Ergebnisse

Huck und Stieglitz verteidigen ihren Titel

Unentschieden: Marco Huck (r.) und Ola Afolabi. (Foto: Photo Wende)

Am Samstagabend standen beim Sauerland-Kampfabend in Erfurt gleich drei größere Titel zur Disposition. Während Robert Stieglitz seinen WM-Gürtel der WBO in einem einseitigen Kampf verteidigen konnte, musste der Käpitän Marco Huck deutlich mehr zittern. Ein Unentschieden in einem sehr engen Rückkampf sicherte ihm den Erhalt seines Titel. Die große Überraschung gab es im Schwergewicht: Alexander Dimitrenko musste seinen EM-Titel an Kubrat Pulev abgeben.

Huck behält den Titel

Zum langerwarteten Rückkampf kam es zwischen Marco Huck und Ola Alofabi. Der erste Kampf der beiden ging im Jahr 2009 knapp an den Deutschen. Für Huck war es am Samstag die Rückkehr aus dem Schwergewicht. Vor zehn Wochen verlor er knapp gegen Alexander Povetkin, bewies aber, dass er, ähnlich wie Tomasz Adamek oder David Haye, Chancen hat, auch in der Königsklasse mitzuhalten.

Der Kampf gegen Afolabi begann verhalten. Schnell fanden beide Kämpfer allerdings ihren Rhythmus und lieferten sich ein Gefecht auf Augenhöhe. Nach den ersten drei Runden war Alofabi der aktivere Kämpfer und Huck war der Mann mit den besseren Treffern.

Alofabi übernahm daraufhin mit seinem Jab den Kampf und lag zur Halbzeit auf den Punktezetteln vorne. Huck sorgte immer wieder mit Einzelaktionen für kurzen Jubel bei den 6.000 Zuschauern in Erfurt. Zu Beginn der siebten Runde öffnete sich bei Huck ein Cut, entstanden durch einen Kopfstoß.

Huck bekam danach konditionelle Probleme und versuchte, mit seinem Kämpferherz die drohende Punktniederlage abzuwenden. Durch das hohe Tempo bekam auch der Brite kaum noch Luft. Beide Kontrahenten versuchten nochmal, den Kampf für sich zu entscheiden, und teilten schwer aus, doch beide blieben stehen. So ging der Kampf an die Punktrichter, die ihn 114-114, 114-114 und 115-113 für Huck werteten. Durch das Unentschieden behält Huck seinen WBO-Titel im Cruisergewicht und kann nun schauen wo seine weitere Karriere hinführt.

Die Punktrichterentscheidung war knapp aber vertretbar. Allerdings hätte sich die Ecke von Huck auch nicht über eine knappe Niederlage beschweren dürfen.

Überraschung im EM-Kampf

Alexander Dimitrenko galt mit seinen 29 Jahren als eine der größten Hoffnungen für die Nach-Klitschko-Zeit. Am gestrigen Abend wurde hinter diese Vorschusslorbeeren ein großes Fragezeichen gesetzt. Kubrat Pulev galt als Amateur-Europameister und bisher ungeschlagener Kämpfer zwar nicht als No-Name, ein Sieg galt allerdings als unwahrscheinlich. Mit seinem TKO-Sieg in Runde 11 versetzte er nun die Zuschauer in Staunen.

Ungewöhnlich für Pulev, setzte der Bulgare schon am Anfang erste Akzente. Dimitrenko hielt dagegen und konnte den Kampf zum Anfang relativ ausgeglichen gestalten. Zu Beginn der dritten Runde ging Dimitrenko das erste Mal zu Boden, wurde allerdings nicht angezählt, da es sich um einen Schieber von Pulev handelte. Kurze Zeit später schlug Dimitrenko auf den Hinterkopf von Pulev, beide Kämpfer erhielten hierfür Ermahnungen.

Zu diesem Zeitpunkt war Dimitrenko der stärkere Mann, der seinen Kampf mit der Führhand diktierte. Zum Ende der fünften Runde merkte man beiden Kämpfern schon die körperliche Erschöpfung an. Zur Halbzeit führt Dimitrenko den Kampf an und konnte auch in den nächsten Runden die Punktrichter für sich gewinnen.

Ab Runde neun übernahm der Bulgare langsam den Kampf. Dimitrenko musste seinem schlechten Konditionszustand Tribut zahlen und verlor am Ende nach einem Jab in Runde elf.

Glanzloser Sieg für Stieglitz

Im WM-Kampf der WBO im Supermittelgewicht kam es zum Duell zwischen dem amtierenden Champion Robert Stieglitz und dem Australier Nader Hamdan. Dieser war eigentlich nur Ersatz, nachdem sowohl Mikkel Kessler als auch George Groves ihre geplanten Kämpfe gegen den Deutschen verletzungsbedingt absagen mussten.

Nader Hamdan hatte vor diesem Kampf nur einen Sieg aus seinen letzten fünf Duellen generieren können. Außerdem war der Australier acht Jahre älter als der Deutsche. Keine große Herausforderung also auf dem Papier und so verlief der Kampf auch. Hamdan konnte zu Beginn zwar einige Aktionen bringen, die Stieglitz aber seinerseits durch sein hohes Tempo egalisieren konnte. Ab Runde drei wurde das Tempo einfach zu hoch für den 38-jährigen Australier. Stieglitz übernahm den Kampf in Gänze und deckte seinen Gegner mit Schlägen zu, die einen Cut öffneten und das Gesicht böse anschwellen ließen.

Die restlichen Runden waren ein Sinnbild dessen. Stieglitz trieb seinen Gegner vor sich her und ein total überforderter Hamdan konnte seine Deckung kaum noch halten. Das einzige, was Stieglitz nicht gelang, war ein KO und so ging der Kampf an die Punktrichter, die ihn 117-111, 117-111 und 120-108 für den alten und neuen WBO-Weltmeister im Supermittelgewicht Robert Stieglitz werteten.

Erfolgreiche Aufbaukämpfe der Jugend

In den Vorkämpfen mussten die Talente des Sauerland Teams ihre Klasse zeigen. Den Anfang durfte hierbei der Berliner Tyron Zeuge machen. In seinem zweiten Profi-Kampf durfte er durch KO in Runde drei seinen zweiten Sieg feiern.

Danach durfte Robert Woge ran. In seinen bisher neun Kämpfen ungeschlagen, wollte er die ersten zehn voll machen. Auch er übernahm schnell den Kampf und siegte, genauso wie sein Stallkollege, via KO in Runde drei.

Den dritten Kampf des Abends durfte David Graf bestreiten. Auch für ihn ging es darum, seine Siegesserie weiter aufzubauen und Erfahrung zu sammeln. Mit gezielten Leberhaken setzte er seinem Gegner schwer zu und konnte den Sack in Runde vier zumachen. Der siebte Sieg im siebten Kampf für Graf.

Der ehemalige Europameister Thomas Ullrich durfte danach nochmal sein Können zeigen. Im Duell mit Dustin Dirks kam es zum Generationswechsel im Halbschwergewicht. Zu Beginn konnte Ullrich noch gut mithalten, musste zu Beginn der vierten Runde allerdings das erste Mal zu Boden und kam auch nicht mehr hoch, so dass Dirks seinen bisher größten Sieg feiern konnte.

Den letzten Kampf vor dem Hauptprogramm bestritten Edmund Gerber und Maurice Harris. Für Gerber ein guter Prüfstein, der gebürtige Kasache war bis dahin noch ungeschlagen. Gerber übernahm den Kampf schnell und sammelte Punkte auf den Zetteln der Richter. Nachdem auch Harris ab der vierten Runde besser in den Kampf gekommen war, öffnete sich bei Gerber zur sechsten Runde ein Cut. Er war trotz allem der aktivere Kämpfer gewesen, konnte aber keinen KO erzielen. Die Punktrichter mussten entscheiden und werteten den Kampf 79-73, 79-73 und 78-74 für den verdienten Sieger Edmund Gerber.

Anbei die gesamten Ergebnisse aus Erfurt im Überblick:

Huck vs. Afolabi II
05. Mai 2012
Messehalle, Erfurt, Thüringen

WBO Weltmeisterschaft im Cruisergewicht
Marco Huck vs. Ola Afolabi endet im mehrheitlichen Unentschieden (114-114, 114-114, 115-113)

EBU Europameisterschaft im Schwergewicht
Kubrat Pulev bes. Alexander Dimitrenko via KO in Rd. 11   

WBO Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht
Robert Stieglitz bes. Nader Hamdan einstimmig nach Punkten (117-111, 117-111, 120-108)   

Vorprogramm
Edmund Gerber bes. Maurice Harris einstimmig nach Punkten   
Dustin Dirks bes. Thomas Ulrich via KO in Rd. 4   
Robert Woge bes. Ferenc Hafner via TKO in Rd. 3
David Graf bes. Attila Palko via KO in Rd. 4   
Tyron Zeuge bes. Santo Drago via KO in Rd. 3