Ergebnisse

Omer und Weichel unterliegen in Titelkämpfen

Mark Adams (l.) vs. Alan Omer

Es hat nicht sollen sein. Mit einem Weltmeisterschaftstitel im Gepäck sind die deutschen Kämpfer an diesem Wochenende nach Birmingham zu dritten Veranstaltung der British Association of Mixed Martial Arts gereist, mit leeren Händen kommen sie nun wieder zurück. Alan Omer musste seinen Federgewichtstitel aufgrund einer fragwürdigen Punktrichterentscheidung an den nach wie vor ungeschlagenen Mark Adams abgeben, Daniel Weichel wurde von Leichtgewichtschampion Rob Sinclair in der ersten Runde durch TKO besiegt.

Mark Adams (l.) vs. Alan OmerAlle fünf Runden des hochkarätigen Duells zwischen Omer und dem englischen Herausforderer Adams liefen nach demselben Schema ab. Omer dominierte den Standkampf und landete einige gute Treffer mit seinen Schlagkombinationen und ab und an auch Kniestößen. Adams versuchte stets, das Geschehen auf den Boden zu verlagern, um weiteren Schaden zu verhindern. Er konnte Omers Guard nicht passieren und arbeitete stattdessen vereinzelt mit Ground and Pound, jedoch ohne den 21 Jahre alten Stuttgarter damit zu gefährden, da dieser die meisten Angriffe blockte und ständig auf der Suche nach Aufgabegriffen war. Adams verteidigte sich allerdings geschickt gegen Armbar, Kimura und Triangle Choke.

Omer schlug Adams die Nase blutig und klingelte ihn in der dritten Runde sogar heftig an, doch nach dem folgenden Niederschlag rettete sich Adams in den Clinch. Nach einer Weile war offensichtlich, dass die amerikanischen Ringer nicht die einzigen sind, die das „Lay & Pray“ beherrschen. Als fünf spannende Runden vorbei waren, werteten die drei englischen Punktrichter den Kampf 48:47, 49:47 und 48:47 für den englischen Kämpfer Mark Adams, der somit der neue BAMMA Federgewichtschampion ist. An einem Rückkampf auf deutschem Boden wird hinter den Kulissen bereits auf Hochtouren gearbeitet.

Daniel Weichel (l.) vs. Rob SinclairDer Leichtgewichtstitelkampf zwischen dem schlagkräftigen Champion Rob Sinclair und dem deutschen Herausforderer Daniel Weichel fiel – leider – etwas deutlicher aus. Weichel verschwendete keine Zeit und versuchte von Beginn an beharrlich, Sinclair auf den Boden zu bringen. Doch der offenbarte eine sehr gute Takedown-Defense (die allerdings mitunter auch durch Festhalten am Käfig begünstigt wurde) und bestrafte Weichel für seine Takedownversuche mit harten Schlägen. Schließlich bugsierte Sinclair Weichel in die Sidecontrol, nachdem er ihn unerlaubt und vom Ringrichter ungesehen mit dem Knie traf, und feuerte von dort aus einige Schläge ab. Der Ringrichter ging umgehend dazwischen und beendete den Kampf zugunsten von Sinclair, obwohl sich Weichel noch in einer Verteidigungshaltung befand. Ob der Abbruch zu früh geschah oder nicht – Sinclair bleibt BAMMA Leichtgewichtschampion.

Nachdem der Hauptkampf der Veranstaltung vorbei war, in dem der Engländer Tom „Kong“ Watson unter den Augen von UFC Weltergewichtschampion Georges St. Pierre und Denis Kang dem US-Amerikaner Matt Horwich gegenüberstand, hatte sich der Eindruck noch verhärtet, dass die englischen Punktrichter ihre Landsleute ein kleines bisschen bei der Wertung bevorzugen.

Matt Horwich (l.) vs. Tom WatsonHorwich, ein sehr zäher Ringer, initiierte in der fünf Runden langen Auseinandersetzung öfters den Clinch, presste Publikumsliebling Watson gegen den Käfig und arbeitete auf Takedowns hin, die ihm sehr häufig gelangen. Im Gegensatz zu Adams passierte er auf der Matte jedoch mehrere Male die Guard von Watson und kam in gleich drei Runden in die Backmount. In der ersten Runde hätte Horwich den Kampf beinahe mit dem Rear Naked Choke beendet, doch Watson befreite sich im allerletzten Moment.

Im Stand war es über weite Strecken ausgeglichen. Horwich punktete mit Kniestößen aus dem Thaiclinch, aber Watsons Schlagkombinationen kamen im Verlauf des Kampfes immer häufiger durch. In Runde drei sah Watson am besten aus: Nachdem er von dem ehemaligen UFC- und IFL-Kämpfer zu Boden gebracht wurde, gelang ihm ein Kimura-Sweep in die Mount und als Horwich wieder aufstand, klingelte er ihn mit einem Haken an.

Der Kampf zwischen Watson und Horwich ähnelte dem zwischen Omer und Adams – mit dem Unterschied, dass Watson weniger leistete als Omer und Horwich um einiges gefährlicher war als Adams. Diesmal werteten die Punktrichter 48:47,49:47 und 49:46 für Tom Watson, der sich damit den vakanten BAMMA Mittelgewichtstitel schnappte und dabei den achten Sieg in Folge feierte.

Während Horwich fünf harte Runden gekämpft hat, machten seine amerikanischen Landsmänner War Machine und Seth Petruzelli, beide ehemalige Teilnehmer von The Ultimate Fighter, mit ihren Gegnern kurzen Prozess.

War Machine trat gegen Zach Light an, den früheren Ringertrainer von Michael Bisping und Quinton „Rampage“ Jackson. Nach einem anfänglichen Schlagabtausch, den War Machine für sich entschied, wollte Light ihn mit einem Trip-Takedown in die Rücklage befördern. War Machine gelang jedoch ein Reversal und kurze Zeit später befand er sich in der Backmount. Light wehrte sich zunächst, aber War Machine gelang dann doch der Rear Naked Choke. Light ging lieber schlafen als aufzugeben und musste darauf vom Ringarzt wieder aufgeweckt werden.

Seth Petruzelli, der Kimbo Slice vor zwei Jahren innerhalb von 14 Sekunden ausknockte, landete auch gegen Ryan White einige Treffer mit seinen Schlagkombinationen. Dadurch wurde er etwas übermütig und versuchte sich an einem schlampig vorbereiteten und ausgeführten Highkick. White nutzte das, um Petruzelli auf den Boden zu stoßen. Petruzelli nahm White dann in seine Guard und zwang ihn kurze Zeit später mit einem Armhebel zur Aufgabe.

Eröffnet wurde BAMMA 3 von den Federgewichten Martin McDonough und Mike Wood, die beide ihren ersten Kampf bestritten. McDonugh hatte frühen Erfolg mit Kicks und Kniestößen, woraufhin Wood clinchte und ihn mit einem Takedown von den Beinen holte. Wood legte aus der Mount mit Ground and Pound los, aber McDonough konnte ihn sweepen. Beim Guardpassversuch von Wood entstand ein kurzes Gerangel, in dem sich McDonough die Guard zurückholte und schnell den Triangle Choke ansetzte. Es dauerte noch eine Weile, doch dann gab Wood auf.

Die erfahrenen Fliegengewichte Phil „Billy“ Harris und Neil Seery lieferten sich über drei Runden hinweg eine ansehnliche Auseinandersetzung mit vielen Bodenkampfeinlagen. Seery punktete im Stand mit harten Lowkicks und Links-Rechts-Kombinationen, Harris war hingegen mit einigen Takedowns erfolgreich. Auf der Matte setzten beide öfters zu Aufgabegriffen an – Armbar und Guillotine Choke von Seery, Arm Triangle Choke von Harris – befreiten sich aber auch sehr gut daraus. Alle drei Punktrichter sahen am Ende Billy Harris vorne.

Paul Reed und Ashleigh Grimshaw lieferten sich in der ersten Runde ihres Kampfes ausgeglichene Schlagabtausche im Stand, ehe Reed seinen Gegner mit einem Double-Leg-Takedown auf die Matte beförderte und einige kräftige Schläge anbrachte. Durchgang zwei wurde von Reed mit einer guten Links-Rechts-Kombinationen eröffnet, doch Grimshaw schlug ihn kurz darauf mit einem gewaltigen linken Haken nieder und beendete den Kampf mit weiteren Schlägen am Boden.

Judo-Schwarzgurt Jeff „Ippon“ Lawson überrollte den ehemaligen UFC-Kämpfer David Lee und bleibt somit im Federgewicht weiterhin unbesiegt. Lawson verpasste Lee einen Schlag, schleuderte ihn auf den Boden und zwang ihn aus der Mount mit seiner Spezialität, dem Armhebel, zur Aufgabe.

Im Mittelgewicht stiegen der schlaksige Mike Ling und der bullige Carl Noon in den Käfig. Nachdem sie einzelne Schläge ausgetauscht hatten, wurde es Noon zu bunt und er setzte zum Double-Leg-Takedown an. Ling fand sich daraufhin auf dem Rücken wieder. Noon legte mit Schlägen los und erarbeitete sich die Mountposition. Ling drehte ihm den Rücken zu und der Rear Naked Choke war für Noon dann nur noch Formsache. Es dauerte nicht lange und Ling musste abklopfen.

Zwischen Norwegens Supertalent Simeon Thoresen – aus der Schmiede von Joachim „Hellboy“ Hansen – und John Maguire entwickelte sich eine ziemlich unterhaltsame Auseinandersetzung. Im Stand schenkten sich beide nichts und setzten sich gegenseitig mit einzelnen Schlägen und Tritten sowie Kniestößen aus dem Clinch zu. In der zweiten Runde wurde Thoresen bewusst, dass er eigentlich ein ganz ordentlicher Bodenkämpfer ist. Er warf Maguire auf den Boden und setzte einen Fußhebel an. White kam in die Guard zurück, aber Thoresen passierte und wechselte von der Sidecontrol in die Mount. Von dort aus ging es mit Ground and Pound weiter. Maguire gab seinen Rücken frei, doch der Rear Naked Choke wollte Thoresen nicht gelingen. Diese starke zweite Runde sowie leichte Vorteile im Stand bescherten ihm nach drei Runden den einstimmigen Punktsieg.

BAMMA 3
15. Mai 2010
LG Arena in Birmingham, England


BAMMA Mittelgewichtstitelkampf
Tom Watson bes. Matt Horwich nach Punkten (einstimmig)

Seth Petruzelli bes. Ryan White via Armhebel nach 1:07 in Rd. 1

BAMMA Leichtgewichtstitelkampf
Rob Sinclair (c) bes. Daniel Weichel via TKO nach 4:03 in Rd. 1

War Machine bes. Zach Light via Rear Naked Choke nach 1:09 in Rd. 1

BAMMA Federgewichtstitelkampf
Mark Adams bes. Alan Omer (c) nach Punkten (einstimmig)

Simeon Thoresen bes. John Maguire nach Punkten (einstimmig)
Carl Noon bes. Mike Ling via Rear Naked Choke nach 3:48 in Rd. 1
Jeff Lawson bes. David Lee via Armhebel nach 0:57 in Rd. 1
Ashleigh Grimshaw bes. Paul Reed via TKO nach 1:04 in Rd. 2
Phil Harris bes. Neil Seery nach Punkten (einstimmig)
Martin McDonough bes. Mike Wood via Triangle Choke nach 3:52 in Rd. 1

Vielen Dank für die tollen Bilder an Valentin Kerkhof (www.sportmma.eu)!