Ergebnisse

Kurze Nacht für Klitschko und Solis

Nach knapp drei Minuten war alles vorbei, der Bericht zu Klitschko-Solis. Foto: Archiv.

Er war einer der vielversprechendsten Herausforderer, die Vitali Klitschko (42-2-0, 39 KO) seit seiner Rückkehr 2008 gegenüberstanden. Einer, der die technischen Voraussetzungen mitbrachte, den Champion zu entthronen. Ein junger Boxer mit einer grandiosen Amateurkarriere, der – die nötige Disziplin vorausgesetzt – das Ende einer Äre hätte einleiten können: Odlanier Solis (17-1-0, 12 KO). Doch nach nicht einmal drei Minuten war alles vorüber. Ein schneller KO, damit muss man bei den Klitschkos rechnen – doch so einfach war es diesmal nicht.

Solis schien gut in den Kampf zu kommen, nahm zwar einige der patentierten Klitschko-Führhände, fand aber ein ums andere Mal an den langen Armen des Weltmeisters vorbei und konnte am Mann linke und rechte Haken landen. Kaum ein Gegner machte in den vergangenen Jahren einen solchen Eindruck gegen Vitali Klitschko. Die Fans in der Halle und an den Fernsehschirmen waren dementsprechend gespannt.

Doch dann das Aus: Auf dem Weg in den In-Fight wird Solis von einem rechten Haken Klitschkos abgekontert. Kein „Volltreffer“, wie der später versicherte, aber dennoch ein Schlag an die Schläfe des Kubaners. Als Klitschko mit einer Führhand nachsetzten wollte, wich Solis zurück, verdrehte sich das Rechte Bein dabei und stürzte auf den Hosenboden. Sofort griff der Herausforderer sich unter Schmerzen an das rechte Knie, hatte sich offenbar verletzt. Zwar versuchte er, sich an den Ringseilen wieder nach oben zu ziehen, konnte sich jedoch kaum auf den Beinen halten. Ringrichter Jose Guadalupe Garcia zählte ihn regelkonform aus und winkte den Kampf anschließend ab. Das Publikum war enttäuscht, ein minutenlanges Pfeifkonzert die Folge. Gegner Klitschko war außer sich und stürmte, Beschuldigungen ausrufend, auf den angeschlagenen Solis zu. Sein Bruder Wladimir hielt ihn zurück. „Ich dachte er simuliert“, so Vitali Klitschko.

Erste Untersuchungen in der Uniklinik Köln bewiesen jedoch das Gegenteil. Diagnose: ein Riss des vorderen Kreuzbandes, einen Außenmeniskusriss und einen Knorpelschaden. Laut Arena-Pressesprecher Malte Müller-Michaelis wusste man dort schon vor dem Kampf von einem „Vorschaden“ am Knie – wollte das WM-Duell aber nicht gefährden.

Auf der Pressekonferenz nach dem Kampf flogen statt Fäusten dann schließlich Worte. Solis-Promotor Ahmet Öner und Klitschko-Manager Bernd Bönte warfen sich gegenseitig Beleidigungen an den Kopf und stritten darüber, ob die Knieverletzung von Solis oder der Schlag von Klitschko die Ursache des Kampfabbruchs war. Klitschko versicherte, dass es ihm für die Zuschauer „unglaublich leid“ tue.

Ob es einen Rückkampf zwischen den Beiden geben wird, ist fraglich. Solis steht nach Aussage von Öner vor einer Operation und längeren Pause, die Fronten zwischen Arena und dem Klitschko-Management sind zudem mehr als verhärtet. WBA-Champion David Haye ist damit der Einzige, der in diesem Jahr noch eine reelle Chance auf einen Titel der Klitschko-Brüder haben dürfte.

Klitschko vs. Solis
19. März 2011
Lanxess-Arena in Köln, Nordrhein-Westfalen


WBA Weltmeisterschaft im Schwergewicht

Vitali Klitschko bes. Odlanier Solis via KO in Runde 1 (2:59)

Vorkämpfe
Ola Afolabi bes. Lubos Suda via TKO in Runde 5 (Abbruch durch Ringarzt, Cut)
Nuri Seferi bes. Jozsef Nagy einstimmig nach Punkten
Stefan Worth bes. Ferenc Zold einstimmig nach Punkten
Michael Sprott bes. Serdar Uysal einstimmig nach Punkten
Hizni Altunkaya bes. Dirk Mandelartz via TKO in Runde 1