Ergebnisse

Pure Dominanz in Breslau

Vitali Klitschko stoppt Tomasz Adamek in Runde 10.

Tomasz Adamek sollte der gefährlichste Herausforderer werden, dem Weltmeister Vitali Klitschko seit langer Zeit gegenüberstand. Letztlich bot sich den 44.000 Zuschauern im Breslauer Stadion Miejski, und den Millionen vor den TV-Schirmen, aber doch wieder das altbekannte Bild: Klitschko kontrollierte seinen Herausforderer scheinbar problemlos und holte seinen 40. vorzeitigsten Sieg.

Adamek (44-2-0, 28 KO) war 15 Zentimeter kleiner und ganze 12 Kilo leichter als der amtierende Weltmeister, seine Vorteile waren Schnelligkeit und Beweglichkeit. Soweit die Theorie. In der Realität war der größere, schwerere Klitschko (43-2-0, 40 KO) auch der schnellere Boxer und hatte keine Probleme, sich seinen Herausforderer wie immer mit der Führungshand zurechtzulegen, ohne dabei selbst getroffen zu werden. Der vermeintlich schnellere Adamek war schlicht zu langsam.

„Ich glaube, einen Schlag habe ich verpasst bekommen“, erklärte Klitschko im Anschluss an den Kampf. Einen einzigen Schlag – in einer WM-Titelverteidigung gegen den Drittplatzierten der unabhängigen Computer-Weltrangliste „BoxRec“.

Sind die Klitschkos unbesiegbar?

Fairerweise muss gesagt werden, dass der im Vorfeld so hoch eingeschätzte Adamek im großen Kampf selbst sehr blass wirkte und viele Fehler beging. Schon ab der zweiten Runde stand er plattfüßig vor seinem Gegner, blieb in der Halbdistanz, und versuchte von dort Treffer zu landen – eine unmögliche Strategie gegen einen Klitschko.

„Beweg‘ dich und schlag die Rechte“, forderte die Ecke des Polen in den Ringpausen immer und immer wieder. „Lass ihn nicht die ganze Arbeit machen!“

Hat Adamek diesen Rat einmal befolgt, so landete er auch Treffer, tat es jedoch viel zu selten. Die Folge war das übliche Jab-Feuerwerk des Weltmeisters, der in den richtigen Momenten seine Rechte abfeuerte. Schon im zweiten Durchgang konnte er Adamek damit anklingeln, im sechsten sogar auf die Bretter schicken. Nach acht Runden lag der Champion mit 80-71 auf allen drei Punktrichterzetteln vorn. Sein Herausforderer bewies Herz, musste in der neunten und zehnten Runde aber nur noch Treffer einstecken.

Als Adamek diese nicht mehr mit Gegenangriffen beantwortete und schließlich auch die  Deckung fiel, schritt Ringrichter Massimo Barrovecchio nach 2:20 Minuten ein und winkte den Kampf ab. Vitali Klitschko hatte seinen WM-Gürtel zum neunten Mal verteidigt.

Der Champion war nach Breslau, in die Höhle des Löwen gezogen. Doch das Raubtier zu erlegen fiel ihm letztlich leichter als erwartet. Die Frage ist nun: Wer soll sich den Klitschko-Brüdern noch entgegenstellen, nachdem sie mit David Haye und Tomasz Adamek die wohl größten Herausforderer der letzten Jahre deutlich besiegt haben.

Haye will einen Kampf gegen Vitali, würde dafür seinen Rücktritt verschieben, tönte der Brite zuletzt in den Medien. Wie viel daraus wird, bleibt abzuwarten. Wladimir verkündete nach dem heutigen Kampf seines Bruders, er wolle im Dezember wieder in den Ring steigen – Gegner und Austragungsort sind jedoch noch unbekannt.

Es ist zu bezweifeln, dass sich bis dahin jemand finden wird, der den derzeitigen Status Quo der Schwergewichtsdivision ändern kann.

Vitali Klitschko vs. Tomasz Adamek
10. September 2010
Stadion Miejski in Breslau, Polen

WBC Weltmeisterschaft im Schwergewicht
Vitali Klitschko bes. Tomasz Adamek via TKO nach 2:20 in Rd. 10

Vorprogramm
Mateusz Masternak bes. Carl Davis via KO in Rd. 3
Andrzej Wawrzyk bes. Devin Vargas via TKO in Rd. 9
Mariusz Cendrowski bes. Anton Sjomkin via TKO in Rd. 5
Ola Afolabi bes. Lukasz Rusiewicz einstimmig nach Punkten
Johnathon Banks bes. Ivica Bacurin via TKO in Rd. 7
Sadam Ali bes. Boris Berg via TKO in Rd. 6