Ergebnisse

Die Marienkäfer-Prophezeiung

Das Ende einer langen Durststrecke: Sebastian Baron. (Fotos: Valentino Kerkhof, SportMMA)

Valentino Kerkhof ist als einer der fleißigsten Fotografen fast jedes Wochenende unterwegs, um Schnappschüsse zu schießen und den MMA-Sport zu unterstützen. An Fronleichnam, dem 7. Juni, war er als GroundandPound-Fotograf bei der zweiten „Real FC“-Veranstaltung von Jedrzej „AJ“ Jerzewski in Schwelm vor Ort. Die große – und heiß debattierte - Frage des Abends war, wer sich im Hauptkampf der feinen Gala durchsetzen würde. Sebastian „Pusteblume“ Baron oder sein Kontrahent mit dem weitaus martialischer anmutenden Spitznamen „Karl Stahl“, Niko Lohmann.

An Kerkhofs Meinung erinnert sich Baron einen Tag nach dem Kampf mit einem Schmunzeln und verrät GroundandPound gegenüber: „Ich habe gerade einen Spaziergang gemacht, als er (Kerkhof, d. Red.) an der Halle ankam. Mitten im Gespräch sagte er plötzlich: 'Oh, Sebastian, da!', und zeigte auf meine Brust, wo ein Marienkäfer gelandet war. 'Das ist ein Zeichen!'“

Ruhrpott-Legende Ralf Richter führte durch den Abend. Ob es Kerkhofs Marienkäfer-Prophezeiung zu verdanken war, dass Ringrichter Gökhan Aydin am späten Abend Sebastian Barons Arm hob und ihn zum Sieger des Hauptkampfes kürte, ist unklar. Sicher ist nur, dass der mittlerweile schon 37-jährige Wuppertaler mit dem Sieg eine über drei Jahre und sechs Kämpfe umspannende Durststrecke beenden konnte. Der Leitwolf des Wuppertaler Alligator Rodeo Teams hatte in der Zeit schon fast vergessen, wie es ist, im Ring zu jubeln.

Ein bitteres Gefühl, das wie Lebertran die Kehle herunter läuft. Und an das sich sein Kontrahent Niko Lohmann langsam aber sicher gewöhnen muss. Seit seinem Abschied von Sparta Essen läuft es alles andere als rund für den begabten Bodenkämpfer mit dem Hang zur unterhaltsamen Selbstdarstellung. Sein Spitzname „Karl Stahl“ prangt groß auf seinem linken Oberarm tätowiert, doch war an jenem Donnerstagabend Karls Stahl nicht hart genug, um eine Pusteblume zu erschlagen.

Lohmann (l.) und Baron im Schlagabtausch.Frenetisch von den jeweiligen Fanlagern unterstützt, legten Baron und Lohmann, zwei Kultfiguren der hiesigen MMA-Szene, Einmärsche hin, die die Stimmung vollends zum Kochen brachten. Lohmann ließ sich von drei kreidebleichen aber durchtrainierten Breakdancern mit „Team Stahl“-Unterhemd zelebrieren, während Baron mehr Wert auf die Akustik legte:  Er lief mit „Amada Mia Amore Mio" von El Pasador ein und setzte damit ein schönes Zeichen in der von hartem Rap und Metal-Klängen künstlich tough gehaltenen Welt der Mixed Martial Arts.

Böses Blut zwischen beiden Athleten hin oder her – noch vor dem Kampf einigten sie sich darauf, dass Ellenbogenschläge zum Kopf am Boden erlaubt sind. Im Kampf sollte keiner der beiden diese Technik anwenden. Die Verkrampfung von Kämpfern, die mit sechs (Baron) bzw. zwei (Lohmann) Niederlagen in Folge nun um ihre sportliche Zukunft kämpften, lag hingegen greifbar in der Luft. Clinch, Frontkick Baron, Knie Lohmann, Takedown Lohmann, Sweep Baron, Fehler Lohmann beim Takedown-Versuch, Guillotine Choke Baron, Kampfabbruch, 1:44 Kampfzeit.

Baron mit dem Sieg-bringenden Würgegriff. Trotz der kurzen Kampfzeit, die vom Blitz-Submission-Sieg des Essener Bodenkampfexperten Ali-Selcuk Ayin im Co-Hauptkampf noch deutlich getoppt wurde, war Real FC 2 sein Geld wert und eine Veranstaltung, die man so schnell nicht vergisst. Veranstalter „AJ“ Jerzewski war sichtlich zufrieden und bekam nicht viel über die Lippen außer dem Wort „Danke“ und einer tiefen, ehrlichen Verbeugung. Mehr Worte waren auch nicht nötig an einem Abend, an dem ein Marienkäfer einer Pusteblume half, Stahl zu verbiegen...

Alle Interviews und Kämpfe zur Veranstaltung gibt es unter www.gnp-tv.de.

Die Ergebnisse in der Übersicht:

Real Fighting Championship 2
7. Juni 2012
Eventhalle Schwelm

MMA

Sebastian Baron (Alligator Rodeo Team) bes. Niko Lohmann (Team Stahl/Fightland Witten) via Guillotine Choke nach 1:44 in Runde 1

Ali-Selcuk Ayin (Sparta Essen) bes. Amanat Bekov (Combat SamboDortmund) via Armbar nach 0:28 in Runde 1

Björn Hieber (Alligator Rodeo Team) bes. Max Stritter (Team Wietzorreck) einstimmig nach Punkten nach 3x4 min.

Mujko Mujanovic (Sportpalast Bielefeld) und Krzysztof Kasek (Club de Leao) trennen sich Unentschieden nach 3x4 min.

MMA Amateur

Mohammed Raouffi (Combat Club Cologne) bes. Lewis Becker (Club de Leao) via KO (Schlag) nach 2:53 in Runde 1

Alchast Hankarov (The Unit BJJ) bes. Max von Kohout (Combat Club Bonn) via Kimura nach 2:54 in Runde 1

Omar Saili (Team Wietzorreck) bes. Milosz Pak einstimmig nach Punkten nach 3x3 min.

Patric DeSousa Carneiro (Team Evolution) bes. Tomasz Gdawiec (Fight Lounge Dortmund) via KO (Highkick) nach 0:48 in Runde 1

Onur Bozkurt (Team Alpha) bes. Luca Jatzek einstimmig nach Punkten nach 3x3 min.

Tobias Thiago Huber (MMA Mannheim) bes. Naser Wahabi (Team Alpha) via Guillotine Choke nach 1:47 in Runde 3

Grappling

Josha Janzen (Fight Lounge Dortmund) bes. Robert Korgol (Team Evolution) via Choke nach 5:06

Dominik Helmes (Team Wietzorreck) und Robin Machelett (Team Evolution) trennen sich Unentschieden nach Overtime

K-1 D-Klasse

Alexander Weber (Team Evolution) bes. Pedro Henriques (Fight Lounge Dortmund) mehrheitlich nach Punkten nach 3x1,5 min.