Ergebnisse

Dynamite!! 2009 Bericht

Shinya Aoki verknotet Mizuto Hirota.

In Japan ist es Tradition geworden, dass an Silvester das Feuerwerk nicht nur am Himmel, sondern auch in einem Ring stattfindet. Am 31. Dezember wird immer etwas ganz Besonderes geboten, so auch in diesem Jahr. Der K-1 MAX Superstar Masato bestritt seinen Abschiedskampf, der Judo-Goldmedaillengewinner Satoshi Ishii gab sein Debüt und die größten japanischen MMA-Organisationen DREAM und Sengoku lieferten sich Vergleichskämpfe.

Souwer trägt Masato nach dem Kampf durch den Ring.

Der letzte große Superstar tritt zurück

Nicht viele Kämpfer können von sich behaupten, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere mit einem Paukenschlag abgetreten zu sein. Masato kann es. Der erst 30 Jahre alte Superstar von K-1 MAX, Japans größtes noch aktives Kickboxidol, kämpfte zum Abschied gegen jemanden, der ihn in seiner Karriere zweimal besiegt hat: Andy Souwer, einer von Hollands besten Kickboxern.

Masato und Souwer lieferten sich über fünf Runden ein spannendes und aufregendes Duell, das einem Abschiedskampf für einen solch großen Kämpfer wie Masato mehr als würdig war. Die ehemaligen K-1 MAX Champions tauschten schnelle und präzise Kicks und Schlagkombinationen aus und zeigten alles, was diesen Sport ausmacht. Es war ein Kampf auf allerhöchstem technischem Niveau, aus dem Masato knapp, aber einstimmig und verdient, als Sieger hervorging. Ein fantastischer Abschluss einer fantastischen Karriere.

Hidehiko Yoshidas (r.) Erfahrung setzte sich am Ende durch.

Yoshida verdirbt Debüt von Ishii

2009 war Satoshi Ishii der am meisten gefragte Nachwuchskämpfer der Welt, ohne je einen einzigen Kampf bestritten zu haben. Nach seinem Goldmedaillengewinn im Judo bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking gab der 23-Jährige seine Pläne bekannt, der beste MMA-Kämpfer der Welt werden zu wollen. DREAM, die UFC und viele andere Organisationen rissen sich um Ishii. Das Rennen hat schließlich Sengoku gewonnen. Für Ishiis Debüt suchten sie sich den 17 Jahre älteren Hidehiko Yoshida aus, der 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona ebenfalls eine Goldmedaille im Judo gewann.

Auf seine MMA-Karriere hat sich Ishii bei den besten Leuten der Welt vorbereitet: bei Xtreme Couture, beim American Top Team und sogar in Brasilien bei Lyoto Machida. Genützt hat es ihm aber nichts. Ishii verschlief die erste Runde völlig und wurde von Yoshida nach Belieben durch den Ring geprügelt. Aufwärtshaken, Schwinger, Kniestöße aus dem Clinch – Ishii musste kräftig einstecken.

Auch die zweite Runde spielte sich gänzlich im Stand ab, wobei Ishii nun lockerer wurde und mit ein paar Schlagkombinationen punktete. Er presste Yoshida gegen die Seile und holte zum Kniestoß aus – traf den Veteranen aber genau im Unterleib. Yoshida stieß einen Schmerzensschrei aus und ging zu Boden. Nach einer minutenlangen Unterbrechung konnte er allerdings weiterkämpfen. Obwohl die Aktion unabsichtlich war, bekam eine Ishii eine rote Karte und somit einen Punktabzug.

In der dritten Runde fand Ishii immer besser in den Kampf und trieb den erschöpften Yoshida vor sich her, der nur noch am verteidigen war. Auch Ishii machte nicht mehr den frischesten Eindruck, aber die Runde gehörte klar ihm. Zur Entscheidung mussten die Punktrichter herangezogen werden. Die gaben den Kampf jedoch einstimmig an Yoshida, obwohl ein Unentschieden vertretbarer gewesen wäre.

So feierte Shinya Aoki seinen Sieg.

DREAM vs. Sengoku

Die beiden größten japanischen MMA-Organisationen stellen eine Auswahl ihrer besten Kämpfer gegeneinander – das war das Hauptmotto der diesjährigen Dynamite!!-Gala. Zum Abschluss der Vergleichskämpfe haben sich die Leichtgewichtschampions von DREAM und Sengoku miteinander gemessen. Nachdem es nach acht Kämpfen Unentschieden stand, holte Shinya Aoki mit einer überlegenen Vorstellung für DREAM den Sieg nach Hause.

Es war Aokis eindrucksvollster Sieg des Jahres – in mehrerlei Hinsicht. Er brachte Mizuto Hirota ohne größere Anstrengung zu Boden und verknotete ihn mit dem Hammerlock, auch als „Polizeigriff“ bekannt. Hirota lag auf dem Bauch, Aoki saß auf ihm und hatte seinen Arm in einer unnatürlichen Position verdreht. Hirota weigerte sich aber beharrlich, aufzugeben. Also riss Aoki kräftig am Arm und sorgte damit für einen äußerst hässlichen Bruch.

Nun schritt der Ringrichter ein, um den Kampf zu beenden und es kam zu Szenen, die Aoki die zweifelhafte Auszeichnung für die größte Unsportlichkeit des Jahres einbringen dürften. Der „Baka Survivor“ thronte über seinem verletzten Gegner, keifte ihn an und zeigte ihm zum Schluss den Mittelfinger. Dann spielte er Flugzeug, „flog“ durch den Ring, zeigte auch dem jubelnden Publikum den Effe und ballerte mit einem imaginären Maschinengewehr in die erste Reihe. Anschließend rannte Aoki in bester Usain Bolt-Manier aus der Halle.

Dem Sengoku Federgewichtschampion Masanori Kanehara gelang eine faustdicke Überraschung, indem er Norifumi „Kid“ Yamamoto einstimmig nach Punkten besiegte. Yamamoto galt einst als das beste Federgewicht der Welt, doch seit seiner Knieverletzung ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Kanehara hatte einen erheblichen Größen- und Reichweitenvorteil, aber Yamamoto wollte dennoch mit ihm boxen. In Runde zwei resultierte daraus ein Niederschlag, aber Yamamoto klammerte sich anschließend auf dem Boden an Kanehara, um schlimmeres zu verhindern. Im dritten Durchgang drehte Yamamoto noch einmal auf, aber es war zu spät, um den Kampf noch zu drehen.

Tatsuya Kawajiri dominierte Kazunori Yokota drei Runden lang, um einen einstimmigen Punktsieg einzufahren. Dem „Crusher“ gelang ein Takedown nach dem anderen. Er bearbeitete Yokota auf dem Boden mit Ground & Pound und wäre zweimal fast mit einem Arm Triangle Choke sowie zum Ende des Kampfes mit einem Armhebel erfolgreich gewesen. Yokota schaffte es allerdings immer wieder, zu überleben.

In einem schön anzusehenden Kampf setzte sich Hideo Tokoro gegen den Koreaner Jong Man Kim einstimmig nach Punkten durch. Die Federgewichte zeigten alle Facetten des MMA-Sports, gute Schlagabtausche im Stand und großartige Übergänge auf dem Boden. Tokoro warf mit Aufgabegriffen nur so um sich, doch Kim wieselte sich geschickt aus allem wieder heraus.

Akihiro Gono zwang Hayato „Mach“ Sakurai in der Auseinandersetzung zweier japanischer MMA-Urgesteine in der zweiten Runde mit einem Armhebel zur Aufgabe. Nach einem Kickboxkampf in Runde eins pullte Sakurai Guard, nachdem Gono einen seiner Kicks fing. Gono passierte die Guard in die Sidecontrol und ging in eine Crucifixposition über. Mit einer blitzschnellen Drehung setzte Gono den Armhebel an und Sakurai blieb nichts anderes übrig, als abzuklopfen.

Michihiro Omigawa setzte seinen Höhenflug fort, als er Hiroyuki Takaya in der ersten Runde mit einer Geraden niederschlug und den Kampf mit Schlägen beendete. Erstmals in seiner Karriere hat Omigawa nun mehr Siege als Niederlagen in seiner Bilanz stehen.

Pro-Wrestling gegen Judo hieß es im Kampf zwischen Katsuyori Shibata und Hiroshi Izumi. Izumi verzichtete gänzlich auf Judotechniken und versuchte, im Stand mit Shibata mitzuhalten. Der landete in den ersten beiden Runden die klareren Treffer und schenkte Izumi gehörig ein. Im dritten Durchgang kam Izumi noch einmal zurück. Er warf Shibata auf den Boden und arbeitete mit verbesserungswürdigem Ground & Pound aus der Mountposition. Irgendwie schafften es die Punktrichter dann im Anschluss, Izumi einstimmig den Sieg zuzusprechen.

Alistair Overeem leistete ganze Arbeit.

Holländer hinterlassen Schneise der Verwüstung

Für die drei Kämpfer aus den Niederlanden war Dynamite!! 2009 ein kurzes, aber umso erfolgreicheres Vergnügen. Keiner ihr Gegner hielt zwei Minuten durch, allerdings waren zwei von ihnen mit dem Kampfausgang höchst unzufrieden – der dritte befand sich nach seinem Auftritt im Tiefschlaf.

Melvin Manhoef machte gegen den ehemaligen „Grabaka Hitman“ Kazuo Misaki den Anfang. Beide Kämpfer begannen etwas zögerlich: Manhoef hatte Respekt vor Misakis Takedowns, Misaki hatte Respekt vor Manhoefs Schlagkraft. Plötzlich zündete Manhoef ein paar seiner Bomben und holte Misaki von den Beinen. Der plumpste in die Ringseile, nahm aber sofort die Hände hoch, um sich zu verteidigen. Dem Ringrichter war das jedoch egal und er brach den Kampf ab. Nach der Veranstaltung wurde bekannt gegeben, dass Misaki und sein Camp offiziell Protest einlegen werden. Innerhalb der nächsten zwei Wochen soll eine Entscheidung fallen.

Absolut keinen Zweifel am Sieg gab es beim Kampf zwischen Alistair Overeem und dem „Eisenschädel“ Kazuyuki Fujita. „Übereem“ scheuchte Fujita durch den Ring und suchte mehrfach den Clinch, aber seine Kniestöße kamen nicht richtig durch. Dann täuschte er einen Schlag an und Fujita duckte sich genau in einen mächtigen Kniestoß von Overeem. Fujita ging zu Boden und musste mit einer Trage aus der Halle befördert werden.

Noch einfacher hatte es Gegard Mousasi gegen den Veteranen Gary Goodridge. Mousasi zog mühelos ein Double Leg Takedown durch und fing sofort mit seinem heftigen Ground & Pound an. Goodridge verteidigte sich kurzzeitig dagegen, aber nach einer Schlagsalve aus der Sidecontrol ging der Ringrichter dazwischen. Im Anschluss beschwerte sich Goodridge darüber, aber wer sich nur noch die Hände vors Gesicht hält und keine Anstalten macht, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien, darf sich nicht über einen Abbruch wundern.

Minowaman ist der neue Superheld

Ein Freakturnier mit einer Armee von Goliaths ist es gewesen und ausgerechnet der David hat es gewonnen. Ikuhisa Minowa, mit 1,76 Metern und knapp 90 Kilogramm der kleinste Teilnehmer des „Super Hulk Tournaments“, gewann im Finale gegen den favorisierten Rameau Thierry Sokoudjou, nachdem er in der Vorrunde bereits die Giganten Bob Sapp und Hong-Man Choi ausgeschaltet hatte.

Sokoudjou und der „Minowaman“ verbrachten weite Strecken des Kampfes damit, sich aus sicherer Entfernung anzustarren. Minowa versuchte in den ersten beiden Runden stets, irgendwelche Fußhebel anzusetzen, aber Sokoudjou verteidigte sich mit harten Schlägen gegen die Spezialangriffe des wackeren Japaners.

Zu Beginn der dritten Runde zeigte sich Sokoudjou sehr erschöpft. Beide Kämpfer bekamen eine gelbe Karte aufgrund von Inaktivität. Und danach noch eine. Wie aus dem Nichts packte Minowa plötzlich einen Haken aus und schlug Sokoudjou damit nieder. Der Ringrichter wartete nicht einmal auf eine Nachfolgeaktion, sondern zeigte direkt an, dass nun Schicht im Schacht sei.

Dynamite!! 2009 – The Power of Courage
31. Dezember 2009
Saitama Super Arena in Saitama, Japan


Abschiedskampf [K-1 MAX]
Masato bes. Andy Souwer nach Punkten (3-0)

Hidehiko Yoshida bes. Satoshi Ishii nach Punkten (einstimmig)
Shinya Aoki bes. Mizuto Hirota via Hammerlock nach 1:17 in Rd. 1
Gegard Mousasi bes. Gary Goodridge via TKO nach 1:34 in Rd. 1
Alistair Overeem bes. Kazuyuki Fujita via KO nach 1:15 in Rd. 1
Masanori Kanehara bes. Norifumi Yamamoto nach Punkten (einstimmig)
Tatsuya Kawajiri bes. Kazunori Yokota nach Punkten (einstimmig)
Hideo Tokoro bes. Jong Man Kim nach Punkten (einstimmig)
Melvin Manhoef bes. Kazuo Misaki via TKO nach 1:49 in Rd. 1
Akihiro Gono bes. Hayato Sakurai via Armhebel nach 3:56 in Rd. 2
Michihiro Omigawa bes. Hiroyuki Takaya via TKO nach 2:54 in Rd. 1
Hiroshi Izumi bes. Katsuyori Shibata nach Punkten (einstimmig)

K-1 Koshien Turnier – Finale
Masaaki Noiri bes. Shota Shimada nach Punkten (3-0)

K-1
Ray Sefo bes. Yosuke Nishijima nach Punkten (3-0)

Super Hulk Tournament – Finale
Ikuhisa Minowa bes. Rameau Thierry Sokoudjou via TKO nach 3:29 in Rd. 3

K-1 Koshien Turnier – Halbfinale
Shota Shimada bes. Katsuki Ishida nach Punkten (2-0)
Masaaki Noiri bes. Hiroya nach Punkten (3-0)

K-1 Koshien Turnier – Reservekampf
Tsukasa Fuji bes. Ryuya Kusakabe nach Punkten (2-0)