Ergebnisse

Marco Huck behält gegen Firat Arslan umstritten seinen Titel

Marco Huck vs. Firat Arslan (Foto: Photo Wende)

Ein kontroverses Ende fand die Sauerland-Kampfnacht am gestrigen Samstag im Gerry-Weber Stadion in Halle/Westfalen. Marco Huck behielt seinen WBO-Cruisergewichtstitel mit einem kontroversen Punkturteil. Der 42-Jährige Firat Arslan nutzte seine letzte große Chance auf den Titel so gut er konnte. Am Ende hagelte es Pfiffe von den 7.000 Zuschauern.

Fragwürdige Urteile sind im Boxzirkus keine Seltenheit. Dem WBO-Superchampion Marco Huck half ein solch fragwürdiges Urteil zum zweiten Mal. Schon früher in seiner Karriere stand er vor einer gerechtfertigten Niederlage: Gegen den Russen Lebedev fand er ähnlich wie gestern nicht in den Kampf, wurde aber durch die Kampfrichter gerettet.

Der Kampf am Samstag war bestimmt durch einen topmotivierten Ex-Weltmeister Firat Arslan, der den amtierenden Weltmeister Marco Huck mit vielen gezielten linken Aufwärtshaken unter Druck setzte. Die erste Hälfte des Kampfes war bestimmt durch diese Aufwärtshaken. Erst zu einem späteren Zeitpunkt kam Marco Huck besser in den Kampf. Mit seinen bekannten wilden Schwingern traf er zumeist die Deckung des 42-Jährigen. Auf den Punktzetteln brachte ihm das viel ein.

Schlussendlich kamen die Punktrichter zu einem einstimmigen Punktrichterurteil (115-113, 115-113, 117-111). Der Kampf biete sehr viel Gesprächsstoff, so der Trainer von Arslan nach dem Kampf, man hätte es hier mit den größten Betrüger zu tun gehabt. Auch für Arslan war das Urteil unverständlich. Der von Sauerland gewollte Kampf zwischen Huck und Klitschko bewegt sich damit in weite Ferne.

Weniger kontrovers, dafür umso erfolgreicher verliefen die Auftritte der anderen Sauerland-Jungs.

Für Dustin Dirks ging es gestern um seinen ersten Profititel. Im Kampf um den vakanten Intercontinental-Titel der WBA traf er auf den Brasilianer Cleiton Conceicao. In seinem bisher wichtigsten Kampf ging Dirks konzentriert zur Sache. Zum Ende der ersten Runde klingelte er den Brasilianer auch das erste Mal an. In der zweiten Runde machte er dort sofort weiter und brachte Conceicao zu Boden. Im weiteren Verlauf des Kampfes versuchte der Herausforderer aus Brasilien immer wieder zu klammern, was ihm Punktabzüge und zum Ende hin fast die Disqualifikation einbrachte. Der Kampf ging trotz allem über die volle Distanz und endete mit einem einstimmigen Punkturteil für Dustin Dirks.

Die Schwergewichtshoffnung aus dem Sauerland-Stall, Edmund Gerber, musste gegen Darnell Wilson ran. Eine klare Sache auf dem Papier wurde am Ende ein hartes Stück Arbeit für den jungen deutschen Boxer. Wilson hat von seinen 42 Kämpfen nur 24 für sich entscheiden können, hat aber unter anderem den Kubaner Gomez geschlagen. Zum Anfang des Kampfes fand dann auch der Berliner nicht so recht in den Kampf und wurde durch den Amerikaner angeklingelt. Der Weckruf für den gebürtigen Kasachen, der danach besser in den Kampf fand und am Ende einen verdienten einstimmigen Punktsieg einfuhr. Eine solide, aber nicht glanzvolle Leistung, die Lücken in der Deckung und Schwächen im Infight offenbarte.

Robert Woge hat eine schwierige Zeit hinter sich. Ein geplatztes Trommelfell im letzten Jahr und eine Gürtelrose in diesem Jahr zwangen ihn zu mehreren Pausen. Pausen, die der im besten Boxeralter befindliche Woge eigentlich nicht gebrauchen kann. Im Kampf gegen Serhiy Demchenko ging es auch darum, im Rhythmus zu bleiben. Woge wurde kurz vor dem Kampf von seinem Trainer Uli Wegner kritisiert, dass er zu wenige Kombinationen schlagen würde. Er versuchte diese These zu widerlegen. Woge zeigte, wie man es von ihm kennt, sehr harte Schläge, offenbarte aber auch immer Lücken in seiner Deckung, die der Ukrainer so gut es ging nutzte. Schnell öffnete sich beim Herausforderer Demchenko ein Cut am linken Auge, und auch die Schläge Woges verfehlten nicht ihre Wirkung. Demechenko verlor im Laufe des Kampfes drei Mal seinen Mundschutz, was ihm zwei Punktabzüge einbrachte. In Runde fünf hatte er Woge nichts mehr entgegenzusetzen. Dieser stellte ihn und beendete mit einer krachenden Rechten zum Kinn den ungleichen Kampf. Für Robert Woge ist dies ein kleiner Schritt in Richtung eines erhofften Titelkampfes.

Der Olympionike Enrico Kölling bestritt seinen zweiten Profi-Kampf. Sein Gegner dabei war der Russe Ivan Maslov. Für den Berliner Kölling war dies ein weiterer Aufbaukampf. Maslov hatte eine negative Bilanz. Kölling stellte seinen Gegner früh und konnte ihn immer wieder mit gezielten Schlägen an den Rand einer Niederlage bringen. Maslov bewies aber Nehmerfähigkeiten und schaffte es mit dem Viertelfinalisten der Spiele von London über die Punkte zu gehen. Hier gab es allerdings keine andere Wahl, als Kölling zum Sieger zu erklären.

David Graf durfte gestern seinen ersten 8-Runden-Kampf bestreiten. Sein Gegner war dabei Blanchard Kalambay, ein Mann, der schon mehrere junge Talente des Sauerland-Stalls Boxen durfte und gegen alle verlor. Seine Bilanz liest sich ähnlich. Nur drei Siege und zwei Unentschieden stehen auf seiner Habenseite. Graf legte gut los und brachte seinen Gegner in der ersten Runde sofort zu Boden. Da es ein Ausrutscher war, wurde allerdings nicht gezählt. In Runde zwei durfte der Ringrichter dann Kalambay das erste Mal anzählen. Weiter ging es mit einem überlegenen, aber nicht glänzenden Graf, der schlussendlich einen mühsamen Sieg via einstimmigem Punktrichterurteil einfuhr.

Den Abend eröffnen durfte der Berliner Tyron Zeuge. In seinem erst vierten Profi-Kampf traf der ehemalige Junioren-Europameister auf Matingu Kindele, der ebenso wie Zeuge seinen vierten Kampf bestritt. Zeuge, der eine gute Amateurausbildung genossen hat, schaffte es zu Beginn, den Kampf auf seine Seite zu ziehen. Mit guten Kombinationen sammelte er Punkte bei den Punktrichtern. Nach einem linken Körperhaken musste der Belgier Kindele angezählt werden, konnte sich allerdings wieder aufrappeln. Mit seiner linken Führhand dominierte Zeuge den Kampf und konnte den Belgier immer wieder schön stellen. Zu einem vorzeitigen Sieg reichte es aber nicht. Für Kindele die erste Niederlage. Zeuge musste das erste über die volle Distanz gehen. konnte dabei aber sein vorhandenes Talent nachweisen.

Folgend noch die gesammelten Ergebnisse der gestrigen Kampfnacht.

Marco Huck vs. Firat Arslan
3. November 2012
Gerry Weber Stadion in Halle/Westfalen

WBO Weltmeisterschaft im Cruisergewicht
Marco Huck bes. Firat Arslan nach Punkten (einstimmig)

Vorprogramm
Dustin Dirks bes. Cleiton Conceicao nach Punkten (einstimmig)
Edmund Gerber bes. Darnell Wilson nach Punkten (einstimmig)
Robert Woge bes. Serhiy Demchenko via K.o. in Runde 5
David Graf bes. Blanchard Kalambay nach Punkten (einstimmig)
Tyron Zeuge bes. Matingu Kindele nach Punkten (einstimmig)