Ergebnisse

Povetkin neuer WBA-Weltmeister

Alle Fotos: Sabine Ziran/GroundandPound.

Alexander Povetkin (22-0-0, 15 KO) und Ruslan Chagaev (27-2-1, 17 KO) lieferten sich einen enorm spannenden und unterhaltsamen Fight, der das Programm des Abends anführte. Auf dem Titel stand der World Boxing Association-Weltmeistertitel im Schwergewicht – doch der war nur Beiwerk, ging es doch eigentlich um eine Chance gegen den wahren Champion: Wladimir Klitschko.

Während zu Beginn noch recht wenig passierte und beide Boxer sich abtasteten, sicherte sich Povetkin Runde um Runde. Gegen Mitte des Duells wirkte er jedoch etwas außer Puste, ließ nach und nahm immer härtere Treffer von Chagaev, der Runde um Runde aufholte. Ab Durchgang zehn kam Povetkin schließlich zurück. Beide nahmen teils unglaubliche Treffer und lieferten sich den einen oder anderen sehenswerten Schlagabtausch. Chagaev schien in den Schlussrunden wieder etwas nachzulassen, daher reichte es zum Punktentscheid nicht. Povetkin verdiente sich – wohl auch aufgrund seines Polsters der ersten Runden – nach 12 Runden den Punktsieg mit 116-112, 117-113 und 117-113.

Siarhei Liakhovich (25-4-0, 16 KO) boxte besser als erwartet gegen den klaren Favoriten  Robert Helenius (16-0-0, 11 KO). Der Kampf der beiden Schwergewichte entwickelte sich zu einer ansehnlichen Angelegenheit, die beiden Boxern eine Menge abverlangte. Liakhovich nahm von Beginn an die klareren Treffer, sah dementsprechend aus, kam aber immer wieder mit harten Körpertreffern und Kopfhaken vorwärts. Auf Helenius‘ unbequemen Stil schien er sich gut eingestellt zu haben und passierte immer wieder dessen lange Arme um am Mann mit kurzen Haken zu attackieren. Im Laufe der Runden machte der „Nordic Nightmare“ seinen Gegner jedoch mürbe und schickte ihn Ende der achten Runde schließlich mit einer endlosen Serie von Treffern auf die Knie. Sichtlich angeschlagen schaffte es Liakhovich zurück auf die Beine und wurde von der Pausenglocke gerettet. Im folgenden Durchgang machte Helenius den Sack zu und feuerte eine Hand nach der anderen ab. Liakhovich war stehend KO, der Kampf wurde abgewunken, noch bevor er auf dem Boden ankam. Es war der zweite KO-Sieg über einen früheren Weltmeister in Folge für Helenius, gegen dessen seltsamen aber effektiven Stil bislang noch niemand ein Mittel gefunden zu haben scheint.

Wie schon im ersten Aufeinandertreffen begannen Artur Hein (14-2-1, 8 KO) und Tony Averlant (16-5-2, 4 KO) sehr ausgeglichen und verbrachten viel Zeit im Infight. Ab der der Hälfte des EU-Titelkampfes schien Hein das Heft kurzzeitig in die Hand nehmen zu können, doch Averlant kam immer wieder stark zurück. Zwar fanden Heins Konterhaken und Aufwärtshaken immer wieder ihr Ziel, doch musste auch er einige harte Hände des Franzosen nehmen und baute gegen Ende des Fights mehr und mehr ab. In Runde elf machte Averlant schließlich den Sack zu. Nach einer lautstarken Pausenansage seiner Betreuer marschierte er von Rundenbeginn an vorwärts und deckte Hein mit einer Salve nach der anderen ein. Der versuchte die Schläge zu meiden, pendelte, wurde aber immer wieder erwischt. Sein Trainer Karsten Röwer handelte verantwortungsbewusst und warf nach 2:01 Minuten das Handtuch. Sieger durch TKO und neuer EU-Champion im Halbschwergewicht ist Tony Averlant. Für Hein ist die Karriere beim Sauerland-Boxstall wohl nun erst einmal vorüber.

Hein (r.) vs. Averlant

Steven Bendall (29-6-0, 14 KO) marschierte von Beginn an recht unbeherrscht nach vorne. So konnte er gegen Dominik Britsch (25-0-0, 9 KO) zwar jede Menge Druck machen, verursachte bei einem (unabsichtlichen) Kopfstoß aber auch einen Cut unter dessen linkem Auge. Ab dem zweiten Durchgang fand Britsch seine Lücken bei dem Briten und ging vermehrt mit harten Körpertreffern zu Werke. Immer wieder nutzte Bendall den Kopf, klammerte ab dem vierten Durchgang viel. Britsch konnte gegen den unbequemen Rechtsausleger dennoch immer wieder klare Treffer landen und setzte sich so nach acht Runden einstimmig mit 77-74, 79-73 und 78-73 durch. "Zufrieden bin ich mit meiner Leistung nicht", so Britsch nach dem Kampf, der sicher einer seiner bislang zähesten war. Aber ein Sieg ist schließlich ein Sieg.

Britsch (l.) vs. Bendall

Österreichs Mittelgewichtshoffnung Marcos Nader (12-0-0, 2 KO) hatte es nicht einfach gegen den Italiener Gianmario Grassellini (19-5-2, 10 KO). Der war gekommen um zu kämpfen und schlug die eine oder andere sehenswerte Kombination. Nader bewies jedoch Ring-Intelligenz und konnte viele Hände meiden, nur um danach seinerseits Treffer zu landen. Mit der Zeit wurde der Grassellini immer ungestümer, im sechsten Durchgang konnte Nader ihn mehrfach am Seil stellen, hatte ihn kurz vor dem Knockout. Der Italiener schaffte es zwar in die Pause, brachte danach aber kaum noch etwas zustande. Ein Schlaghagel in der siebenten Runde öffnete einen kleinen Cut an der Schläfe Grassellinis – der Ringrichter winkte den Kampf daraufhin in der letzten Pause ab.

Nader (l.) vs. Grassellini

Nachwuchstalent David Graf (4-0-0, 4 KO) bekam mit dem Ungarn Viktor Szalai (16-36-4, 4 KO) eine nette Aufbauhilfe und schickte ihn nach nur wenigen Sekunden zum ersten Mal auf die Bretter. Kurz darauf nahm Szalai einen linken Haken und ging erneut zu Boden. Nach einem weiteren Knockdown – durch einen Körperhaken – winkte der Referee den Kampf nach nur 1:31 Minute gnädigerweise ab.

CSC-Erfurt-Chef Christian Schwäblein (4-5-0, 1 KO) eröffnete den Abend mit einem TKO-Sieg über Armen Azizian (9-14-0, 1 KO), der sich nach 1:27 Minute in der vierten Runde verletzte und ausgezählt wurde.

Die Nacht der Jäger
27. August 2011
Messehalle in Erfurt, Thüringen

WBA Weltmeisterschaft im Schwergewicht
Alexander Povetkin bes. Ruslan Chagaev einstimmig nach Punkten (116-112, 117-113, 117-113)

WBA / WBO Intercontinental Meisterschaft im Schwergewicht
Robert Helenius bes. Siarhei Liakhovich via TKO (Abbruch) nach 0:19 in Rd. 9

EU Meisterschaft im Halbschwergewicht
Tony Averlant bes. Artur Hein via TKO (Aufgabe) nach 2:01 in Rd. 11

Vorprogramm
Dominik Britsch bes. Steven Bendall einstimmig nach Punkten (77-74, 79-73, 78-73)
Marcos Nader bes. Gianmario Grassellini via TKO (Cut) nach 0:01 in Rd. 8
David Graf bes. Viktor Szalai via KO (Körperhaken) nach 1:31 in Rd. 1
Christian Schwäblein bes. Armen Azizian via TKO (Verletzung) nach 1:27 in Rd. 4