Ergebnisse

MMA meldet sich in Düsseldorf zurück

Die gut 900 Zuschauer in der bis auf den letzten Platz gefüllten Frankenheimhalle waren der eindeutige Beweis dafür, dass die Einwohner der Landeshauptstadt seit dem Ende der Mix Fight Galas 2005 auf MMA-Entzug waren. „Wir lieben den Sport ja selbst, da sind 15 Euro Eintritt – was auch der Preis unserer letzten Show vor fünf Jahren war - ein fairer Preis“, war aus dem Team von Veranstalter und German Best Team-Trainer Kemal Sivil zu hören. Und 15 Euro waren definitiv ein Schnäppchen angesichts der trotz einer hohen Newcomer-Dichte intensiv geführten Kämpfe.

David Zawada (o.) vs. Michael Zabrocki

Im ersten Kampf des Abends traf Martin Zawadas Bruder David auf Michael Zabrocki vom Yogaka Düsseldorf. Zawada eröffnete mit Schlag- und Trittkombos, wurde aber von Zabrocki geclincht und zu Boden gebracht. Dort gelang Zawada der Reversal und kurz darauf zwei Slams, um sich seines klammernden Gegners zu entledigen. Im Stand erhöhte Zawada den Druck, doch hielt schlug Zabrocki erfolgreich zurück. Wenig später traf Zawada seinen Gegner mit Schlägen, die ihn angeschlagen zu Boden stolpern ließen. Zawada war sofort zur Stelle, um nachzusetzen, doch brach Ringrichter Ulas Aslan den Kampf der beiden Neulinge zu Gunsten Zawadas korrekterweise ab.

Chakir Haj Haddou (r.) vs Naser Wahabi

Ein weiteres Stadtduell stand mit Naser Wahabi und Chakir Haj Haddou an. Hadou eröffnete den Kampf direkt aggressiv mit einem Knie, wurde von Wahabi aber sehenswert von den Beinen geholt. Beide schossen bei der Aktion durch das Ringseil hindurch und landeten in einem – MMA-Deutschland in letzter Zeit leider nur zu gut bekanntem Ringszenario – auf dem Boden. Glücklicherweise verletzte sich keiner der beiden und eine munteres Hin und Her nahm seinen Lauf, in dem Wahabi den Kampf am Boden und mit Takedowns souverän kontrollierte, während Haddou im Stand gefährlich war und am Boden kaum Treffer zuließ.

Die Entscheidung folgte in Runde zwei, nachdem Haddou sich aus der Kontrolle seines Gegners befreien und aufstehen konnte. Wahabi hatte sichtlich Mühe, selbst auszustehen und schoss mit letzter Kraft einen Takedown, den Haddou aber ohne größere Probleme mit einem Guillotine Choke konterte, der ihm den Sieg bescherte.

Stefan Wischermann (o.) vs. Sebastian Stankovic

Sebastian Stankovic drückte dem Kampf gegen Stefan Wischermann früh seinen Stempel auf. Wiederholt brachte er Wischermann zu Boden und erarbeitete sich dort in Windeseile eine dominante Position. Doch gelang es Wischermann ebenso oft, den Spieß wieder zu wenden, bevor ihn härtere Schläge treffen konnten. Im Stand setzte Wischermann dann ein hartes Knie, das Stankovic zu Boden gehen ließ. Nach mehreren Schlägen aus der Back Mount sicherte Wischermann den Sieg via Rear Naked Choke.

Sven Wegschneider (u.) vs. Mohamed Grabinski

Der erst 19-jährige Nordin Asrih-Schüler Mohamed Grabinski lieferte sich im letzten Kampf vor der Pause eine sehenswerte Schlacht mit dem 30-jährigen M-1-Veteran Sven Wegschneider. Im ersten Durchgang konnten beide Akzente setzen, wobei Wegschneider am Boden Vorteile hatte, während Grabinski im Stand ordentlich Punkte sammelte. Die Halle tobte, als Wegschneider einen Armbar bei seinem Gegner ansetzte, der sicher saß und den Ellenbogen überstreckte. Grabinski gab aber nicht auf und kämpfte sich frei, um Wegschneider im Stand kurz darauf mit schweren Treffern an den Rande des KOs zu bringen.

Mohamed Grabinski (o.) vs. Sven Wegschneider

Grabinski war beim Nachsetzen aber zu überhastet und rutschte nach einem Kniestoß aus, woraufhin der Rundengong ertönte. Anfang von Runde zwei war es erneut Grabinski, der seinen Gegner mit harten und präzisen Kombos treffen konnte, aber von einem Last Minute-Takedown zu Boden gebracht wurde. Wegschneider nutzte die Zeit am Boden, um sich zu erholen, wurde aber wenig später zurück im Stand kalt erwischt, als er nach einem verpassten Super Man Punch von Grabinski ihn in seine Guard zog. Grabinski nutzte die Gelegenheit und stoppte Wegschneider mit weiteren Schlägen.

Während des packenden Kampfes, der das Publikum aus seinen Sitzen riss, kam es zu einem unschönen Vorfall, als sich mit Nordin Asrih und Farbod Fadami zwei alte Rivalen, die als Betreuer bei dem Kampf in den entgegen gesetzten Ecken tätig waren, in die Haare bekamen. Glücklicherweise reagierte das Veranstalterduo zügig und entschärfte die Situation.

Nordin Asrih (o.) vs. Eduard Janetzko

Nach einer Pause ging er mit einer anfangs langsamen, später aber dann sehr sehenswerten Capoeira-Show weiter, die die Zuschauer auf die Hauptkämpfe einstimmte. Nordin Asrih trat im vorletzten Kampf des Abends gegen den Newcomer Eduard Janetzko an und eröffnete den Kampf mit einem Knall: Er sprintete durch den Ring und setzte ein eingesprungenes Knie im Kid Yamamoto-Stil an, dem Janetzko aber auswich.

Asrih konnte seinen deutlichen Erfahrungsvorteil wie erwartet ausspielen, musste sich aber gegen einen beherzt kämpfenden Gegner behaupten. Nach zwei Minuten hatte Asrih sich die Full Mount erarbeitet und ging zum Finish über. Er bedrohte Janetzko erst mit einem Kimura, direkt danach mit einem Armbar, der ihm den Sieg bescherte.

Titelkampf: Martin Zawada (l.) vs. Matteo Minonzio

Der Hauptkampf des Abends, bei dem Martin Zawadas Titel auf dem Spiel stand, wurde gebührend gewürdigt: Sowohl die deutsche Flagge als auch die von Italien wurden im Ring präsentiert, gefolgt von den Nationalhymnen. Im Kampf gegen den austrainierten Italiener Matteo Minonzio, der beim Singen der italienischen Nationalhymne ein Höchstmaß an Patriotismus zeigte und sogar das „ba-ba-ba“ der Trompeten mitsang, konnte Zawada direkt im Stand die Oberhand gewinnen. Er traf Minonzio im Kampfverlauf immer wieder mit knackigen Jabs und seiner Spezialwaffe, dem linken Haken.

Martin Zawada vs. Matteo Minonzio

Minonzio konterte mit Kraft raubenden Takedowns, die Zawada nicht viel ausmachten, da er das Ground and Pound des Italieners weitestgehend verhinderte und sich des Öfteren mit Sweeps aus der schlechten Position befreite. Selbst in der Offensive, griff Zawada mit gutem Ground and Pound an, dass bald Spuren in Minonzios Gesicht hinterließ. Runde drei begann gut für Minonzio, der Zawada früh zu Boden bringen konnte und dort mit Schlägen beharkte.

Gegen Ende der Runde konnte der Düsseldorfer das Blatt aber erneut wenden und schenkte dem Italiener eine Dosis seiner eigenen Medizin ein. Als dieser in die vierte Runde startete, ging ein Raunen durch das Publikum: Minonzio hatte an seiner rechten Augenbraue eine große Schwellung, die im weiteren Kampfverlauf unter den zunehmenden Attacken Zawadas bedrohliche Ausmaße annahm. Obwohl Minonzio zu keiner Zeit aufgab und den Champion auf herz und Nieren testete, wurde er vom Ringrichter und Arzt nach der vierten Runde as dem Kampf genommen.

(v.l.n.r.) Minonzio nach dem Kampf, Kemal Sivil, Martin Zawada und Tomek Smykowski

Mit Martin Zawada hat einer der populärsten und erfolgreichsten MMA-Kämpfer Deutschlands bei der MMA-Rückkehr in Düsseldorf für einen denkwürdigen Titelkampf gesorgt. Trotz einiger kurzfristiger Kampfabsagen, die die Fightcard auf sechs Kämpfe hatten schrumpfen lassen, war die Stimmung nach der erfolgreichen Veranstaltung durchweg positiv: „MMA ist zurück in Düsseldorf! Wir sind sehr zufrieden und freuen uns, voller Vertrauen in die Zukunft blicken zu können. Am 6. März 2011 wollen wir bei unserer nächsten Veranstaltung noch einen drauf legen, die Messlatte eine Stufe höher legen.“ Man darf also gespannt auf das Frühjahr des nächsten Jahres blicken, da sich mit der MMA-Gala aus Düsseldorf eine der „alten Shows“ mit einem Knall zurück gemeldet hat.

 

MMA Gala 6

7. November 2011

Frankenheimhalle, Düsseldorf

David Zawada bes. Michael Zabrocki via KO (Punches) nach 2:34 in Runde 1

Chakir Haj Haddou bes. Naser Wahabi via Guillotine Choke nach 2:54 in Runde 2

Stefan Wischermann bes. Sebastian Stankovic via Rear Naked Choke nach 4:20 in Runde 1

Mohamed Grabinski bes. Sven Wegschneider via TKO (Punches) nach 3:00 in Runde 2

Nordin Asrih bes. Eduard Janetzko via Armbar nach 2:25 in Runde 1

Martin Zawada bes. Matteo Minonzio via TKO (Ref Stopppage) nach 5:00 in Runde 4