Ergebnisse

Otto schlägt eine Legende

Am 24. Oktober hieß es in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts wieder einmal Showtime, denn der Magdeburger La Onda-Club lud zur neusten Auflage seiner renommierten Fight Night-Serie. La Onda-Mastermind Sascha Poppendieck hatte sich im Vorfeld der Veranstaltung verletzt und konnte nicht, wie ursprünglich geplant, den lang erwarteten Rückkampf gegen den tschechischen Thaiboxer Jiri Apeltauer bestreiten. Der brachte Poppendieck 2007 seine erste Niederlage bei. Um die Lücke im Hauptkampf der Show zu füllen, hatten sich die Magdeburger allerdings etwas ganz besonderes ausgedacht: Man verpflichtete UFC-, Pride- und K-1-Legende „Big Daddy“ Gary Goodridge für einen K-1-Fight gegen La Onda-„Bomber“ Jerry Otto.

Dass der 44-jährige Goodridge sich dem Ende seiner Karriere mittlerweile aber bereits mit großen Schritten nähert, wurde deutlich, als er im Hauptkampf schließlich im Ring stand. Dort machte er außer guter Deckungsarbeit nämlich wenig bis gar nichts, wurde vom Magdeburger Schwergewicht mit harten Schlägen und Lowkicks eingedeckt. Vor allem Letztere waren, nach intensiver Videostudie von Goodridges Fights, einer der Grundpfeiler von Ottos Strategie, verriet uns der „Bomber“ nach dem Kampf. Tatsächlich entwickelten sich die Tritte zum Oberschenkel zu einer wirksamen Waffe und hinterließen Spuren bei Wahlkanadier Goodridge, der weiterhin nur sporadisch attackierte. Erst in Runde drei startete der Veteran endlich eine Offensive, wurde allerdings nie wirklich gefährlich und nahm weitere harte Treffer von Otto. Nach drei Runden wurde der Lokalmatador unter tosendem Jubel der anwesenden Zuschauer zum einstimmigen Punktsieger gekrönt.

Demontage einer Legende: Jerry Otto schlägt Gary Goodridge.

„Ich bin unglaublich stolz auf mich und meinen Trainer“, so Otto nach dem Fight. „Ich habe einen Großen geschlagen, der wirklich schon gegen alle gekämpft hat, egal ob im MMA oder im K-1. Ich bin einfach nur glücklich!“

Weniger glücklich war Kampfsportlegende Goodridge, der nach dieser Niederlage scheinbar endgültig im Spätherbst seiner langen Laufbahn angekommen war. „Ich bin am Ende meiner Karriere“, bestätigte er uns nach dem Kampf. „Ich bin fertig. Ich habe maximal noch einen Kampf in mir und das war's.“

Dieser eine Kampf könnte unter Umständen recht bald Wirklichkeit werden. Ein Rückkampf zwischen Otto und Goodridge wurde nämlich direkt nach der Urteilsverkündung von den Beiden im Ring beschlossen und soll nächstes Jahr in Kanada stattfinden.

Vor dem Co-Hauptkampf des Abends musste zunächst eine unfreiwillige Pause eingelegt werden, denn das oberste Ringseil war gerissen. Als es nach rund einer Viertelstunde weitergehen konnte, machte sich der Magdeburger Lokalheld „Hitman“ Hendrik Oschmann auf den Weg zum Ring. Sein Gegner war der Karlsruher Sambo- und BJJ-Spezialist Benjamin „Blanco“ Russ. Dessen Strategie war klar: den Kampf so früh wie möglich auf den Boden verlagern. Dies gelang ihm auch direkt nach Rundenstart via Double-Leg Takedown. Russ landete in Sidecontrol und konnte, trotz guter Verteidigung Oschmanns, schließlich in die Mount passieren. Dort blieb er jedoch nicht lang, denn dem „Hitman“ gelang zügig der Sweep. Russ zögerte allerdings nicht, machte das Beste daraus und bewegte sich direkt zu einem Armhebel aus der Guard. Der Hebel saß und Oschmann blieb keine andere Wahl als zu tappen.

Benjamin Russ beim Versuch zum Mount-Pass.

Etwas weniger schnell vorbei war der K-1-Fight zwischen Malte Jöng und dem Geraer Peter Bäumler. Nachdem beide sich in der ersten Runde lange Zeit nur abtasteten und kaum nennenswerter Kontakt zustande kam, gab es in Durchgang zwei bereits etwas mehr Action. Die Runde verlief recht ausgeglichen, beide kämpften besonnen und konnten klare Treffer setzen. In Runde drei war es aber schließlich Jöng, der sich durchsetzen konnte. Er landete einige harte Treffer und punktete mit vielen Lowkicks, was ihm nach drei Runden den einstimmigen Punktsieg einbrachte.

Der Kampf des Abends war mit Sicherheit die Begegnung zwischen dem ultra-talentierten Hallenser Max „Maximus“ Birkner und Hanse Gym-Kämpfer Joel Knoch. Birkner war von Beginn an aggressiv und diktierte den Kampf. Mit akkuraten Kombinationen setzte er dem Hamburger zu, hatte allerdings Probleme die Distanz zum ungleich größeren Knoch zu überwinden. Auch in Runde zwei blieb Birkner boxerisch klar besser, bekam aber mehr und mehr Schwierigkeiten mit Knochs langen Beinen und gut getimeten Kniestößen. Beide Kämpfer landeten zudem harte Lowkicks. Im dritten Durchgang fand Knoch schließlich ein Mittel gegen die Schläge Birkners, konnte gut meiden und den La Familia-Fighter ins Leere laufen lassen. Die dritte Runde hatte der Hamburger damit sicher. Erschöpft streifte Birkner sich nach dem Fight die Handschuhe ab – doch zu früh. Das Punktgericht konnte sich auf keinen Sieger einigen und verlangte nach einer Zusatzrunde. Diese entschied der kleine Hallenser jedoch souverän für sich und nahm so den Punktsieg mit nach Hause.

Distanz überwinden: Birkner hatte Schwierigkeiten mit dem größeren Knoch.

In einem weiteren Magdeburg vs. Halle-Duell kämpfte Tomi Schubert gegen Christian Kiesel. Der Kampf war technisch höchst ansehnlich, beide Kämpfer konnten hier glänzen. Kiesel hatte zunächst die Nase vorn, schlug variabler. Schubert schlug dafür härter. In Runde zwei wollte er es schließlich mit der Brechstange und machte jede Menge Druck. Kiesel schien die Luft auszugehen, er atmete mit offenem Mund und bewegte sich ab der dritten Runde nur noch Rückwärts. Der Magdeburger hatte dagegen noch jede Menge Energie, nahm maß und dominierte die letzte Runde völlig. Er siegte anschließend nach Punkten.

Igor Montes beim Ground and Pound.

Der Dresdner MMA-Kämpfer Jonny Kruschinski musste sich kurzfristig auf einen neuen Gegner einstellen. Stallion Cage-Fighter Igor Montes sprang ein und ersetzte Michael Malischewski. Der Stuttgarter begann stark mit einer Schlagsalve. Kruschinski versuchte, sich in einen Single-Leg Takedown zu retten, doch Montes verteidigte gut und drückte seinen Gegner zu Boden. Von dort  aus poundete er ausgiebig, wurde schließlich jedoch gesweept und gab seinen Rücken frei. Dort scheiterten einige Rear-Naked Choke-Versuche Kruschinskis. Kurz vor der Pause landete Montes noch in einer Guillotine. Ob sie eng war, weiß wohl nur er selbst, denn das Pausensignal unterbrach den Choke. In Runde zwei suchte Montes direkt zu Beginn den Takedown, wurde aber erneut gesweept und bot wieder seinen Rücken an. Kruschinski ließ sich nicht bitten und versuchte einen weiteren Rear-Naked Choke. Montes verteidigte jedoch souverän, so dass diese Position für mehrere Minuten gehalten wurde. Kurz vor Kampfende gelang es Montes, sich zu drehen. Aus der Guard seines Gegners begann er zu pounden, als die Glocke den Kampf beendete. Die Punktrichter entschieden anschließend auf ein Unentschieden, was angesichts dieses doch recht ausgeglichenen Fights durchaus vertretbar war.

Montes im Rear-Naked Choke von Kruschinski.

Im einzigen Boxkampf auf der Fightcard standen sich die beiden schweren Jungs Milan Papp und Marco Billsing gegenüber. Der enorme Größenunterschied der beiden Boxer war der Attraktivität des Kampfes nicht unbedingt zuträglich. So versuchte Papp die langen Hände Billsings zu meiden und gleichzeitig mit einem Konterpunch in den Infight zu gelangen. Dort wurde dann sofort geklammert. Da Billsing seine Reichweite nicht zu nutzen wusste, wiederholte sich dieses Spiel in den ersten beiden Runden mehrfach. Im dritten Durchgang schien Papp jedoch plötzlich völlig die Luft ausgegangen zu sein. Billsing leckte Blut und deckte den Hallenser mit einer Serie von Schlägen ein, bis der in der Ringecke schließlich zusammensackte und angezählt wurde. Er schaffte es jedoch nicht wieder auf die Beine und gab den Kampf damit ab.

La Onda-Kämpfer Martin Lemke traf auf den Hamburger Mostapha Mahmodzad und konnte diesen auch recht früh mit einer rechten Geraden niederschlagen. Auch danach blieb der Magdeburger sehr aggressiv und trieb Mahmodzad durch den Ring. Der arbeitete aber gut mit seiner Deckung und setze zwar weniger, aber klarere Treffer. Auch in Runde zwei diktierte Lemke den Kampfverlauf und marschierte. Nach einem Break durch den Referee kassierte er einen Kniestoß in den Magen, ging davon zu Boden und wurde angezählt. Nach Rücksprache mit den Punktrichtern wurde die Aktion jedoch nicht als Knockdown gewertet, da sie erst nach dem Break erfolgt war. Der Magdeburger reagierte nach dieser Szene jedenfalls noch aggressiver. Der Kampf entwickelte sich im dritten Durchgang zu einer wilden Schlacht, wobei die Runde recht ausgeglichen verlief. Die Punktrichter entschieden schließlich zu Gunsten Mahmodzads.

Der Hallenser Matthias Gäbler fuhr gegen Münsteraner Marco Müller seinen vierten Sieg im vierten Kampf ein. Dabei machte er wie gewohnt von Beginn an Druck und deckte Müller mit Kombinationen ein. Der geriet dennoch nicht in Panik, machte aber zu wenig. Mit der Zeit wurde Gäbler ein wenig langsamer, ihm ging spürbar die Luft aus, dennoch schlug er nach wie vor die härteren Hände. Die besseren Kicks hatte Müller, doch der machte auch im dritten und damit letzten Durchgang zu wenig, um die Punktrichter zu beeindrucken.

Im Opener des Abends konnte sich Toni Thes nach Punkten gegen den Hamburger Witali Ziegler durchsetzen. Thes dominierte die ersten beiden Runden klar, musste in der dritten aber nach einem linken Haken Zieglers zu Boden. Der hatte jedoch nicht mehr die Energie zum Nachsetzen und verschenkte somit einen potentiellen Überraschungssieg.

La Onda Fight Night: Blood In BLood Out
24. Oktober 2010
Hermann-Gieseler-Halle in Magdeburg, Sachsen-Anhalt


K-1 Superfight
Jerry Otto bes. Gary Goodridge einstimmig nach Punkten

Mixed Martial Arts
Benjamin Russ bes. Hendrik Oschmann via Submission (Armbar) in Rd. 1

K-1
Malte Jöng bes. Peter Bäumler einstimmig nach Punkten
Max Birkner bes. Joel Knoch einstimmig nach Punkten (nach einer Extrarunde)
Tomi Schubert bes. Christian Kiesel einstimmig nach Punkten

Mixed Martial Arts
Igor Montes vs. Jonny Kruschinski endet im Unentschieden

Boxen
Marco Billsing bes. Milan Papp via KO in Rd. 3

K-1
Mostapha Mahmodzad bes. Martin Lemke einstimmig nach Punkten
Matthias Gäbler bes. Marco Müller einstimmig nach Punkten
Toni Thes bes. Witali Ziegler einstimmig nach Punkten