Ergebnisse

Hernandez gewinnt Rückkampf

Nach wie vor Champion: Yoan Pablo Hernandez (Foto: Sauerland Event)

Wer ist der beste Cruisergewichtler der Welt? Diese Frage konnte nach dem ersten Kampf zwischen Yoan Pablo Hernandez (26-1-0, 13 KO) und Steve Cunningham (24-4-0, 12 KO) nicht abschließend beantwortet werden. Viel wurde geredet, nach dem unglücklichen Kampfende im Oktober. Dementsprechend heiß wurde nun der Rückkampf der beiden erwartet – und verlief letztlich nach einem ähnlichen Muster wie der erste.

Wieder musste Cuningham nach einem knackigen linken Konterhaken von Hernandez auf die Bretter, dieses Mal nur in Runde vier, nicht bereits im ersten Durchgang. Und wieder schaffte er es gerade noch auf die Beine, die rettende Rundenpause war im Gegensatz zum ersten Fight allerdings noch weit entfernt. Nach einem Folgetreffer musste der 35-jährige Amerikaner erneut zu Boden. Der Kampf wurde dennoch nicht gestoppt, Cunningham kam erneut auf die Beine und rettete sich schließlich doch in die Pause.

Im Oktober konnte Cunningham nach dem überstandenen Niederschlag auftrumpfen und auch am Samstag gelang ihm dieses Kunststück. Die Runden fünf, sechs und sieben bestimmte er, konnte den Champion einige Male hart Treffer und sogar sichtbar anklingeln. Wieder offenbarte sich, dass Kondition vermutlich die größte Schwäche von Hernandez ist, er gab das Heft aus der Hand, weil er schlicht zu wenig getan hat.

Gegen Ende wurde der Kubaner aber endlich wieder wach und gab noch einmal Vollgas. In Runde zwölf hatte er Cunningham erneut nah am KO, der Kampf ging aber schließlich doch über die Zeit.

Am Punktsieg des Champions bestand kein Zweifel, die offiziellen Wertungen lauteten: 116-110, 116-110, 115-111. Damit konnte Hernandez seinen IBF-Gürtel verteidigen und sich gleichzeitig den viel beachteten Titel des The Ring-Magazins sichern – eine Trophäe die aufgrund der Flut an Verbänden und Gürteln seit Jahren als einzig wahre WM-Auszeichnung gilt.

Im Co-Hauptkampf des Abends konnte sich der Wahlhamburger Alexander Alexeev (23-2-0, 20 KO) mit einer beeindruckend dominanten Leistung den vakanten Cruisergewichtsgürtel der WBU sichern. Der 32-jährige ehemalige WM-Herausforderer Enad Licina (21-4-0, 11 KO) wurde über 12 Runden geradezu auseinandergenommen. Scheinbar mühelos konnte der Russe den Frankfurter Serben kontrollieren und aus der Halb- und Nahdistanz eindecken.

Ab und an feuerte Licina seinerseits vereinzelte Hände ab, landete aber nichts Nennenswertes. Schon nach den ersten Runden wirkte er gebrochen und schien zu resignieren, sich nur noch über die Zeit quälen zu wollen. Alexeev gelang das Finish zwar nicht, doch sein Punktsieg stand außer Frage. Entsprechend deutlich werteten die Punktrichter den Kampf mit für ihn: 118-110, 116-112 und 118-112.

Ob und wie es nun mit Enad Licina weitergehen wird, ist fraglich. "Hier im Ring bin ich noch voller Emotionen, es ist schwer, da eine Entscheidung zu treffen", erklärte Licina nach dem Kampf. "ich bin noch in keinem Kampf KO gegangen, sondern habe es immer über die 12 Runden geschafft."

So dominiert wie Samstag hatte ihn allerdings nicht einmal Steve Cunningham, den er im vergangenen Jahr um seinen WM-Titel herausgefordert hatte. Ob er nach dieser Niederlage im Sauerland-Lager bleiben darf, wird man sehen müssen.

Alexeev andererseits, könnte nach zwei oder drei Titelverteidigungen eine interessante Rolle in den Top fünf des Cruisergewichts spielen und hat sich mit dieser Vorstellung definitiv für einen WM-Kampf empfohlen.

Im ersten Titelkampf des Abends konnte EBU-Champion Eduard Gutknecht  (23-1-0, 9 KO) seinen Europameistertitel recht knapp gegen den Ukrainer Vyacheslav Uzelkov (25-2-0, 16 KO) verteidigen. Er siegte mit 115-114, 116-112 und 117-111 einstimmig nach Punkten. Gutknecht begann stark, bestimmte das Tempo und gab eine recht hohe Schlagzahl vor. Uzelkov wirkte davon ein wenig überrumpelt und benötigte ein Weile, um sich an den stürmenden Gifhorner zu gewöhnen. Die ersten Runden verbrachte er hinter der eigenen Doppeldeckung, im Laufe des Kampfes fand er aber immer besser seinen Rhythmus und entpuppte sich als schweres Puzzle für den Champion.

Der musste immer wieder Konter seines etwas ungestüm, aber dafür hart punchenden Herausforderers einstecken und wirkte in der zweiten Kampfhälfte ein wenig überfordert. Spätestens nach einer starken Schlussphase, in den letzten beiden Runden, war an seinem Punktsieg aber nicht mehr zu rütteln.

Der Kanadier Troy Ross (24-2-0, 16 KO) ist derzeit die Nummer drei im Cruisergewicht der IBF und hat einen Titelkampf gegen Yoan Pablo Hernandez praktisch schon sicher. Damit das auch so bleibt, hat man ihm mit Lukasz Rusiewicz (10-11-0, 3 KO) keinen allzu gefährlichen Gegner hingestellt. Der 30-jährige Pole sollte als ein Tune-Up für Ross fungieren, der zuvor immerhin seit fast einem Halben Jahr nicht mehr im Ring stand. Der Ringrost war ihm deutlich anzusehen, er tat sich schwer gegen Rusiewicz, wirkte steif, unkreativ und ungenau. Letztlich war er aber der aktivere Mann und strich so den Punktsieg ein (80-72, 80-72, 79-74), um gegen Hernandez mithalten zu können, muss der 36-Jährige aber noch eine gehörige Schippe drauflegen.

Den Kampfabend in Frankfurt eröffnete der 23-jährige Schwabe David Graf (6-0-0, 5 KO) mit einem einstimmigen Punktsieg über den Briten Paul Morris (4-6-2, 2 KO). Nachdem Graf zunächst etwas verhalten begonnen hatte, konnte er die zweite Hälfte klar dominieren. Dennoch reichte es für das Sauerland Cruisergewicht zum ersten Mal in seiner Karriere nicht zu einem vorzeitigen Sieg.

Yoan Pablo Hernandez vs. Steve Cunningham II
04. Februar 2012
Fraport Arena in Frankfurt, Hessen

IBF Weltmeisterschaft im Cruisergewicht
Yoan Pablo Hernandez bes. Steve Cunningham einstimmig nach Punkten (116-110, 116-110, 115-111)

EBU Europameisterschaft im Cruisergewicht
Alexander Alexeev bes. Enad Licina einstimmig nach Punkten (118-110, 116-112, 118-112)

EBU Europameisterschaft im Halbschwergewicht
Eduard Gutknecht bes. Vyacheslav Uzelkov  einstimmig nach Punkten (115-114, 116-112, 117-111)

Vorprogramm
Troy Ross bes. Lukasz Rusiewicz einstimmig nach Punkten (80-72, 80-72, 79-74)
David Graf bes. Paul Morris einstimmig nach Punkten