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„El Terrible“ hat’s noch drauf

Erik Morales sollte nicht mehr Boxen. Der einst großartige Faustkämpfer zerstört sein Vermächtnis, weil er wie so viele Boxer vor ihm einfach nicht weiß, wann Schluss ist. Gegen einen brutalen Puncher wie Marcos Maidana hat er keine Chance, wird kaum die erste Hälfte des Kampfes überstehen. Wer hat das nicht im Vorfeld der gestrigen HBO "Action Heroes"-Veranstaltung gedacht? Nun, „El Terrible“ hat gezeigt, dass es so einfach im Box-Sport nicht ist. Und, dass er noch immer für einen packenden Fight gut ist.

Als Erik Morales (51-7-0, 35 KO) im vergangenen Jahr sein Comeback ankündigte, ging ein Raunen durch die Box-Landschaft und Fans und Kritiker rümpften gleichermaßen die Nasen. Alt und abgehalftert, vier Gewichtsklassen über seiner einstigen Heimat, dem Super-Federgewicht, versuchte der mexikanische Superstar noch einmal einen letzten Anlauf im aktiven Geschehen. Nach drei mehr oder minder dominanten Siegen gegen Aufbaugegner war er bereit, noch einmal ins Scheinwerferlicht einer großen HBO-Pay-Per-View-Veranstaltung zu treten und forderte den gefürchteten Puncher Marcos Maidana (30-2-0, 27 KO).

Aus der erwarteten Hinrichtung Morales‘ wurde ein Kandidat für den Kampf des Jahres 2011. Morales und Maidana lieferten sich einen 12 Runden andauernden Schlagabtausch, in dem beide Seiten harte Treffer austeilen und einstecken mussten. Dabei wurde deutlich: Morales ist zwar zu alt für die Weltspitze, doch noch immer ein besserer Boxer als Maidana es je sein könnte. Universum-Star Maidana, sieben Jahre jünger, teilte in einigen Runden drei- bis viermal so viele Schläge aus wie sein Gegner, nahm aber teils dennoch den größeren Schaden. Einige Male trafen Morales‘ akkurate Kombinationen den Argentinier und schüttelten ihn hart durch. Maidana selbst geizte ebenfalls nicht mit seinen KO-gefährlichen und unorthodoxen Schwinger und traf Morales schon in Runde eins so hart, dass dessen rechtes Auge grotesk zuschwoll. Quasi einäugig ab Runde zwei, kannte Morales wie zu besten Zeiten dennoch nur eine einzige Richtung: vorwärts. Der Zuschauer fühlte sich wie in einer Zeitmaschine, zurückversetzt in legendäre Schlachten mit Marcos Antonio Barrera oder Manny Pacquiao. „El Terrible“ war für 12 Runden wieder zurück.

Der Kampf hätte knapper nicht sein können. Zwei Punktrichter werteten 116-112 für Maidana, einer sah das Duell mit 114-114 unentschieden. Marcos Maidana gewann diese denkwürdige Schlacht mehrheitlich nach Punkten – doch der wahre Sieger des Abends, der Mann in aller Munde, war Erik Morales. Nun kursieren Gerüchte über einen möglichen Kampf gegen Juan Manuel Marquez – sollte es zu diesem Kampf kommen und Morales zeigt sich in derselben Form wie gestern, können Fans jetzt schon anfangen zu träumen.

Die im Vorfeld als heimlicher Hauptkampf des Abends gehypte Begegnung zwischen Roberto Guerrero (29-1-1, 18 KO) und Michael Katsidis verlief letztlich deutlich einseitiger als der von Fans und Experten verschmähte tatsächliche Mainevent. Katsidis bezog de facto 12 Runden lang Prügel von Guerrero, der sich in überragender Form präsentierte. Am einstimmigen Punktsieg für Guerrero bestand am Ende kein Zweifel.

Ebenso überraschend wie Morales‘ beeindruckende Performance im Hauptkampf des Abends, war Nobuhiro Ishidas (23-6-2, 8 KO) blitzschneller TKO-Sieg über den haushohen Favoriten James Kirkland (27-1-0, 24 KO). Kirkland wirkte komplett verloren in diesem Kampf und musste ganze dreimal zu Boden, bevor der Ringrichter das Schauspiel endlich beendete. Ishida, der eigentlich nicht als starker Puncher bekannt ist, kann somit einen beeindruckenden vorzeitigen Sieg in seiner Bilanz verbuchen.

Paulie Malignaggi (29-4-0, 6 KO) konnte sich im sehenswerten Eröffnungskampf der TV-Übertragung gegen Jose Miguel Cotto (32-3-1, 24 KO) einstimmig nach Punkten durchsetzen. Außerdem erwähnenswert: der Universum-Boxer und menschliche Bulldozer Rakhim Chakhkiev (10-0-0, 8 KO) konnte sein US-Debüt erfolgreich gestalten. „The Machine“ entledigte sich des Aufbaugegeners Harvey Jolley (11-17-1, 6 KO) problemlos durch TKO in Runde zwei. Mit seinem brutalen Stil könnte Olympiasieger Chakhkiev eine große Zukunft im Box-Mekka USA vor sich haben, sollte er gegen stärkere Gegner ebenso überzeugende Auftritte hinlegen.

Action Heroes: Morales vs. Maidana
9. April 2011
MGM Grand in Las Vegas, Nevada, USA


WBA-Interims-Weltmeisterschaft im Leichtgewicht
Marcos Rene Maidana bes. Erik Morales mehrheitlich nach Punkten (116-112,116-112,114-114)

WBA-, WBO-Interims-Weltmeisterschaft im Leichtgewicht
Robert Guerrero bes. Michael Katsidis einstimmig nach Punkten

Vorprogramm
Paul Malignaggi bes. Jose Miguel Cotto einstimmig nach Punkten
Danny Garcia bes. Nate Campbell einstimmig nach Punkten
Nobuhiro Ishida bes. James Kirkland via TKO in Rd. 1
Mikael Zewski bes. Clint Coronel geteilt nach Punkten
Rakhim Chakhkiev bes. Harvey Jolly via TKO in Rd. 3