Ergebnisse

Polarisierendes Ende in Las Vegas

Floyd Mayweather erwischt Victor Ortiz unvorbereitet – und knockt ihn aus. Foto: foxsports.net.

Der ohne Frage größte Boxkampf des Wochenendes war das Duell zwischen Floyd Mayweather Jr. und Victor Ortiz. Im ehrwürdigen MGM Grand in Las Vegas setzte Ortiz seinen Weltergewichtstitel gegen den technisch vorbildlichen, aber polarisierenden Superstar aufs Spiel. Und es wurde auch ein vorbildlicher Kampf – jedoch mit einem polarisierenden Ende.

Victor Ortiz (29-3-2, 22 KO) wurde nicht deklassiert, wie böse Zungen im Vorfeld des Fights vermutet hatten. Im Gegenteil: der junge Champion nutzte seine physischen Vorteile, brachte Mayweather in Bedrängnis und versuchte, das Tempo des Fights zu bestimmen. Floyd Mayweather (42-0-0, 25 KO) zeigte jedoch auch, warum er von den meisten Ranglisten noch immer, selbst nach all den Eskapaden und seiner langen Inaktivität zwischen Fights, als gewichtsklassenübergreifend bester Boxer der Welt geführt wird. Er war ständig in Bewegung, vermied fast jeden Treffer von Ortiz und brachte im Gegenzug seine altbekannte rechte Gerade wieder und wieder ins Ziel.

Doch Ortiz ließ sich nicht verunsichern, lächelte, schien sich wohl zu fühlen und kam immer besser in seinen Rhythmus. In Runde vier stellte er Mayweather am Seil und deckte ihm mit Kombinationen ein. Mayweather mied jedoch fast jede Hand, Ortiz schien frustriert zu sein – und ließ sich in der Hitze des Gefechts zu der vielleicht dümmsten Aktion seiner Karriere hinreißen: er attackierte Mayweather mit einem ganz klar absichtlichen, vollkommen überzogenen Kopfstoß.

Ringrichter Joe Cortez trennte beide Kämpfer und bestrafte Ortiz für die Unsportlichkeit mit einem Punktabzug. Dem war die Aktion offenbar peinlich, er entschuldigte sich mehrfach bei Mayweather, der von alledem jedoch nichts wissen wollte. Nachdem Cortez den Kampf wieder freigegeben hatte, wollte sich Ortiz mit einer Umarmung ein weiteres Mal für den Kopfstoß entschuldigen. Mayweather klopfte kurz mit den Handschuhen ab, hob aber sofort danach die Deckung und war wieder im Kampf. Im Gegensatz zu Ortiz, der sich geistig offenbar nach wie vor in seiner Entschuldigungszeremonie befand und vollkommen ungeschützt vor seinem Gegner stand.

Mayweather, noch immer sichtlich sauer, attackierte Ortiz plötzlich mit einem linken Haken, ließ eine rechte Gerade folgen und schickte Ortiz damit auf die Bretter. Cortez begann zu zählen und Ortiz schaffte es nicht, bei zehn wieder auf den Beinen zu sein. Damit war er seinen Titel los und Mayweather auch in seinem 42. Profikampf noch immer ungeschlagen.

Ob die Attacke nun sportlich fair war oder nicht, bleibt für die Bilanz unerheblich. Die Attacke war regelkonform, so viel ist sicher. Das Ende wurde dem Duell allerdings nicht gerecht und ein Floyd Mayweather hätte einen solchen Sieg nicht nötig gehabt – auch das steht fest. Und so bleibt „Money“ Mayweather auch nach diesem Fight der, der er schon immer war: einer der lautesten, polarisierendsten und aufsehenerregendsten Charaktere im Boxsport.

Überraschend stark verkaufte sich Alfonso Gomez (23-5-2, 12 KO) im Co-Hauptkampf gegen den aufsteigenden Star Saul „Canelo“ Alvarez (38-0-1, 28 KO). Nachdem Alvarez Gomez am Ende einer recht ausgeglichenen ersten Runde plötzlich mit einem kurzen linken Haken zu Boden geschickt hatte, kam der stark zurück, kontrollierte die folgenden drei Runden und baute sich eine Punktführung auf. Der erst 21-jährige Alvarez zeigte sich ungewohnt eindimensional, schlug zwar wie immer schöne Kombinationen zum Körper, verzichtete aber fast komplett auf seine Führhand und verließ sich stattdessen auf Einzelaktionen und harte Power-Punches.

Ein solcher schlug in der sechsten Runde schließlich auch ein und drehte den Kampf komplett: Nach einer rechten Canelo-Cross taumelte Gomez zurück und verschanzte sich hinter seiner Deckung. Alvarez setzte nach und Ringrichter Wayne Hedgpeth sprang sofort dazwischen, um den Kampf – etwas zu früh – nach 2:36 Minuten abzuwinken. Alvarez ist somit noch immer ungeschlagen und konnte zudem seinen Halbmittelgewichtstitel zum zweiten Mal verteidigen.

Ein weiterer 21-jähriger Nachwuchsboxer stieg im dritten WM-Fight des Abends in den Ring. Pablo Cesar Cano (22-1-1, 17 KO) sprang recht kurzfristig als Ersatz für den verletzten Lucas Mathysse ein und hatte mit Erik Morales (52-7-0, 36 KO) einen waschechten Veteranen vor den Fäusten. Der kam Anfangs nicht so recht in die Gänge, drehte gegen Mitte des Duells aber gehörig auf und öffnete einen grotesken Cut über dem linken Auge Canos. Den bearbeitete der mexikanische Superstar natürlich sukzessive, bis Referee Kenny Bayless den Kampf auf Bitten von Cano-Trainer Rudy Perez abwinkte. Morales sicherte sich damit in der bereits vierten Gewichtsklasse einen WM-Titel. Wie viel der Wert ist, muss allerdings jeder selbst entscheiden, immerhin hatte Morales sein letztes Duell gegen Marcos Maidana knapp verloren und Cano war nur Ersatzmann.

Die Paarung der jungen Nachwuchstalente Jesse Vargas (17-0-0, 9 KO) und Josesito Lopez (29-4-0, 17 KO) versprach von Beginn an Feuerwerk und wurde den hohen Erwartungen vollkommen gerecht. Über zehn Runden lieferten sich die beiden ein dermaßen ausgeglichenes und unterhaltsames Duell, dass es bei einem Großteil der Runden schwer war, einen eindeutigen Sieger auszumachen. Vargas sicherte sich schließlich eine knappe (aber gerechtfertigte) geteilte Punktentscheidung und befindet sich so nach wie vor auf dem Senkrechtstart nach oben.

Star Power: Mayweather vs. Ortiz
17. September 2011
MGM Grand in Las Vegas, Nevada, USA

WBC Weltmeisterschaft im Weltergewicht
Floyd Mayweather Jr.  bes. Victor Ortiz via KO nach 2:59 in Rd. 4

vakante WBC Weltmeisterschaft im Halbweltergewicht
Erik Morales bes. Pablo Cesar Cano via RTD in Rd. 10

Jessie Vargas bes. Josesito Lopez geteilt nach Punkten

Vorprogramm
Carson Jones bes. Said Ouali via RTD in Rd. 7
Adonis Stevenson bes. Dion Savage via TKO in Rd. 1
Marco Antonio Periban bes. Dhafir Smith einstimmig nach Punkten
Anthony Crolla bes. Juan Montiel geteilt nach Punkten
Kyrone Butler bes. Cassius Clay einstimmig nach Punkten

Saul Alvarez vs. Alfonso Gomez
17. September 2011
Staples Center in Los Angeles, Kalifornien, USA

WBC Weltmeisterschaft im Halbmittelgewicht
Saul Alvarez bes. Alfonso Gomez via TKO nach 2:36 in Rd. 6

Vorprogramm
Antonio Orozco bes. Fernando Rodriguez einstimmig nach Punkten
Mikayl Arreola bes. Juan Sandoval einstimmig nach Punkten
Hugo Centeno Jr. bes. Willie Walton einstimmig nach Punkten
Ray Rivera bes. Rudy Gonzalez via KO in Rd. 1