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Diskussionwürdiges Urteil in Erfurt

Foto: Thomas Goos / Team Arslan

Der Boxabend in der Erfurter Messehalle sollte ein großartiger Abend mit dem Hauptkampf zweier Weltmeister werden. Was nach dem Duell bleibt ist vor allem der Ärger vieler Zuschauer und Experten über ein diskussionswürdiges Urteil zugunsten des amtierenden Weltmeisters Yoan Pablo Hernandez. Herausforderer Firat Arslan sahen viele vorne, doch die Punktrichter entschieden sich per Mehrheitsentscheid für den Deutsch-Kubaner. Des Weiteren sicherten sich sowohl Jack Culcay-Keth als auch Tyron Zeuge die nächsten Titel, in ihrer noch kurzen Karriere.

Respekt gegenüber dem Gegner hatten beide Duellanten schon vor dem Kampf und auch nach dem Zwölf-Runden-Gefecht hatte sich das nicht geändert. Am Ende eines intensiven Duells hatten Yoan Pablo Hernandez und Firat Arslan aber unterschiedliche Ansichten, wie ihr Aufeinandertreffen ausgegangen ist.

Firat Arslan tat über die Kampfdistanz das was man von ihm kennt. Der 43-Jährige - bekannt für seine gute Kondition - suchte schon zu Beginn den Infight und brachte damit den Weltmeister in arge Bedrängnis. Dieser versuchte seine technischen Vorteile und seine Reichweite zu nutzen, fand aber bis auf einige gute Aktionen kein Gegenmittel gegen den angreifenden Arslan. So war es am Ende so, dass Hernandez klarere Treffer an den Mann bringen konnte, Arslan aber mehr schlug. Nach zwölf Runden mussten die Punktrichter entscheiden. Einer sah dabei den Herausforderer vorn, doch zwei werteten das Duell für den deutlich jüngeren Weltmeister, der damit seinen IBF-Gürtel weiter um die Hüften tragen darf.

Die Reaktion der Zuschauer nach diesem Urteil war eindeutig. Viele Buhrufe sprachen dafür, dass die Zuschauer in der Halle einen anderen Sieger gesehen haben. Auch der ARD-Experte Henry Maske sprach von einem Fehlurteil. Trotz des knappen Ausgangs scheint ein Rückkampf in weiter Ferne, sodass die Geschichte für Firat Arslan wahrscheinlich kein Happy End nimmt. Der ehemalige Weltmeister musste seine zweite diskussionswürdige WM-Niederlage in den letzten zwei Jahren hinnehmen, nachdem er im ersten Duell mit Marco Huck 2012 schon wie der sichere Sieger aussah und am Ende eine fragwürdige Punktniederlage einsteckte.

Weniger diskutabel aber nicht mit geringerer Brisanz aufgeladen war der Kampf um die Europameisterschaft von Jack Culcay-Keth mit dem amtierenden Titelträger Isaac Real. Der Spanier ist bekannt für seinen furiosen Kampfstil. Er geht immer vorwärts, was ihm bei seinem Titelkampf neben dem Sieg auch einen Niederschlag einbrachte. Culcay versuchte am gestrigen Abend beim offenen Schlagabtausch mitzumachen, das hatte er auch vorher angekündigt. Der ehemalige Amateurweltmeister ist mittlerweile unter der Rigide seines siebten Profitrainers.

Beide Kontrahenten machten dass, was man von ihnen erwartete. Sie suchten den offenen Schlagabtausch und dabei war es Real der den ersten ganz großen Treffer landen konnte. Mit einer Rechten schickte er den Deutschen zum ersten Mal in den dessen Karriere auf den Ringboden. Dieser ließ sich davon aber nicht aus dem Konzept bringen und konnte mit zunehmender Kampfdistanz das Duell zu seinen Gunsten entscheiden. Zu einem vorzeitigen Sieg reichte dies nicht. Am Ende mussten die Punktrichter ran und die entschieden sich einstimmig für den Herausforderer, der damit einen großen Schritt in seiner Profikarriere machte.

Eben diesen Schritt, auch wenn eine Stufe darunter wollte am gestrigen Abend Tyron Zeuge gehen. Im Kampf um den IBF-International Titel im Supermittelgewicht musste er gegen den deutlich erfahrenen Euskirchener Baker Barakat ran. Zeuge zeigt von Beginn an, wer der Herr im Ring ist und erzielte gleich in der ersten Runde einen Niederschlag. Im weiteren Verlauf spielte er seine technische Überlegenheit aus und sammelte Punkte. Allerdings musste er auch mit einer Verletzung kämpfen. Wie Zeuge nach dem Kampf meinte hat er sich in der dritten oder vierten Runde die Schlaghand verletzt und konnte danach kaum noch damit agieren. Im selben Zeitraum schwoll Barakats Auge immer mehr zu, was in der neunten Runde dazu führte, dass der Deutsch-Syrer aus dem Kampf genommen wurde.

Ein erfolgreiches Debüt feierte Stefan Härtel. Zwar blieb ein vorzeitiger Sieg gegen Oleg Fedotovs aus, aber der Olympiateilnehmer zeigte seine große Amateurerfahrung und boxte taktisch clever. Am Ende wurde er einstimmig zum Sieger erklärt.

Yoan Pablo Hernandez vs. Firat Arslan
16. August 2014
Messehalle, Erfurt, Thüringen

IBF-Weltmeisterschaft im Cruisergewicht
Yoan Pablo Hernandez bes. Firat Arslan per Mehrheitsentscheid

WBA Intercontinental Meisterschaft/ EBU Europameisterschaft im Halbmittelgewicht
Jack Culcay-Keth bes. Isaac Real einstimmig nach Punkten

IBF-International Meisterschaft im Supermittelgewicht
Tyron Zeuge bes. Baker Barakat via T.K.o. in Rd. 9

Noel Gevor bes. Ismail Abdoul einstimmig nach Punkten
Stefan Härtel bes. Olegs Fedotovs einstimmig nach Punkten
Dennis Ceylan vs. Christian Montilla endete Unentschieden
Abel Gevor bes. Attila Palko einstimmig nach Punkten