Ergebnisse

Doppelweltmeister

Amir Khan gelingt dominanter Sieg über Zab Judah in Las Vegas. Foto via Golden Boy.

„They never come back“ ist ein altes Sprichwort im Boxen. Wer einmal von der großen Bühne verschwunden ist, kommt nicht mehr zurück. Zab Judah musste gestern im Alter von 33 Jahren erfahren, dass dieses Sprichwort eine gehörige Portion Wahrheit birgt. Er hat es noch einmal versucht, nun ist der Traum vorüber: Der 24-jährige Amir Khan stoppte Judah nach 2:47 Minuten in der fünften Runde.

Zab Judah (41-7-0, 28 KO) hat mit seinen 33 Jahren schon einiges gesehen und erlebt. In einem Alter in dem andere Boxer gerade behutsam aufgebaut werden, stand er bereits mit den größten Namen des Welter- und Halb-Weltergewichts im Ring und boxte um Weltmeistertitel. Während andere mit Mitte dreißig gerade ihren sportlichen Zenit erreichen, hat Judah ihn zu diesem Zeitpunkt schon lange hinter sich.

Es wurde in dieser Nacht deutlich.

Von der ersten Sekunde an marschierte World Boxing Association-Weltmeister Amir Khan (26-1-0, 18 KO) gnadenlos nach vorn und tat genau das, was man von ihm nicht erwartet hatte: Er fuhr Judahs Stil und brachte den Kampf zu seinem Gegner. Judah zeigte dagegen wortwörtlich null Offensive und beschränkte sich darauf, die blitzschnellen Kombinationen des Briten so gut es ging zu verteidigen – ein schier unmögliches Unterfangen.

Judah verlor Runde für Runde mehr Selbstbewusstsein und wurde mehr und mehr von „King“ Khan auseinandergenommen. Im fünften Durchgang setzte Khan dem Elend schließlich ein Ende und schoss einen knackigen linken Aufwärtshaken zum Körper Judahs ab.

Der ging sofort zu Boden und verwies auf einen Tiefschlag – Ringrichter Vic Drakulich zählte jedoch gnadenlos weiter bis zehn und winkte den Kampf schließlich ab. Zeitlupen aus verschiedenen Winkeln zeigten, dass der Schlag in der Tat die Gürtellinie berührt hatte- mehr aber nicht. Ein echter Tiefschlag war nicht auszumachen. Ein geschlagener und schmerzverzerrter Judah krümmte sich dennoch am Boden.

Böse Zungen könnten behaupten, es war ein leichter Weg aus dem Kampf.

Amir Khan kann nun den International Boxing Federation-Gürtel zu seiner Sammlung hinzufügen. Viel wichtiger ist jedoch etwas anderes: Floyd Mayweather Jr. verkündete kürzlich, ebenfalls gegen Khan boxen zu wollen, sollte der Judah besiegen (und sollte Mayweather selbst gegen Victor Ortiz gewinnen, ein Kampf, der am 17. September stattfinden wird). Für einen solchen Kampf würde er sogar in Khans Heimat England boxen, so Mayweather.

Floyd Mayweather Jr. wäre ein unglaublicher Sprung für Amir Khan – sportlich und finanziell. Mayweather ist  technisch der momentan wohl beste Boxer der Welt, ein blitzschneller, beweglicher Konterboxer – also ein perfekter Gegner für einen ebenso schnellen Techniker wie Khan. Die Frage ist nur, ob es für ein solches Duell nicht noch zu früh ist.

Khan ist noch weit davon entfernt seinen boxerischen Höhepunkt erreicht zu haben. Trainer Freddie Roach formt das junge Naturtalent noch nach seinen Vorstellungen. Seit gut drei Jahren befindet sich Khan in den Händen des Star-Trainers. Nicht auszudenken, was wir in zwei oder drei Jahren für einen Khan erleben.

„Mein Ziel ist es, der gewichtsklassenübergreifend beste Boxer der Welt zu werden, mehrere Gewichtsklassen aufzusteigen und auch dort Titel zu gewinnen“, erklärte Khan vor dem Kampf. Diesem Ziel ist er heute ein gutes Stück näher gekommen.  

Boxen ist ein Sport der niemals vergibt. Während Amir Khan einen weiteren Schritt auf dem langen Weg gegangen ist, den er noch vor sich hat, ist Zab Judah in dieser Nacht am Ende seines eigenen langen Weges angekommen. Und das Sprichwort behält Recht:

Sie kommen niemals zurück.



Die Ergebnisse im Überblick:

Amir Khan vs. Zab Judah
23. Juli 2011
Mandalay Bay Resort & Casino, Las Vegas, Nevada, USA


WBA- & IBF-Weltmeisterschaft im Halb-Weltergewicht
Amir Khan bes. Zab Judah via KO nach 2:47 in Runde 5

Vorkämpfe
Peter Quillin bes. Jason LeHoullier via TKO in Runde 5
James Kirkland bes. Alexis Hloros via TKO in Runde 2
Ronny Rios bes. Noe Lopez Jr. via TKO in Runde 1
Gary Russell bes. vs. Eric Estrada einstimmig nach Punkten
Bryant Jennings bes. Theron Johnson einstimmig nach Punkten
Josiah Judah bes. Rafael Jastrzebski mehrheitlich nach Punkten
Jamie Kavanagh bes. Marcos Herrera einstimmig nach Punkten