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Keine Schlacht um Europas Krone

Dimitrenko bricht zusammen - Europameisterschaft fällt aus. Foto: Dimitrenko auf dem Weg ins Krankenhaus.

Sowohl in Deutschlandm, als auch international fanden an diesem Wochenende einige größere und erwähnenswerte Boxveranstaltungen statt. Während Universum in Schwerin mit einer weiteren Sport1-Card aufwarten konnte, gab es in den Vereinigten Staaten die PPV-Veranstaltung "In Harm's Way", mit Bantamgewichtstalent Nonito Donaire und Leichtgewichtsweltmeister Humberto Soto. In Mexiko stieg Publikumsliebling Saul Alvarez in den Ring.

Die Schlacht um Europas Krone

Universum wird vom Pech verfolgt. Die Schlacht um Europas Krone musste am gestrigen Abend leider ausfallen, Europameister Alexander Dimitrenko (30-1-0, KO 20) war kurz vor dem Kampf gegen Albert Sosnowski (46-3-1, KO 28) in der Kabine zusammengebrochen und konnte deshalb nicht in den Ring steigen.

„Ich war kurz nachdem er zusammengebrochen ist in der Kabine. Da lag er regungslos auf dem Boden“, so Universum-Chef Klaus-Peter Kohl. „Es deutet einiges auf eine Lebensmittelvergiftung hin, da er sehr verkrampft war. Er hat mehrfach gesagt, er will boxen, aber das kann man nicht zulassen.“

„Er lag mit sehr schwachem Blutdruck am Boden und hat hyperventiliert“, bestätigte Ringarzt Dr. Christoph Goetz. „Seine Hände waren stark verkrampft. Zwar stabilisierte sich sein Zustand, aber es stand außer Frage, dass er in den Ring steigen kann.“ Dimitrenko wurde anschließend zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht.

Der um seinen Titelkampf geprellte Sosnowski trugs im Übrigen mit Fassung: „Es tut mir sehr leid für Sascha. Die Gesundheit ist natürlich viel wichtiger als irgendein Kampf. Ich bin natürlich enttäuscht. […] Aber die Gesundheit des Boxers ist das wichtigste und ich hoffe, dass Sascha schnell wieder fit wird.“

Cruisergewicht Rachim Tschachkijew (8-0-0, 6 KO) und Gegner Lukas Rusiewicz (9-10-0, 2 KO) rückten somit zum Hauptkampf auf. Der Pole Rusiewicz stand vor einiger Zeit schon einmal gegen Tschachkijew im Ring, aber verlor damals deutlich nach Punkten. Er ist bislang der einzige Boxer, der es gegen Tschachkijew über die Zeit schaffte – auch in diesem Rückkampf gelang es ihm. Tschachkijew dominierte dabei aber alle acht Runden und siegte letztendlich mit 80-72, 80-72, 80-72.

Manuel Charr (16-0-0, 8 KO) setzte sich gegen Amerikaner Zack Page (21-32-2, 7 KO) nach Punkten durch (78-75, 76-76 und 78-74). Universum versucht, Charr als ernsthaften Titelherausforderer aufzubauen. Mit so einer Leistung wird das jedoch nichts. Charr machte aus deiner Größe nichts, verbrachte viel Zeit im Infight und musste auch selbst einige Aufwärtshaken durch die Deckung nehmen. Einen Gegner wie Page muss man als ambitioniertes Schwergewicht deutlicher besiegen.

In einem einseitigen Gefecht siegte Kubaner Juan Carlos Gomez (49-2-0, KO 37) vorzeitig via TKO in Runde vier. Auch er hatte mit Harold Sconier (17-22-2, 11 KO) ebenfalls nur Fallobst vor den Fäusten, im Gegensatz zu Charr konnte er aber einen Sieg mit Ausrufezeichen einfahren.

Der Hallenser 8M-Boxer Eduard Trojanovskij (9-0-0, KO 6) konnte sich in seinem erst neunten Profikampf den WBO Europameistertitel im Leichtgewicht von Matt Zegan (42-6-2, KO 21) schnappen. Der Boxer von der Saale konnte dem völlig überforderten Polen von Beginn an mit harten Treffern zusetzen, bis dessen Ecke im dritten Durchgang schließlich das Handtuch warf.

Im Opener des Abends unterlag Militärweltmeister Christian Hammer (7-3-0, 4 KO) seinem Gegner Taras Bidenko (27-4-0, 12 KO) mit 58-56, 57-57 und 58-56 knapp nach Punkten.

Die Schlacht um Europas Krone
04. Dezember 2010
Sport and Congress Center in Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern


EBU Europameisterschaft im Schwergewicht
Alexander Dimitrenko vs. Albert Sosnowski ist ausgefallen

Manuel Charr bes. Zack Page einstimmig nach Punkten (78-75, 76-76 und 78-74)
Rakhim Tschachkijew bes. Lukasz Rusiewicz einstimmig nach Punkten (80-72, 80-72, 80-72)

Vorkämpfe
Juan Carlos Gomez bes. Harold Sconiers via KO in Rd. 4

WBO Europmeisterschaft im Leichtgewicht
Matt Zegan bes. Eduard Trojanovskij

Christian Hammer vs. Taras Bidenko

Humberto Soto vs. Urbano Antillon

Was für eine Schlacht. Soto (54-7-2, 32 KO) und Antillon (28-2-0, 20 KO) verschwendeten nicht viel Zeit mit Abtasten und gingen von der ersten Sekunde an aufeinander los.

Antillon war einer der härtesten Gegner, mit denen Soto in letzter Zeit im Ring stand. Er marschierte pausenlos vorwärts und kassierte einen Aufwärtshaken Sotos nach dem anderen – teilte aber selbst auch einiges aus. Viele linke Haken Antillons saßen, beide Boxer mussten eine Menge einstecken.

Auch wenn der Fight stellenweise etwas schmutzig geführt wurde, mit Ellenbogen, Kopfstößen, Tiefschlägen und sogar Würfen, war er dennoch von Anfang bis Ende sehenswert. Soto war letztendlich technisch einfach eine Stufe zu hoch für Kämpferherz Antillon, der auch mit der Schnelligkeit des Leichtgewichtschampions nicht mithalten konnte. Soto siegte so einstimmig und verdient nach Punkten, die offizielle Wertung war: 115-112, 114-113 und 114-113.

Nonito Donaire vs. Wladimir Sidorenko

Donaire (25-1-0, 17 KO) landete recht früh in der ersten Runde einen krachenden linken Haken, der Sidorenko (22-2-2, 7 KO) gehörig anklingelte. Er konnte den Ukrainer zwar nicht finishen, doch der war völlig aus dem Konzept gebracht und schien ums blanke überleben zu kämpfen. Donaire überpacte nicht, sondern suchte sich seine Lücken. Kurz vor Schluss der ersten Runde fand er sie auch und schickte seinen Gegner mit einer Kombination aus linkem Haken und rechter Overhand erneut zu Boden. Sidorenko hatte Glück, dass ihn Referee Marcos Rosales nach dem Anzählen nicht aus dem Kampf nahm, denn er stand auf sehr wackeligen Beinen. Die Rundenglocke rettete Sidorenko anschließend.

Im zweiten Durchgang bewahrte Donaire weiterhin die Ruhe und nahm seinen Gegner Stück für Stück auseinander. In der Dritten musste Sidorenko nach einem linken Konterhaken erneut auf die Bretter und nach einem linken Haken und einer rechten Geraden noch einmal in der Vierten, woraufhin der Ringrichter den Kampf abwinkte.

Der Kampf verlief noch viel einseitiger als Gedacht. Sidorenko konnte in keiner Form irgendeine Offensive aufbauen und befand sich im Grunde von Beginn an im Notprogramm. Es wird sich zeigen, ob der Fernando Montiel-Fight im Februar nun stattfindet oder nicht, und, falls ja, wie der ultra-talentierte Donaire sich gegen einen Gegner dieses Kalibers schlagen wird.

In den Vorkämpfen konnte Pawel Wolak (28-1, 18 KO), der ursprünglich als Ersatz für Alfonso Gomez gegen Julio Cesar Chavez Jr. den Hauptkampf bestreiten sollte, seinen Kampf gegen Jose Pinzon via TKO vorzeitig in Runde sieben beenden. Nachdem er im zweiten Durchgang hart erwischt wurde und zu Boden musste, wurde Wolak offenbar wach und dominierte von da ab den Kampf in einem Höllentempo. Pinzon (18-2-1, 12 KO) war schlicht überwältigt von dem Druck, der ihm dort entgegenkam und lief in Runde sieben in eine rechte Gerade, die ihn – stehend KO – in die Arme seines Gegners fallen ließ. Der Ringrichter winkte den Kampf daraufhin ab.

In Harm's Way
04. Dezember 2010
Honda Center in Anaheim, Kalifornien, USA


WBC Weltmeistertitel im Leichtgewicht
Humberto Soto bes. Urbano Antillon einstimmig nach Punkten (115-112, 114-113, 114-113)

WBC Kontinentalamerikameisterschaft im Bantamgewicht
Nonito Donaire bes. Wladimir Sidorenko via TKO nach 1:49 in Rd. 4.

Vorkämpfe
Miguel Angel Garcia bes. Olivier Lontchi via KO in Rd. 5
Pawel Wolak bes. Jose Pinzon via TKO in Rd. 7
Rodrigo Garcia bes. Rodrigo Villarreal via TKO in RD. 4
Joe Hanks bes. Villi Bloomfield via TKO in Rd. 4
Andy Ruiz Jr. bes. Francisco Diaz via KO in Rd. 2
Jessie Roman bes. Johnny Frazier einstimmig nach Punkten
Gabino Saenz bes. Jesse Adame via TKO in Rd. 1

Saul Alvarez vs. Lovemore N'dou

Alvarez (35-0-1, 26 KO) konnte sich hier recht problemlos gegen N'dou (48-12-2, 31 KO) durchsetzen. Den von uns prophezeiten Knockout gab es zwar nicht, dafür einen eindeutigen Punktentscheid. Die offiziellen Punkte für Alvarez waren: 119-109, 120-108 und 120-108.

N'dou hielt den kompletten Kampf über gut mit, brachte aber Offensiv zu wenig, um Alvatez gefährlich werden zu können, der technisch einfach auf einer anderen Stufe boxte. N'dou rettete sich über die Distanz und zeigte gute Defensivarbeit, was den Fans von „Canelo“ Alvarez sicher nicht sonderlich gefiel. Die gewohnt actiongeladene Vorstellung des Mexikaners blieb deshalb nämlich aus. Dennoch wurde es ein dominanter Punktsieg und eine weitere Station im  unaufhaltsamen Aufstieg von Saul Alvarez.

In einem Vorkampf konnte sich Daniel Ponce de Leon (41-2, 34 KO) via TKO in der siebenten Runde gegen Sergio Medina (35-4-0, 20 KO) durchsetzen. Harte Körpertreffer setzten dem Fight ein vorzeitiges Ende.

HBO Latino
04. Dezember 2010
Estadio Beto Avila in Veracruz, Veracruz, Mexiko


WBC Silbertitel im Halbmittelgewicht
Saul Alvarez bes. Lovemore N'dou einstmmig nach Punkten (119-109, 120-108, 120-108)

Daniel Ponce de Leon bes. Sergio Manuel Medina via TKO in Rd. 7
Victor Terrazas vs.Filomeno Jaramillo via TKO in Rd. 7