Ergebnisse

Huck verliert nach Punkten, Povetkin bleibt Champion

Auf den Spuren Max Schmelings wollte er wandeln, letztlich reichte es für Marco Huck jedoch nicht ganz zum Gewinn des Schwergewichtstitels. Er unterlag Titelträger Alexander Povetkin mehrheitlich nach Punkten und schrammte somit haarscharf daran vorbei, seinen Traum zu verwirklichen.

Nachdem Povetkin (24-0-0, 16 KO) zu Beginn des Kampfes noch mit schnellen Händen und Kombinationen glänzen konnte und Huck (34-2-0, 25 KO) förmlich zu deklassieren schien, geriet er im vierten Durchgang plötzlich in einen Schlaghagel Hucks und stand kurz vor dem Knockout.

Von diesen Treffern hatte sich der Russe nie wieder erholt. Er boxte von da ab verhaltener und zeigte im Kampfverlauf desaströse konditionelle Schwächen. In Runde acht hatte Huck ihn erneut am Seil und nur fingerbreit vor dem KO. Der Cruisergewichtsweltmeister holte Runde um Runde auf. Zwar war er technisch noch immer sehr krude, aber landete wichtige Treffer. Und vor denen hatte Povetkin offenbar gehörigen Respekt. Gegen Ende kam er fast ausschließlich mit tief gesenktem Kopf in den Mann, eine Ermahnung erhielt er dafür allerdings nicht. Dementsprechend schwer fiel es Huck, der sowieso nicht zu den akkuratesten Punchern gehört, genaue Treffer zu landen.

Einen vorzeitigen Sieg konnte er so nicht einfahren und nach 12 Runden hatten deshalb die Punktrichter zu entscheiden. Von denen hatte einer den Kampf mit 114-114 unentschieden. Die beiden anderen sahen Povetkin mit 116-113 bzw. 116-112 überraschend deutlich vorn. Huck war entsprechend enttäuscht und konnte das Urteil nicht nachvollziehen:

„Ehrlich gesagt nein [...] der arme Kerl kann nicht mehr stehen und wird hier zum Champion erklärt“, so Huck. „Ich glaube, viele die den Kampf gesehen haben, haben mich als Gewinner gesehen.“

EU-Meisterschaft: Dominik Britsch vs. Roberto Santos
2012 ist das Jahr, in dem Dominik Britsch (26-0-0, 9 KO) endlich um die großen Titel boxen möchte. Einen ersten Schritt in dieser Richtung kann der vakante EU-Gürtel bedeuten, der am Samstag gegen den Spanier Roberto Santos (17-6-1, 9 KO) auf dem Spiel stand.

Britsch begann das Duell souverän und kontrollierte das Geschehen wie immer aus der Distanz. Im Laufe der Zeit schien er jedoch ein wenig zu sicher zu werden, machte plötzlich zu wenig und agierte lustlos. Immer und immer wieder ließ sich der Lieblingsschüler Ulli Wegners zudem in den Infight ziehen, wo nicht eben seine Stärke liegt. Gegen Ende des Kampfes öffnete sich ein Cut über Britschs rechtem Auge.

In den letzten Runden schien ihn das ins Auge laufende Blut stark zu behindern. Santos nahm das Heft zusehends in die Hand und konnte Britsch im zwölften und letzten Durchgang mit Kombinationen in Serie eindecken. Auch das Stutzen von Britschs Haarpracht in den Rundenpausen änderte am Kampfverlauf nichts mehr und so entschieden die Punktrichter nach 12 Runden auf ein vertretbares Unentschieden. Nicht vertretbar war allerdings die Einzelwertung von 117-112 für Britsch, die von den beiden übrigen Wertungen (115-113 für Santos und 114-114) signifikant abwich.

Für den enttäuschten Britsch heißt es damit nun erst einmal, etwas kleinere Brötchen backen. Mit einer unkonzentrierten Leistung, wie in der Schlussphase des Kampfes, müssen die „großen“ Titel wohl noch warten.

Vorprogramm
In seinem ersten Kampf unter der Sauerland-Flagge konnte „Gold“ Jack Culcay (11-0-0, 7 KO) einen vorzeitigen Sieg einfahren. Nachdem er Salvatore Annunziata (15-5-4, 3 KO) sechs Runden lang dominiert, und mit deutlich schnelleren Händen vor sich hergetrieben hatte, machte der 26-Jährige den Sack in Runde sieben zu. Eine knappe Minute vor Rundenende schickte er den Italiener auf die Bretter. Der stand zwar sofort wieder, doch Culcay hatte nun Blut geleckt und wollte das Finish. Mit einer Serie von Schlägen setzte er nach, stellte Annunziata am Seil und verpasste ihm einen erneuten Knockdown, der Ringrichter Ingo Barrabas veranlasste, den Kampf nach 2:38 Minuten abzuwinken.

„Elfter Kampf, elfter Sieg. Vielen Dank auch an das Publikum. Mein Gegner war sehr erfahren, das hat es mir nicht leicht gemacht“, erklärte Culcay im Anschluss. So recht glauben mag man ihm nach dieser dominanten Vorstellung nicht.

Schwergewicht Edmund Gerber (19-0-0, 13 KO) hatte zunächst leichte Schwierigkeiten mit dem deutlich größeren Ukrainer Oleksiy Mazikin (17-7-2, 4 KO), ihm fehlte die richtige Distanz. Ab der fünften Runde schien er die aber gefunden zu haben und konnte vor allem schöne Körpertreffer landen. Ein solcher beendete schließlich auch den Kampf. Nach einem harten rechten Haken auf die Rippen war Mazikin sichtlich angeschlagen und musste sich in der Pause, auf dem Weg in seine Ecke, hinknien. Seine Betreuer gaben daraufhin auf und Ringrichter Barrabas winkte den Kampf ab.

"Ich habe gedacht, dass es ein schwerer Kampf wird“, so Gerber im Anschluss. „Ich habe gewonnen, das ist das wichtigste. Ich habe mir ihn angesehen vorher. Ich habe immer auf den Bauch geschlagen. Ich war heute ganz gut."

Österreichs Box-Export Marcos Nader (15-0-0, 2 KO) traf  im zweiten Kampf des Abends auf den früheren Kickbox-Weltmeister Baker Barakat (36-12-4, 24 KO). Der arbeitete wie gewohnt unorthodox und blieb mit Kontern gefährlich, musste aber den Großteil der Treffer nehmen, die der technisch versiertere Nader vor allem mit seiner schnellen Führhand setzen konnte.

Am technischen Vermögen Naders bestand noch nie ein Zweifel, einzig seine Schlagkraft war bislang Gegenstand der Kritik. Doch auch daran schien der in Zypern geborene Mittelgewichtler gearbeitet zu haben, konnte er Barakat doch immer mal wieder gut anklingeln. Zum vorzeitigen Sieg reichte es dennoch wieder nicht, dafür siegte Nader mit 99:90, 100:90 und 100:90 eindeutig auf allen drei Punktzetteln. Ein EM-Kampf dürfte damit für Nader in greifbare Nähe gerückt sein.

Der Hallenser Robert Woge (7-0-0, 6 KO) eröffnete den Abend mit einem TKO-Sieg über Roberto Cocco (10-9-1, 5 KO). Woge tat sich zunächst ein wenig schwer mit dem Italiener, konnte ihn im siebenten Durchgang aber schließlich doch zu Boden schicken. Zwar war Cocco wieder auf den Beinen, noch bevor Ringrichter Jörg Milke bis acht gezählt hatte, wurde aber dennoch aus dem Kampf genommen.

Alexander Povetkin vs. Marco Huck
25. Februar 2012
Porsche Arena in Stuttgart, Baden-Württemberg

WBA Weltmeisterschaft im Schwergewicht
Alexander Povetkin bes. Marco Huck mehrheitlich nach Punkten (114-114, 116-113, 116-112)

EU Meisterschaft im Mittelgewicht
Dominik Britsch vs. Roberto Santos endete im Unentschieden (11-114, 113-115, 117-112)

Vorprogramm
Jack Culcay bes. Salvatore Annunziata via TKO nach 2:38 in Rd. 7
Edmund Gerber bes. Oleksiy Mazikin via RTD nah 3:00 in Rd. 5
Marcos Nader bes. Baker Barakat einstimmig nach Punkten (99:90, 100:90, 100:90)
Robert Woge bes. Roberto Cocco via TKO nach 2:07 in Rd. 7