Ergebnisse

GMC 1: Ein Debüt nach Maß

Bis noch wenige Tage vor dem Event wussten viele nicht, was sie von den MMA-Veranstalter-Neulingen Özhan Altintas und Deniz Haciabdurrahmanoglu zu erwarten hatten. Hatte man mit einer solch imposanten Fightcard nicht zu dick aufgetragen, und welches Ausmaß würden die Kinderkrankheiten der GMC 1 annehmen?

Um 23:25 Uhr, wenige Minuten nach dem letzten von insgesamt 15 Kämpfen, wurde selbst dem größten Zweifler klar: Das war ein Einstand nach Maß! Ein straffer Ablauf, eine saubere Organisation, hochklassige Kämpfe mit genügend Starpower, sehr gutes Matchmaking - keine Missmatches und nur ein Kampf ging über die volle Distanz -, top vorbereitete und entschlossen handelnde Ringrichter mit dem Berliner Frank Burczynski und dem Gelsenkirchener Stefan Diete und einem MC, der sich selbst nicht zu ernst nahm und mit Wortwitz und Stimmgewalt durch den Abend führte.

Ein sehr positives Detail der Show – wenn man eine riesige Leinwand denn überhaupt ein Detail schimpfen kann – waren die einminütigen Intros für manche Kämpfer, die speziell dem Hauptkampf einen sehr pompösen, aber immer noch extrem passenden und würdigen Rahmen lieferten. GMC 1 in Herne ist ohne Zweifel eins der absoluten Highlights des ersten Halbjahrs 2010 in MMA-Deutschland.

Gut 900 fachkundige Zuschauer füllten den Harmoniesaal komplett und waren Zeugen der Geburt der GMC: Eine Geburt ohne Komplikationen und ein Kind, das von Kinderkrankheiten weitestgehend verschont blieb. Nun aber zum sportlichen Teil des Abends:

Die Amateurkämpfe:

Daniel Weichel-Schüler Saygin Karamüftüoglu setzte sich nach geschickter Positionsarbeit am Boden mit einem Armbar nach zweieinhalb Minuten gegen den Dortmunder Fabian Loewke durch.

Im zweiten Kampf erhielt Peter Horisznyi die Quittung für einen überraschenden Angriff während des Handschuhe Berührens am Rundenanfang: Sein Gegner Björn Fitzner setzte ihm in Windeseile im Stand so zu, dass der Kampf noch vor der Ein-Minuten-Marke von Referee Stefan Diete gestoppt wurde.

Fitzner kehrte nach der Kurzarbeit im siebten Kampf des Abends zurück und lieferte sich einen guten Kampf gegen Enes Bafra, den er auch für sich entscheiden konnte – diesmal mit einem Guillotine Choke.

Die Profikämpfe: (Fotos von Sebastian Kappes)

Niko Lohmann in der Full Mount.

Der Essener Leichtgewichtler Niko Lohmann wusste bei seinem Kampf nicht nur mit einem gelungenen Einmarsch – inklusive „Sexy Boy“ von Shawn Michaels – zu überzeugen. Er nutzte einen verpassten Tritt seines Gegners Navid Tokhi, um die Partie mit einem Takedown in seine Komfortzone zu verlagern. Dort angekommen ließ Lohmann nicht locker, bis er seinen Gegner nach knapp über einer Minute mit einem Rear Naked Choke zur Aufgabe zwingen konnte.

Der Schweizer Timon Esposito und Eduard Heinz lieferten sich einen taktischen Kampf am Boden, bei dem beide Kämpfer gute Reversals zeigten und sich mehrfach in dominanten Positionen befanden. Mit fortschreitender Kampfdauer riss Esposito das Ruder an sich und schloss eine dominante Runde drei mit einem Rear Naked Choke ab, in dem Heinz exakt beim Ertönen des Ringgongs – und somit eine Sekunde zu spät - abklopfen musste. Esposito gewann verdient einstimmig nach Punkten.

Ayin zieht den Rear Naked Choke durch.

Der Essener Grappler Ali-Selcuk Ayin begann den Kampf gegen Karateka Jan Hoffmann, wie man es von ihm erwartet: Er brachte den gefährlichen Striker schnell zu Boden und erarbeitete sich die Full, gefolgt von der Back Mount, von wo er Hoffmann nach einem harten Schlag mit dem Rear Naked Choke bezwang.

Risch (o.) richtet Schaden an.

In der Partie zwischen dem Bremer Sebastian Risch und dem bulligen Aachener Rustem Vishkadzhiyev legte letzterer nach einigen Kicks seines Gegners mit einem schönen Takedown los. Vishkadzhiyev setzte Ground and Pound, wurde aber von Risch gesweept. Risch schaltete einen Gang hoch und wurde aggressiver, wurde von seinem Gegner aber mit einem gewaltigen Slam zu Boden gebracht. Dort gelang Risch aber erneut der Konter – diesmal blieb er aber am Ball und sicherte sich den TKO-Sieg mit harten Schlägen.

Van Waeyenberghe (l.) mit einem harten Knie aus dem Clinch.

Im nächsten Kampf traf der Bochumer Willi Frank auf den Bremerhavener Maurice van Waeyenberghe. Letzterer drückte dem Kampf seinen Stempel auf und punktete mit harten Kniestößen aus dem Clinch. Nachdem van Waeyenberghe einen Guillotine Choke seines Gegners verteidigen konnte, ging er selbst zum Angriff über und zwang Frank mit dem gleichen Hebel zur Aufgabe.

Kroetsch zieht den Choke erbarmungslos zu.

Ob Christian Kroetsch bei der Feuerwehr ist, können wir nicht bestätigen. Dass er gestern aber im Kampf gegen Björn Lubach wie jene loslegte, umso mehr. Nach nur 25 Sekunden konnte der Essener seinen Gegner mit einem Guillotine Choke zur Aufgabe zwingen.

Fazlija (o.) auf dem Weg zum Sieg.

Im zehnten Kampf des Abends entwickelte sich zwischen dem Aachener Imad Ahmad und dem Lokalmatador Zeqir Fazlija aus Gelsenkirchen eine spannende Partie. Nach ausgeglichner erster Runde, in der Ahmad die erste, Fazlija die zweite Hälfte für sich entscheiden konnten, beging Ahmad einen Fehler, der ihm den Kampf kostete. Er setzte hartes Ground and Pound an, verlor seine Position und ließ Fazlija Platz, den dieser zum Aufstehen nutzte. Sofort setzte der Gelsenkirchener ein hartes Knie, das Ahmad voll traf. Der umsichtige Ringrichter Frank Burczynski, tat, was man von einem guten Ringrichter erwarten kann: Er war zur Stelle und stoppte den Kampf.

Eckerlin mit hartem Ground and Pound.

Der Bochumer Thorsten Pokutta traf auf den im MMA ungeschlagenen Christian Eckerlin. Eckerlin konnte in einem technisch sehenswerten Kampf die erste Runde mit guter Bodenarbeit für sich entscheiden. Zu Beginn der zweiten traf Pokutta mit einer Spinning Back Fist, doch war es erneut der Schüler von Daniel Weichel, der den Kampf von da an diktierte. Nach fast vier Minuten konnte Eckerlin den sich verbissen wehrenden Bochumer mit einem Rear Naked Choke zur Aufgabe zwingen.

Alexander Weizel konnte in der Partie gegen Danny Stritzke mit einer Schlagkombination und einem Takedown erste Akzente setzen. Stritzke drehte den Kampf aber und konnte seinerseits nach gelungenem Sweep Schläge anbringen, die es ihm ermöglichten, den Kampf aus guter Position mit einem Kimura zu beenden.

Berisha (o.) bringt Schläge aus der Back Mount an.

Patrick Berisha aus der Schweiz zeigte Mut, als er gegen den schwereren Giuseppe Pezzolla in den Ring stieg. In Runde eins konnte Berisha sich unter hohem Kraftaufwand speziell am Boden Vorteile erkämpfen. Das wollte Pezzolla in der zweiten Runde verhindern und er sprawlte den Takedown Berishas sicher. Der Schweizer zeigte aber, dass er sich im Striking ebenfalls auskennt und setzte eine Kombination, die er mit einem schönen Punch abschloss. Wenig später nutzte Berisha eine Fehler seines Gegners beim Ground and Pound aus, um diesen mit einem Armbar aus der Guard zu bezwingen.

Ringrichter Frank Burczynski ermahnt Achmelov nach dem illegalen Knie.

Das Bremer Leichtgewicht Gasi Achmelov ging in seinem Kampf ein Wagnis ein. Seinem Gegner, Arslan Zaynulabidov aus Aachen, wurde ein Kampfrekord von 13-2 nachgesagt. Achmelov ging den Kampf folglich vorsichtig an, und es war der schlaksige Aachener mit der wilden Mähne, den die Zuschauer Anfangs noch belächelt hatten, der Achmelov mit einem lupenreinen Single Leg Takedown zu Boden brachte und sich zügig über die Side Mount in die Full Mount vorkämpfte. Sofort ließ Zaynulabidov die Fäuste fliegen, doch überstand Achmelov das Sperrfeuer und scrambelte hoch.

Achmelov sucht einen Weg aus der Umklammerung seines Gegners.

Geistesgegenwärtig attackierte er den noch am Boden befindlichen Aachener mit einem harten Knie ins Gesicht – ein Foul, das Ringrichter Frank Burczynski sofort ahndete. Achmelov entschuldigte sich und Zaynulabidov schoss erneut zum Takedown. Diesmal war der Bremer aber gewappnet und er antwortete mit Schlägen aus dem Sprawl. In einem wilden Positionskampf errang Achmelov die Full Mount, von wo er seinen Gegner mit Ground and Pound in die Rippen und später zum Kopf stoppte.

Viel stand auf dem Spiel, entsprechend heiß ging's her.

Der mit Spannung erwartete Kampf der zwei hochtalentierten Grappler Jonas Billstein und Benjamin Ross wurde von beiden mit einer gehörigen Portion Respekt angegangen. Der Kölner Billstein konnte sich in der ersten Runde Vorteile erkämpfen, da er seinen Gegner wiederholt zu Boden brachte. Ross versuchte am Boden mit Submissions aktiv zu bleiben, während Billstein gelegentliche Schläge setzte. Beide hatten wenig Erfolg, und so blieben unterm Strich Ross’ härtere Treffer in den kurzen Standkampfphasen gegen Billsteins Grappling und Kontrolle.

Billstein macht den Sack zu.

Zu Beginn der zweiten Runde drehte Ross auf und setzte erneut Treffer im Stand, die Billstein zum Takedown bewegten. Aus der Guard von Ross setzte Billstein nun aber härtere Schläge und er positionierte sich in der Side Mount. Von dort wurden die Treffer schwerer und zahlreicher bis zum TKO. Billstein feierte seinen siebten Sieg in Folge, musste aber erstmals in seiner noch jungen Karriere in die zweite Runde gehen.

Aslan (r.) kontrolliert Westerman am Boden.

Im Rückkampf des besten Kampfes aus dem Jahr 2009 standen sich der Stuttgarter Robert Scott Westerman und Ulas Aslan aus Bielefeld gegenüber. Aslan setzte seinen Gegner von Beginn an mit guten Boxkombinationen zum Körper und zum Kopf unter Druck, wurde von Westerman aber nur mit einem ansatzlosen harten Knie begrüßt, worauf seine Nase zu bluten begann.

Sekunden vor dem Kampfende hat Aslan (r.) den Griff schon im Stand fixiert.

Westerman setzte nach, wurde aber nun seinerseits von Aslan überrascht, der ihn zu Boden schlug und dort weiter mit Ground and Pound beharkte. Dem Stuttgarter gelang es noch, sich wieder in den Clinch hochzukämpfen, doch nutzte Aslan dabei die Chance, seine Arme korrekt zu positionieren. Er sprang in die Guard und hatte Westerman in einem Neck Crank/Kruzifix, aus dem es kein Entrinnen für seinen Gegner gab.

Zampakikas (u.) attackiert heinrich mit dem Frank Mir-Armbar.

Dass der Name Zampakikas für unglaublich unterhaltsame und harte Kämpfe steht, ist kein Geheimnis. So auch bei der Partie zwischen Angelos Zampakikas und dem Bremer Alexander Heinrich. Beide gaben Vollgas und Takedowns, harte Schläge und dominante Positionen wechselten wie Spielkarten am Pokertisch die Seiten. Gegen Ende der Runde war es Zampakikas, der mit harten Treffern im Stand einen bleibenden Eindruck in Heinrichs Gesicht hinterließ.

Zampakikas setzt den siegbringenden Armhebel an.

Im zweiten Durchgang brachte Heinrich das Geschehen wieder zu Boden, wo er Zampakikas mit Schlägen attackierte. Dabei entwischte er nur knapp einem Kimura und sah sich kurz darauf von Zampakikas gemountet. Extrem hartes Ground and Pound traf den Bremer, doch gelang es ihm noch in letzter Sekunde, der misslichen Lage zu entkommen und Zampakikas herunterzustoßen. Blitzschnell krallte Zampakikas sich aber den Arm seines Gegners und aus dem Armbar konnte sich Heinrich nicht mehr befreien.

Balci (l.) und Rocha bereit vor dem Kampf.

Im heiß ersehnten Hauptkampf des Abends fieberten die Zuschauer in der Halle und MMA-Fans in ganz Deutschland mit. Titelwirrwarr hin oder her, die Spannung kochte fast über, als der Ringgong ertönte, und Fatih Balci und Carlos Eduardo Rocha sich der Schlagdistanz näherten. Rocha eröffnete den Kampf mit einem harten Tritt, den Balci mit guten Schlägen beantwortete. Der Kampf ging zu Boden, und der Kölner Balci befand sich in der Guard des gefährlichen BJJ-Spezialisten.

Balci (r.) wühlt sich durch den Bein-Wald namens Rocha und sucht nach Angriffsmöglichkeiten.

Rocha strahlte enorme Gefahr mit seinen Submissions aus, doch stand ihm ein gut gewappneter Balci gegenüber, der sich nicht verstricken ließ und stattdessen selbst mit immer härter werdenden Schlägen in die Offensive ging. Bei einem Schlag verlor Balci die Kontrolle und Rocha gelang der Sweep - in die Full Mount. Sofort schlug der Brasilianer los, doch war er stets auf Rear Naked oder Side Chokes, und nicht den TKO, aus.

Rocha beendet den Kampf mit einem Side Choke.

Nachdem Balci einen Side Choke nur mit aller größter Not verteidigen konnte, nutzte Rocha das Momentum, um ihn sofort wieder mit demselben Griff zu bedrohen. Dieses Mal saß der Choke, und Balci musste aufgeben. Rocha feierte seinen Triumph und den achten Sieg in acht Kämpfen.

 

German MMA Championship 1 – The Beginning

29. Mai 2010

Harmoniesaal, Herne

Profikämpfe:

Carlos Eduardo Rocha bes. Fatih Balci via Side Choke nach 3:58 in Runde 1

Angelos Zampakikas bes. Alexander Heinrich via Armbar nach 3:37 in Runde 2

Ulas Aslan bes. Robert Scott Westerman via Neck Crank nach 2:13 in Runde 1

Jonas Billstein bes. Benjamin Ross via TKO nach 3:19 in Runde 2

Gasi Achmelov bes. Arslan Zaynulabidov via TKO nach 2:14 in Runde 1

Patrick Berisha bes. Giuseppe Pezzolla via Armbar nach 1:20 in Runde 2

Danny Stritzke bes. Alexander Weizel via Kimura nach 3:32 in Runde 1

Christian Eckerlin bes. Tobias Pokutta via Rear Naked Choke nach 3:33 in Runde 2

Zeqir Fazlija bes. Imad Ahmad via TKO (Knee) nach 1:15 in Runde 2

Christian Kroetsch bes. Björn Lubach via Guillotine Choke nach 0:25 in Runde 1

Maurice van Waeyenberghe bes. Willi Frank via Guillotine Choke nach 1:50 in Runde 1

Sebastian Risch bes. Rustem Viskhadzhiyev via TKO (Punches) nach 2:11 in Runde 1

Ali-Selcuk Ayin bes. Jan Hoffmann via Rear Naked Choke nach 1:39 in Runde 1

Timon Fabrizio Esposito bes. Eduard Heinz nach Punkten (3-0)

Niko Lohmann bes. Navid Tokhi via Rear Naked Choke nach 1:05

Amateurkämpfe:

Björn Fitzner bes. Enes Bafra via Guillotine Choke nach 2:25 in Runde 1

Björn Fitzner bes. Peter Horisznyj via TKO nach 0:58 in Runde 1

Saygin Karamüftüoglu bes. Fabian Loewke via Armbar nach 2:34 in Runde 1