Ergebnisse

German Vale Tudo Open 2010

German Vale Tudo Open 2010

Seit gestern Abend ist Shooto endgültig in Deutschland angekommen! Die German Vale Tudo Open 2010, die am 11. Dezember in der Wittumhalle in Reutlingen stattfand, war in doppelter Hinsicht ein Meilenstein für das deutsche Shooto. Es wurden nicht nur die ersten Deutschen Titelkämpfe in der C-Klasse ausgetragen, sondern es wurden auch erstmals Profikämpfe in der A- und B-Klasse unter dem Banner von Shooto Germany veranstaltet.

In den Deutschen Titelkämpfen trat der talentierte Nachwuchs an, der sich in diesem Jahr bei den „Contenders“-Veranstaltungen von German Vale Tudo, den Amateur Europameisterschaften in Holland oder dem 1. Offenen Shooto-Turnier in Großostheim durch besonders gute Leistungen hervorgetan hat. In den Profikämpfen standen erfahrene MMA-Sportler, die mitunter sogar schon international aufgetreten sind.

Nach den vier erfolgreichen „Contenders“-Veranstaltungen von German Vale Tudo, die Peter Angerer – seines Zeichens Präsident von Shooto Germany und seit gestern auch Braungurt im brasilianischen Jiu-Jitsu – in diesem Jahr auf die Beine gestellt hat, war die erste Profigala von Shooto Germany ein weiterer wichtiger Schritt für die Etablierung des Shooto und des MMA-Sports in Deutschland.

Main Event

Im Hauptkampf trafen Anthony Durnell, ein in Ramstein stationierter US-Soldat, und der Franzose Samy Ben Amor aufeinander. Durnell ging gegen den Vize-Weltmeister im Shidokan sofort in den Clinch, presste ihn in die Ringecke und bearbeitete seine Beine mit Kniestößen. Dann verlagerte der Ringer das Geschehen auf den Boden und setzte Ben Amir mit harten Schlägen aus dessen Guard zu. Ben Amor isolierte jedoch systematisch Durnells linken Arm und nahm ihn in den Kimura. Durnell konnte sich nicht lange dagegen verteidigen und gab enttäuscht auf.

Sechseinhalb Jahre nach seinem letzten Profikampf stieg Daniel Ackerman, Mitglied der FILA Grappling Nationalmannschaft und Mitbegründer der Deutschen Grappling Liga, bei der German Vale Tudo Open 2010 wieder in den Ring. Ihm gegenüber stand der Spanier Ezekiel Zayas, ein Schwarzgurt im brasilianischen Jiu-Jitsu. Die Fans, die sich auf eine ausgiebige Bodenkampfgala zwischen diesen beiden Spitzengrapplern freuten, wurden allerdings ein wenig enttäuscht. Denn Ackerman benötige nur knapp eineinhalb Minuten, um Zayas mit einem blitzschnell ausgeführten Armhebel aus der Guard zur Aufgabe zu zwingen. Ackerman ist somit im MMA-Sport nach wie vor unbesiegt. Bleibt nur zu hoffen, dass man jetzt nicht wieder sechs Jahre auf einen weiteren Auftritt von ihm warten muss.

Nachdem der Reutlinger Benjamin Nüßle seine MMA-Karriere eher mit Luft nach oben begann, fuhr er in den vergangenen Monaten im Amateurlager einen Sieg nach dem anderen ein. Dies bescherte ihm einen Profikampf gegen den Spanier Alfredo Merelo ein, der wie Nüßle ein starker Bodenkämpfer ist. Merelo suchte auch von Beginn an die Auseinandersetzung auf der Matte. Er brachte Nüßle zu Boden und passierte nach einigen Mühen in die Half Guard. Nüßle verteidigte diese Position vehement und ließ Merelo nicht in die Side Control. Merelo wechselte immer wieder zwischen Keylock, Kimura und Straight Armbar ab, aber Nüßle wehrte sich tapfer. Kurz vor Schluss gelang dem Spanier dann aber doch der Armstreckhebel und Nüßle musste aufgeben.

Aufgrund von Verletzungsausfällen kam kurzfristig noch ein Kampf zwischen Durnells Teamkollegen Brandon Kilfoyle und dem bis dato ungeschlagenen Mainzer Bodenkampfspezialisten Patrick Herring zustande. Kilfoyle nutzte seine ringerische Überlegenheit aus und brachte Herring jeweils anfangs der ersten und zweiten Runde auf den Boden. Anschließend attackierte er viel mit Ground and Pound. In Runde zwei wurde es kurze Zeit  eng für ihn, als Herring ihn im Triangle Choke fing. Kilfoyle befreite sich jedoch und setzte seine GnP-Offensive bis zum Schluss fort. Die drei Punktrichter gaben anschließend den Sieg einstimmig an den in Ramstein stationierten US-Soldaten.

Deutsche Meisterschaftskämpfe

Mit einer dominanten Leistung im Duell gegen den Reutlinger Harry Sauter krönte der Mainzer Frank Stäblein ein erfolgreiches erstes Jahr im MMA-Sport. Der 44 Jahre junge Ringer avancierte im Sommer mit dem Gewinn der Shooto Amateur Europameisterschaft quasi schon zum „deutschen Randy Couture“, und auch Sauter konnte an diesem Abend – trotz guter Gegenwehr – nicht viel gegen Stäbleins Bodenkampffähigkeiten ausrichten. Stäblein erkämpfte sich sofort ein Takedown, das Sauter mit einem Guillotine Choke konterte. Stäblein passierte in die Side Control, Sauter holte sich die Guard zurück, aber Stäblein passierte erneut. Dann setzte er zum Armhebel an, aber der Rundengong verhinderte einen vorzeitigen Sieg. Auch in Runde zwei ging Stäblein schnell zum Takedown über. Sauter versuchte es mit einem Beinhebel, aber Stäblein wehrte ab und hatte ihn in der Turtle-Position. Anschließend folgten mehrere Positionswechsel: Side Control, Back Mount, Turtle und wieder Back Mount. Stäblein setzte zum Rear Naked Choke an, aber Sauter wehrte sich verbissen und der Kampf ging über die volle Rundenzeit. Am klaren Punktsieg Stäbleins gab es anschließend nichts zu rütteln.

Grappler vs. Striker hieß es beim Kampf zwischen  dem Frankfurter Amir Dragan und dem Reutlinger Bastian Schäfer. Nachdem beide einen Lowkick abgefeuert hatten, ging es in den Clinch. Dragan, der amtierende Shooto Amateur Europameister, beförderte Schäfer mit einem Takedown in die Side Control. Der holte sich die Half Guard und verteidigte sie bis zum Ende der Runde. Vermutlich im Bewusstsein, die erste Runde verloren zu haben, ging Schäfer in der zweiten Runde im Stand deutlich aggressiver nach vorne. Es kam zum Schlagabtausch, der im Clinch endete. Dragan war mit einem Takedown in die Half Guard erfolgreich und erarbeitete sich die Mount. Schäfer gab seinen Rücken frei, Dragan holte sich die Back Mount und beendete den Kampf mit dem Rear Naked Choke.

Der Reutlinger Stefan Hoss, Sieger des 4-Mann-Turniers bei „Contenders IV“, ist einer der erfahrensten Kämpfer im Amateur-Shooto. Dies zeigte sich auch wieder bei seinem Kampf gegen den Michelstädter Sami Aita. Die beiden tauschten zunächst im Stand Schläge und Lowkicks aus, ehe Hoss den Clinch initiierte. Er brachte Aita zu Boden und landete direkt in der Mount. Aita holte sich die Half Guard und sweepte Hoss beim Versuch, wieder in die Mount zurückzukehren. Hoss erarbeitete sich zuerst einen Kimura und dann einen Toe Hold, aus denen sich Aita jedoch befreite. Es ging zurück in den Stand und Hoss setzte erneut zum Takedown an. Aita fing ihn mit dem Guillotine Choke ab, doch der Rundengong verhinderte eine mögliche Aufgabe. Die zweite Runde fing genauso wie die erste an. Dann setzte Aita aus dem Stand zum Guillotine Choke an. Er sprang in die Guard. Der Würgegriff saß, aber irgendwie konnte Hoss seinen Kampf wieder aus der Schlinge ziehen. Aita nahm ihn anschließend in einen Armhebel, und auch der saß ziemlich fest. Doch Hoss befreite sich abermals, passierte in die Side Control und beendete den Kampf aus der Mount. Nach zwei spannenden Runden ging der Punktsieg knapp an Hoss.

Mit dem Tuttlinger Martin Buschkamp und dem erfahrenen Reutlinger David Adam standen sich der Bronze- und der Silbermedaillengewinner der diesjährigen Shooto Amateur Europameisterschaften gegenüber. Buschkamp begann offensiv mit Kicks und warf Adam anschließend auf den Boden. Er passierte Adams Guard und landete in der North-South Position. Nach einem missglückten Befreiungsversuch von Adam nahm Buschkamp blitzschnell die Back Mount ein. Kurze Zeit später zwang er ihn mit dem Rear Naked Choke zur Aufgabe.

Heiß her ging es im Kampf zwischen dem kurzfristig eingesprungenen Reutlinger Daniel Saric und dem Aschaffenburger Andreas Seredin, dem Sieger des 1. Offenen Shooto-Turniers. Saric kickte Seredin zum Körper, woraufhin der den Clinch suchte und ein Trip-Takedown durchzog. Saric hatte die Half Butterfly Guard und stand wieder auf. Es kam zu einem wilden Schlagabtausch. Saric nahm Seredin im Stand in die Guillotine und sprang in die Guard. Seredin konnte sich nicht mehr befreien und klopfte ab.

Den ersten Meisterschaftskampf bestritten der Wormers Nils Wernersbach, Bronzemedaillengewinner bei den diesjährigen Shooto Amateur Europameisterschaften, und der Aschaffenburger Timo Lierow. Wernersbach ging früh ihn den Clinch, und dort verweilten sie auch eine Weile. Als Lierow ihn zum Takedown aushob, hielt sich Wernersbach an den Seilen fest. Kurz vor dem Rundengong schlug Wernersbach Lierow mit einer Linken nieder. Lierow begann die zweite Runde mit einem Trip-Takedown, aber Wernersbach stand sofort wieder auf. Nach einem kurzen Schlagabtausch ging es wieder auf den Boden. Wernersbach sprang an Lierows Beinen vorbei und brachte ihn mit dem North-South Choke zur Aufgabe.

Vorprogramm

Etwas blutig wurde es im Kampf zwischen dem Reutlinger Jungspund Amin Aichele und dem Mannheimer Tobias Huber. Huber tauchte zum Takedown runter, wurde aber mit einem Kniestoß zum Gesicht abgefangen. Kurz darauf landete Aichele einen Kniestoß zum Körper. Huber shootete noch einmal und wurde wieder mit einem Kniestoß zum Gesicht abgefangen. Danach gelang es Huber dann endlich, das Geschehen auf den Boden zu verlagern. Aus einem Gerangel heraus kletterte Aichele in die Back Mount – dann wurde aber abgebrochen. Hubers Nase und Lippe bluteten mittlerweile sehr stark, weswegen er vom umsichtigen Ringrichter Philipp Krebs aus dem Kampf genommen wurde.

Der Schweizer Yanick Isenmann hatte gegen den Münchner Miro Tatalovic kleine Startschwierigkeiten, fuhr am Ende aber noch einen vorzeitigen Sieg ein. Isenmann versuchte zunächst zwei Takedowns, doch Tatalovic landete beide Male oben. Nach dem zweiten Versuch stand er nicht wieder auf, sondern setzte aus der North-South-Position zum Kimura an. Isenmanns Schulter war stark gehebelt, aber er befreite sich wieder und hatte Tatalovic nun in seiner Guard. Isenmanns Armhebel konnte Tatalovic noch abwehren, aber dann versuchte der Schweizer es mit dem Triangle Choke und brachte Tatalovic damit zur Aufgabe.

Im Eröffnungskampf lieferten sich der Münchner Charlie Wegner und der Aschaffenburger Alex Veredenikow ein enges Gefecht. In der ersten Runde traf Veredenikow seinen Gegner einige Male mit seinem linken Haken. Wegner hingegen punktete mit Lowkicks und Kniestößen zum Körper. In der zweiten Runde gelang Wegner ein Trip-Takedown in die Mount. Veredenikow holte sich die Guard, Wegner passierte in die Half Guard. Veredenikow sweepte ihn und setzte den Guillotine Choke an. Wegner kämpfte sich in die Mountposition vor und befreite sich aus dem Würgegriff. Nach den zwei Runden sahen die Punktrichter Wegner vorne.

Bilder zur German Vale Tudo Open 2010 folgen im Laufe des Tages!


Alle Ergebnisse im Überblick:

German Vale Tudo Open 2010
11. Dezember 2010
Wittumhalle in Reutlingen

Main Event

A Klasse -70 kg (3x5 Minuten)
Samy Ben Amor (Shidokan St. Laurentin/Frankreich) bes. Anthony Durnell (Team Catacombs/USA) via Kimura nach 3:58 in Rd. 1

B Klasse -65 kg (2x5 Minuten)
Daniel Ackerman (Suum Cuique Mainz) bes. Ezekiel Zayas (ASES BJJ/Spanien) via Armhebel nach 1:22 in Rd. 1

B Klasse -83 kg (2x5 Minuten)

Alfredo Merelo (ASES BJJ/Spanien) bes. Benjamin Nüßle (German Top Team Reutlingen) via Straight Armbar nach 4:48 in Rd. 1

B Klasse Catchweight -80 kg (2x5 Minuten)
Brandon Kilfoyle (Team Catacombs/USA) bes. Patrick Herring (Suum Cuique Mainz) nach Punkten

Deutsche Meisterschaftskämpfe C Klasse (2x3 Minuten)


-65 kg
Frank Stäblein (Suum Cuique Mainz) bes. Harry Sauter (German Top Team Reutlingen) nach Punkten

-100 kg
Amir Dragan (Challenge Club Frankfurt) bes. Bastian Schäfer (German Top Team Reutlingen) via Rear Naked Choke nach 1:17 in Rd. 2

-60 kg
Stefan Hoss (German Top Team Reutlingen) bes. Sami Aita (MMA Michelstadt) nach Punkten

-70 kg
Martin Buschkamp (Planet Eater Balingen) bes. David Adam (German Top Team Reutlingen) via Rear Naked Choke nach 2:16 in Rd. 1

-76 kg
Daniel Saric (German Top Team Reutlingen) bes. Andreas Seredin (Achilleas Sportarena Aschaffenburg) via Guillotine Choke nach 1:50 in Rd. 1

-91 kg
Nils Wernersbach (Combat House Worms) bes. Timo Lierow (Achilleas Sportarena Aschaffenburg) via North-South Choke nach 1:39 in Rd. 2

Vorprogramm


C+ Klasse -65 kg (2x3 Minuten)
Amin Aichele (German Top Team Reutlingen) bes. Tobias Huber (MAA Mannheim) via TKO nach 2:18 in Rd. 1

C+ Klasse -70 kg (2x3 Minuten)
Yanick Isenmann (Shidokan Aargovia/Schweiz) bes. Miro Tatalovic (KS-GYM München) via Triangle Choke nach 2:16 in Rd. 1

C+ Klasse -83 kg (2x3 Minuten)
Charlie Wegner (Academy Hutton München) bes. Alex Veredenikow (Achilleas Sportarena Aschaffenburg) nach Punkten