Ergebnisse

„King“ Khan mit knappem Sieg

Diese Körpertreffer Khans sah man zuwenig. Die hängende Linke dafür öfter. Foto via Amir Khans facebook

Amir Khan wollte es allen zeigen. Um die Zweifel an seinem Kinn auszuradieren, um zu beweisen, dass er nicht nur ein technisch versierter Boxer, sondern auch ein Fighter sein kann, wählte er für diese Titelverteidigung einen der gefährlichsten Puncher seiner Gewichtsklasse: Marcos Maidana.

Zu Beginn sah es so aus, als sei die überlegene Schnelligkeit Khans unmöglich für Maidana zu kompensieren. In der ersten beiden Runden wurde der Universum-Boxer förmlich deklassiert, musste in Runde eins sogar nach einem Leberhaken auf die Bretter. Khan war zu beweglich, mied die harten Schwinger seines Gegners und konterte ihn dafür blitzschnell mit Kombinationen aus vier und teilweise sogar sechs Händen ab.

Maidanas einzige Chance war es, Khan in einen Fight zu verwickeln, das wurde schnell klar. Dies gelang ihm ab Runde drei auch immer besser. Mehrere Male konnte er den Briten stellen und Kombinationen abfeuern. Zwar landeten die zunächst meist auf der Doppeldeckung, doch zwangen sie Khan in die Defensive. Maidana, mittlerweile mit einem Cut über dem rechten Auge, wurde immer aggressiver. In Durchgang fünf verhängte Ringrichter Joe Cortez einen Punktabzug, wegen einem absichtlichen Ellenbogen Maidanas, der jedoch nicht Khan traf – sondern Cortez selbst. Sollte diese Punktestrafe noch das Zünglein an der Wage werden?

Der Argentinier wurde nämlich immer besser. In Runde sieben, die bislang beste für Maidana, landete er unzählige harte Aufwärtshaken im Infight. Khan schien kein Mittel zu finden sie zu blocken. Auffällig auch, dass Khan seine linke Hand immer wieder sinken ließ und sich dafür ab und an eine rechte Overhand einfing.

Nachdem „King“ Khan die folgenden beiden Runden wieder problemlos kontrollieren konnte, wurde es im zehnten Durchgang plötzlich brandgefährlich. Eine der bereits erwähnten Overhands Maidanas schlug voll ein und klingelte den Briten gehörig an. Auf extrem wackeligen Beinen versuchte er im Kampf zu bleiben, während Maidana wie ein Berserker versuchte nachzusetzen. Trotz einiger harter Folgetreffer schaffte es Khan jedoch in die Pause. Auch zu Beginn der elften Runde wirkte er noch nicht wieder erholt und agierte zu defensiv. Der sichtlich erschöpfte Maidana machte Druck und setze nach Belieben seine Attacken. Statt Konter zu schlagen, vor allem zum Körper seines schwer atmenden Gegners, verschanzte sich Khan hinter der Doppeldeckung und bewegte sich ausschließlich rückwärts. Erst kurz vor Ende des Kampfes setzte er noch einmal ein paar Akzente und schlug einige schnelle Kombinationen – eigentlich zu wenig, um diese letzte Runde noch zu gewinnen.

Zwei von drei Punktrichtern sahen dies jedoch anders, gaben ihm die letzte Runde und werteten den Kampf somit 114-111 für Khan. Nur einer wertete 113-112 für den Briten, der mit diesem Fight zwar bewiesen hat, dass er gegen einen KO-Puncher wie Maidana bestehen kann, der aber auch gezeigt hat, dass es noch einige Lücken gibt, an denen er mit Trainerlegende Freddy Roach arbeiten muss.

Im Co-Hauptkampf des Abends trennten sich Victor Ortiz (28-2-2, 22 KO) und Lamont Peterson (28-1-1, 14 KO) nach einem knappen Fight unentschieden. In diesem Kampf zeigte sich deutlich, dass all der Hype, den man bisher um Ortiz - den neuen „Oscar De La Hoya“ - gemacht hat, vielleicht in der Luft verpuffen könnte. Peterson ist kein Fallobst, doch dies war nicht die erste mittelmäßige Vorstellung von Ortiz, für den der Weg nach ganz oben steinig werden wird, wenn er künftig nicht grundlegend anders auftritt.

Thunder & Lightning: Khan vs. Maidana
11. Dezember 2010
Mandalay Bay Events Center in Las Vegas, Nevada, USA


WBA Weltmeisterschaft im Halbweltergewicht
Amir Khan bes. Marcos Rene Maidana einstimmig nach Punkten (114-11, 114-11, 113-112)

Victor Ortiz vs. Lamont Peterson endete im Unentschieden

Vorkämpfe
Joan Guzman bes. Jason Davis via TKO in Runde 2
Seth Mitchell bes. Taurus Sykes via KO in Runde 5
Sharif Bogere bes. Christopher Fernandez einstimmig nach Punkten
Jesse Vargas bes. Ramon Montano einstimmig nach Punkten
Randy Caballero bes. Robert Guillen einstimmig nach Punkten
Alfonso Blanco bes. Gustavo Medina via TKO in Runde 3
Jamie Kavanagh bes. Jacob Thornton via TKO in Runde 1