn mit einem Headlock. Als Ismailow zum Takedown ansetzte, sorgte Arendt mit einem Reversal dafür, dass er in der Mount landete. Ismailow gab seinen Rücken frei, woraufhin Arendt die Back Mount einnahm und abwechselnd mit Ground and Pound attackierte und auf den Rear Naked Choke hinarbeitete. Ismailow verteidigte sich eine ganze Weile, doch acht Sekunden vor Schluss der Runde musste er dann doch in dem Würgegriff abklopfen.

Ein Würgegriff entschied auch den Kampf zwischen Lukas Pilgrim (Trave Teuvel Lübeck) und Gonzalo Vidurre (MMA Berlin). Vidurre brachte Pilgrim sowohl zu Beginn der ersten als auch zu Beginn der zweiten Runde zu Boden. Während Pilgrim in Runde eins noch Ground and Pound einstecken musste und dann kurz vor Schluss den Sweep schaffte, fing er Vidurre in Runde zwei im Triangle Choke. Vidurre dachte nicht ans Aufgeben und ging kurz darauf schlafen.

Seine ringerische Überlegenheit sicherte Ruslan Vladovskiy (Iron Fist Gym Vienna) einen einstimmigen Punktsieg gegen Fabian Tomasini (MMA Berlin). Vladovskiy brachte Tomasini in allen drei Runden zu Boden. Dort verteidigte er sich geschickt gegen Tomasinis Aufgabegriffversuche und punktete mit dosiertem Ground and Pound.

Den „Kampf des Abends“ legten zweifelsohne Benjamin Wulf (Trave Teuvel Lübeck) und Toni Buller (Combat Team Hsmburg) hin. Nach einer Abtastphase im Stand rutschte Buller bei einem Kick aus, woraufhin Wulf in die Side Control gelangte. Wulf holte sich die Mount, aber Buller sweepte ihn und landete oben in der Guard. Buller ging in die Half Guard oben, wurde dann aber von Wulf in den Arm Triangle Choke genommen. Als sich Buller verteidigte, setzte Wulf ein Body Triangle an und wollte sich den Rücken holen. Er landete aber wieder in der Guard und musste Ground and Pound von Buller einstecken. Dann gelang Wulf der Sweep und er attackierte aus der Oberlage selbst mit Ground and Pound. Die Offensive währte nicht lange, denn Buller sweepte ihn wieder. Während des Sweeps setzte Wulf aber zum Triangle Choke an. Buller war gefangen, doch er wurde von der Ringglocke gerettet.

In Runde zwei war es Buller, der das Geschehen zu Beginn auf den Boden verlagerte. Er ging in die Mount und bearbeitete Wulf am Käfigzaun mit Ground and Pound. Wulf holte sich die Half Guard und sweepte Buller. Dann revanchierte er sich mit Ground and Pound. Buller nahm Wulf in einen eng sitzenden Armhebel, doch dessen Schulter- und Ellenbogengelenk schien aus Gummi zu sein. Buller zog mit ganzer Kraft an, brachte Wulf aber nicht zur Aufgabe. Wieder unterbrach die Ringglocke einen Aufgabegriff. Nach zwei actionreichen Runden werteten die drei Punktrichter den Kampf als Unentschieden – ein Ergebnis, mit dem beide Kämpfer zufrieden sein dürfen, denn dieser Kampf hatte definitiv keinen Verlierer verdient.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Hawazi Arsanov (Iron Fist Gym Vienna) und Gurik Kirkoryan (Golden Glory Berlin). Zu Beginn tauschten die beiden vereinzelt Schläge aus, dann versuchte sich Kirkoryan an einem Takedown, doch Arsanov wehrte es ab. Anschließend musste der Kampf unterbrochen und Kirkoryan vom Ringarzt untersucht werden. Kirkoryan konnte aus seinem linken Auge nichts mehr sehen und wurde deshalb – sichtlich enttäuscht – vom Ringarzt aus dem Kampf genommen.

Grappling

Neben den MMA-Kämpfen fand auch drei Bodenkampfduelle statt, die auf zehn Minuten angesetzt waren und von dem brasilianischen BJJ-Schwarzgurt Pedro Duarte geleitet wurden. Der im MMA-Sport unbesiegte Vlado Sikic (IMAG Berlin) zwang Sascha Sharma nach 35 Sekunden mit einem Rear Naked Choke zur Aufgabe. Tom Zymara (MMA-Team-East) besiegte Christoph Schramm (MMA Berlin) mit einem Triangle Choke. Und der erst 17 Jahre junge Robert Fiedler (Team Fenriz Berlin) holte sich einen dominanten Punktsieg (20:2) gegen Tobias Jednoralski (MMA-Team-East).

Rock the Cage 2
15. Oktober 2011
Sporthalle 4 in Greifswald

Norddeutsche Meisterschaft der FFA (-93kg)
Christian Radke bes. Aleksandar Rakic via Guillotine Choke nach 4:34 in Rd. 1

Edwin Ofori-Attah bes. Jürgen Dolch via KO nach 0:40 in Rd. 1

Grappling
Vlado Sikic bes. Sascha Sharma via Rear Naked Choke

Philipp Groß bes. Francisco Maldonado via KO nach 0:25 in Rd. 1
Olaf Hommel bes. Attila Korkmaz via Triangle Choke nach 2:30 in Rd. 1

Norddeutsche Meisterschaft der FFA (-61kg)
Murat Atkas bes. Mohamid Hassan via TKO nach 1:55 in Rd. 1

Grappling
Tom Zymara bes. Christoph Schramm via Triangle Choke

Lars Arendt bes. Magamed Ismailow via Rear Naked Choke nach 4:52 in Rd. 1
Lukas Pilgrim bes. Gonzalo Vidurre via Triangle Choke nach 2:07 in Rd. 1
Ruslan Vladovskiy bes. Fabian Tomasini nach Punkten (einstimmig)

Grappling
Robert Fiedler bes. Tobias Jednoralski nach Punkten (20:2)

Benjamin Wulf vs. Tobias Buller endete Unentschieden
Hawazi Arsanov bes. Gurik Kirkoryan via TKO nach 1:18 in Rd. 1