Ergebnisse

Dimitrenko tut sich schwer, gewinnt nach Punkten

Mit einem Europameisterschaftskampf feierte der Hamburger Traditionsstall Universum an diesem Samstag nach sechs Monaten ohne Veranstaltung sein Comeback auf dem Parkett des deutschen Profiboxens. Während dabei die Nachwuchstalente den an sie gesteckten Erwartungen voll gerecht wurden, waren es vor allem die Veteranen in den oberen Regionen der Fight-Card, die nicht so recht zu überzeugen wussten.

Im EM-Duell konnte sich der britische Herausforderer Michael Sprott von Beginn an, trotz deutlicher Reichweitennachteile, recht gut gegen Champion Alexander Dimitrenko verkaufen und selbst einige schöne Treffer landen. Dimitrenko behielt zwar das Heft in der Hand, tat sich aber zunehmend schwer mit dem Stil des Briten. In Runde neun musste der Wahldeutsche nach einem rechten Haken Sprotts sogar zu Boden, der Ringrichter wertete die Aktion allerdings nicht als Niederschlag.

Sprott stand mit stabiler Doppeldeckung und erwischte Dimitrenko ein ums andere Mal. Dimitrenko blieb beweglich, schlug aber selbst zu wenig und zeigte starke Defizite in seiner Defensive. So kassierte er am Ende des zehnten Durchgangs eine schwere Rechte und wackelte, Sprott wollte nachsetzen, doch die Pausenglocke kam ihm zuvor. Ein Treffer fand nach dem Pausensignal sein Ziel, wofür man dem Briten zu Beginn der elften Runde einen Punkt abzog.

Sprott fand das wenig erfreulich und agierte sichtlich aggressiv mit wilden Schwingern und vor allem wiederholtem Abdrücken und Wegstoßen seines Gegners. Nach mehrmaliger Ermahnung zog der Ringrichter ihm deshalb im letzten Durchgang einen weiteren Punkt ab.

Nach 12 Runden entschieden die Punktrichter mit 117-111, 116-111 und 119-108 für Dimitrenko – ein, trotz der beiden Punktabzüge, vielleicht zu eindeutiges Ergebnis, nach einem harten Fight für den Universum-Schützling, der nach eigener Aussage aber noch immer von einer baldigen WM-Chance träumt.

Der kubanische Ringveteran Juan Carlos Gomez wirkte im Co-Hauptkampf gegen den kleineren, aber bulligen Darnell Wilson über die Maßen unmotiviert und ging ein dementsprechend unattraktives Tempo. Auch Wilson konnte wenig zu einem spannenden Kampfverlauf beitragen, er boxte limitiert und verließ sich praktisch ausschließlich auf vereinzelte Overhand-Schläge mit der Rechten. Gomez weigerte sich beharrlich diese zu blocken und nahm so über die gesamte Kampfdistanz immer wieder Treffer. Er selbst tat zu wenig, um das Punktgericht von sich zu überzeugen und verlor so nach zehn Runden mit 96-94, 96-94 und 95-95 durch mehrheitlichen Punktentscheid.

Der eigentlich als Favorit in den Kampf gestartete Gomez erklärte seine ernüchternde Leistung nach dem Kampf mit einer Verletzung an der linken Schulter, die er sich nach eigener Aussage in der Wettkampfvorbereitung zugezogen hatte. "Mit einer Hand kann man nicht gewinnen", so der 38-Jährige.

Den ersten Live-TV-Kampf des Abends bestritten die beiden Rechtsausleger Rakhim Chakhkiev (11-0-0, 9 KO) und Michael Simms (21-15-2, 13 KO). Chakhkiev ließ wie gewohnt nichts anbrennen, übersprang die Abtastphase und attackierte den Amerikaner von Beginn an mit seinen harten Haken. Da Simms statt durch Eigeninitiative eher mit stabiler Doppeldeckung glänzte, ging Chakhkiev zunächst vermehrt zum Körper. Das zeigte Wirkung. Simms ließ die rechte Hand hängen und kassierte prompt einen linken Haken, der ihn kurz vor Ende des zweiten Durchgangs auf den Allerwertesten beförderte. Er ließ sich Zeit mit dem Aufstehen und rettete sich so in die Rundenpause.

Die dritte Runde überstand Simms noch recht gut, obwohl an er an seiner hängenden Rechten nichts änderte und munter weiter in die linke Schlaghand des explosiven Russen zirkelte. In Runde vier rächte sich dieses Verhalten und Chakhkiev schickte seinen Kontrahenten ein weiteres Mal mit einer Linken zu Boden. Der Ringrichter zählte den sichtlich angeschlagenen Amerikaner aus, seine Ecke warf zeitgleich das Handtuch.

Für beide Boxer war dieser Kampf eine Premiere. Chakhiev bestritt seinen ersten auf zehn Runden angesetzten Kampf – auch wenn er am Ende nur vier Runden andauerte. Für Simms war es die erste vorzeitige Niederlage seiner Karriere. Es ist offensichtlich, dass Olympiasieger Chakhkiev längst für größere Aufgaben bereit ist. Laut Trainer Michael Timm liegt ein Kampf um eine Internationale Meisterschaft in nicht mehr allzu weiter Ferne.

Schwergewichtshoffnung Denis Boytsov (29-0-0, 24 KO) kehrte nach erneuter Hand-OP wieder in den Ring zurück und finalisierte den konditionell schwachen Matthew Greer (14-7-0, 13 KO) in der sechsten Runde, nachdem er ihn bereits im fünften Durchgang mit einem Körperhaken auf die Knie schicken konnte. Der Ringrichter winkte das Duell schließlich ab, nachdem Greer, schwer atmend, nur noch ein kaum bewegliches Ziel für Boytsovs Schläge bot.

Bis dahin bestimmte Boytsov den Kampf wie erwartet, schleuderte seine vorbelastete Rechte aber nicht mehr ganz so explosiv wie früher. Davon abgesehen wirkte der KO-gefährliche Russe fit und motiviert. Sollte die Schlaghand in naher Zukunft keine weiteren Probleme bereiten, müssten wir ihn - vor allem weil das Schwergewicht in Europa recht dünn besetzt ist - schnell in größeren Kämpfen sehen können.

Auch die frühere Dreifach-Weltmeisterin Ina Menzer (27-1-0, 10 KO) feierte nach langer Auszeit mit einem klaren Punktsieg über Aufbaugegnerin Ela Nunez (9-11-1, 2 KO) ein erfolgreiches Comeback. Die Punktrichter werteten den Kampf 80-72, 79-73 und 79-73 für Menzer, die fest entschlossen ist, sich schon bald ihre WM-Gürtel zurückzuholen.

Universum is back
24. September 2011
Dima-Sportcenter in Lohbrügge, Hamburg

EBU-Europameisterschaft im Schwergwicht
Alexander Dimitrenko bes. Michael Sprott einstimmig nach Punkten (117-111, 116-111, 119-108)

TV-Kämpfe
Darnell Wilson bes. Juan Carlos Gomez mehrheitlich nach Punkten (96-94, 96-94, 95-95)
Rakhim Chakhkiev bes. Michael Simms via KO nach 1:43 in Runde 4
Denis Boytsov bes. Matthew Greer via TKO nach 1:25 in Runde 6
Ina Menzer bes. Ela Nunez einstimmig nach Punkten (80-72, 79-73, 79-73)

Vorprogramm
Vitali Tajbert vs. Andrey Kostin
Taras Bydenko vs. Pavel Dolgovs
Samariddin Holboev vs. Csaba Toth
Said Rahimi vs. Stanislavs Leonovs
Siruk Donsdean vs. Aleksandrs Tomadze
Adam Lautenschlaeger vs. TBA

Die Ergebnisse der Vorkämpfe werden in Kürze nachgereicht.