Ergebnisse

Deutschland und Schweiz räumen ab

Impressionen von der Shooto-EM in Aschaffenburg. (Foto: Valentino Kerkhof/SportMMA)

Über 100 Teilnehmer haben die ersten in Deutschland abgehaltenen Europameisterschaften im Amateur-Shooto zur größten Amateur-Veranstaltung in unserem Land gemacht. Sportler aus Norwegen, Italien, Spanien, Griechenland, Frankreich, Holland, Belgien, Luxemburg, der Schweiz und Deutschland traten am 30. Juni in zehn Gewichtsklassen um die Medaillen an.

Diese Europameisterschaften waren ein großer und wichtiger Beitrag für den MMA-Sport in Deutschland, der durch die Arbeit von Peter Angerer, Präsident von Shooto Germany, und Philipp Krebs, Präsident der Deutschen Shooto-Kommission, und ihrem Team möglich gemacht wurde.

Nach einem langen Tag in der von Achilleas Chalkidis und Franco De Leonardis bereitgestellten Arena Aschaffenburg belegte Deutschland mit viermal Gold und viermal Silber den ersten Platz in der Nationenwertung, vor der Schweiz und Norwegen. Trotz der beschwerlichen Hitze riefen die Sportler schon bei den 53 Duellen am Nachmittag Leistungen und Kämpfe ab, die teilweise auch für angesehene Profiveranstaltungen eine Bereicherung gewesen wären.

Im Hauptkampf der Abendveranstaltung ging es in einem deutsch-deutschen Duell um den Europameistertitel in der Klasse bis 91 Kilo. Brian Fischer (The Unit BJJ) aus Hagen traf auf den Pforzheimer Mijo Milos (S.I.T. Vale Tudo Team Pforzheim), die amtierende Nr. 1 in der deutschen Rangliste der C-Klasse. Fischer hatte sich im Halbfinale gegen den belgischen Shooto-Meister Kevin Hays (Team Shaolin) durchgesetzt, während Milos den starken Norweger Sulim Dzhamurzaev (Frontline Academy) in einer harten Schlacht im Stand besiegt hatte.

Fischer verkürzte die Distanz mit einem Frontkick und holte sich nach einigem Gerangel im Clinch ein Takedown, nach dem er in der Mount-Position landete. Von dort aus blockte er die Sweep-Versuche von Milos und arbeitete darauf hin, einen Arm zu isolieren, was jedoch zu nichts mehr führte.

Die zweite Runde war ein Spiegelbild der ersten: Fischer punktete mit einem Takedown aus dem Clinch und verbrachte die restliche Zeit damit, die Mount-Position zu halten. Der Punktsieg und der Titel gingen somit an Fischer.

-70 Kilo: Drei Schweizer auf dem Treppchen

In der Klasse bis 70 Kilo standen sich zwei Schweizer Talente gegenüber: Lorenzo Navarro (Enomoto Dojo) und Marko Kovacevic (Fight Move Academy). Im offenen Schlagabtausch schenkten sich beide nichts, doch zum Ende der ersten Runde hin sicherte sich Navarro nach einem Takedown die Back Mount und damit den Vorsprung auf den Zetteln der Punktrichter.

Kovacevic brachte Navarro in Runde zwei mit einem rechten Haken zu Fall. Navarro befreite sich aus der anschließenden Side Control von Kovacevic und arbeitete auf einen Fußhebel hin. Aus einem Scramble nahm Navarro erneut die Back Mount ein, Kovacevic drehte sich aber und landete in Navarros Guard. Navarro holte sich nach einem Sweep die Mount und sicherte sich somit den Punktsieg und den Titel.

In der Nationenwertung liegt Deutschland zwar vor der Schweiz, die Schweiz erkämpfte sich aber eine Medaille mehr. Dementsprechend zufrieden zeigte sich Patrick Drees, Repräsentant von Shooto Switzerland, mit seinen Schützlingen:

„Letztes Jahr habe ich im Interview gesagt, wir schicken eine starke Delegation und holen diverse Titel heim, vom gestrigen Resultat war ich aber selbst beeindruckt. Ich habe vor dem Turnier den Mund ziemlich voll genommen, doch die Jungs ließen mich nicht hängen. Wir konnten bei sieben Gewichtsklassen, in denen wir vertreten waren, viermal Gold und zweimal Silber mit nach Hause nehmen. Besonders in den am härtesten umkämpften Gewichtsklassen mit den meisten Teilnehmern, dem Haifischbecken der 76kg- und 83kg-Klasse, stand am Schluss ein Schweizer ganz oben. Ich bin stolz auf alle Jungs, die teilgenommen haben, und wir konnten auch dem letzten Kritiker zeigen, dass wir Schweizer nicht nur für Löcherkäse und einen lustigen Akzent gut sind. Mit einer derart starken Basis im Amateur werden in wenigen Jahren auch die Profis nachrücken.“

+60 Kilo Frauen: Zwei Medaillen für Deutschland

Erstmals in der Geschichte der Europameisterschaften im Amateur-Shooto fanden auch Finalkämpfe der Frauen statt. Aufgrund geringerer Teilnehmerzahlen und verletzungsbedingter Ausfälle mussten die Gewichtsklassen zusammengelegt werden. In der Klasse über 60 Kilo gab es dann auch nur einen einzigen Kampf, den Finalkampf. In diesem standen sich zwei deutsche Kämpferinnen gegenüber, die Reutlingerin Kristin Handel (German Top Team) und Madeleine Zehnter (Arena Aschaffenburg). Zehnter nahm den Kampf mutig an, obwohl Handel ganze 19 Kilo schwerer war als sie.

Handel nutzte ihren Größen- und Gewichtsvorteil dann auch aus, um ringerisch die Oberhand zu behalten. Im Stand punktete sie mit Schlägen und Kniestößen, während sie die Takedowns der kampfeslustigen Zehnter abwehrte und auf dem Boden deren Aufgabegriffe abschüttelte. Punktsieg und Titel gingen nach zwei Runden an Handel.

-100 Kilo: Gold für Norwegen

Der Norweger Kenneth M. Bergh (Frontline Academy) und der Grieche Arhontis Taksiarhis (Shooto Hellas) begannen ihren Kampf mit kräftigen Bomben im Stand. Eine davon traf Bergh so schwer, dass er vom Ringrichter angezählt werden musste. Nachdem er weiterkämpfen durfte, änderte Bergh seine Taktik und holte Taksiarhis mit einem Takedown von den Beinen.

In der zweiten Runde schwang der Grieche weiterhin kräftig mit den Fäusten, wurde aber im Stand von Bergh mit dem Rear Naked Choke überlistet. Bergh warf Taksiarhis auf die Matte und musste nicht einmal mehr seine Beine einhaken, um sich mit dem Würgegriff den Aufgabesieg und den Titel zu sichern.

Benjamin Nüßle gewinnt Profikampf

Im einzigen Profikampf des Abends kehrte der „Superior FC“-Turnierteilnehmer Benjamin Nüßle (German Top Team) aus Reutlingen gegen den Münchner Kristian Ozimec (Team Sanefighting) auf die Siegerstraße zurück.

Der Kampf begann mit einem kurzen Schlagwechsel. Nüßle versuchte dann ein Takedown, nach dem allerdings Ozimec in der Mount-Position landete. Nüßle gelang der Sweep und der Pass in die Side Control. Ozimec konnte wieder aufstehen, wehrte ein Takedown ab und arbeitete dann aus Nüßles Guard heraus.

Kurz vor Schluss der Runde rutschte Nüßle bei einem Tritt aus und knallte mit Kopf und Nacken auf die Matte. Ozimec zeigte sich als fairer Sportsmann und setzte nicht mit Schlägen nach. Der Ringrichter unterbrach den Kampf und gab Nüßle Zeit, sich zu erholen – das Duell konnte fortgesetzt werden.

Zu Beginn der zweiten Runde war Nüßle direkt mit einem Trip-Takedown in die Half Guard erfolgreich. Ozimec holte sich die Guard, doch kurz darauf ging es in den Stand zurück. Auch Ozimec rutschte nun bei einem Tritt aus, blieb allerdings im Kampf. Nüßle bedrängte Ozimec erst aus der Turtle-Position, dann aus der Side Control, von wo aus er schließlich einen Kimura ansetzte, mit dem er Ozimec zur Aufgabe zwang.

-83 Kilo: Schweiz vor Norwegen

In der Klasse bis 83 Kilo hatte wieder ein Schweizer die Nase vorne. Daniel De Maddalena (Icon Jiu-Jitsu) ließ sich mit dem Norweger Jorgen Gad (Frontline Academy) zunächst auf einen offenen Schlagabtausch ein, dann punktete er mit zwei Trip-Takedowns. Zwei Versuche, einen Fußhebel anzusetzen, schlugen jedoch fehl.

In der zweiten Runde folgte wieder ein Schlagwechsel dem nächsten, ehe De Maddalena ein Takedown durchzog und sich mit der Einnahme der Mount-Position einen weiteren Vorteil erarbeitete. Nach zwei Runden gingen der Punktsieg und der Titel an De Maddalena.

-60 Kilo: Schweiz schlägt Deutschland

Das Finale der Klasse bis 60 Kilo war eines von nur zwei Finalen, in dem Kämpfer aus Deutschland und der Schweiz gegeneinander antraten.

Der Reutlinger Brian Gensicke (German Top Team), aktuell die Nr. 1 in der deutschen Rangliste der C-Klasse, versuchte in der ersten Runde gegen Cris Hadji (Fight Move Academy) mehrere Takedowns, landete aber jedes Mal selbst auf dem Rücken. Hadji verteidigte sich in Gensickes Guard und punktete am Ende der Runde noch mit einem Slam.

Ein Schlagabtausch läutete die zweite Runde ein. Anschließend zog Gensicke Hadji in seine Guard, wo der Schweizer bis zum Ende der Runde ausharrte. Punktsieg und Titel wurden nach den beiden Runden Hadji zugesprochen.

+100 Kilo: Schlacht im Stand

Der Norweger Andreas Lagaard (Frontline Academy) und der Schweizer Igor Pellivan (Team Reiz) bekämpften sich erbittert im Stand. Pellivan hatte mit Schlägen Erfolg, während Lagaard ihm mit Lowkicks und Kniestößen zusetzte.

Die Takedowns, die Lagaar in jeder Runde einstreute, besiegelten schlussendlich seinen Punktsieg.

-76 Kilo: Kampf des Abends

Den „Kampf des Abends“ legten die beiden Finalisten in der Klasse bis 76 Kilo hin, einer der spannendsten Klassen bei diesen Europameisterschaften, die zudem die meisten Teilnehmer zu verzeichnen hatte.

Der Schweizer Ange Loosa (Fight Move Academy) und der Viernheimer Fabian Ultes (Body Attack Viernheim) kämpften nach einem Schlagabtausch verbissen um ein Takedown. Loosa nahm Ultes aus dem Stand in Anaconda Choke und zerrte ihn auf die Matte, aber Ultes wollte um keinen Preis aufgeben. Schließlich ließ Loosa von dem Würgegriff ab und es ging in den Stand zurück, wo sich die beiden einen offenen Schlagabtausch lieferten. Wenige Sekunden vor Schluss der Runde versuchte es Ultes mit einem waghalsigen eingesprungenen Armhebel.

Loosa setzte zu Beginn der zweiten Runde im Stand die besseren Akzente und führte dann ein Takedown aus. Ultes nahm ihn im Fallen in den Guillotine Choke, doch Loosa befreite sich wieder daraus. Anschließend orderte der Ringrichter die Kämpfer in den Stand zurück, wo Loosa weiter Gas gab.

Loosa griff Ultes mit einem Superman Punch an – mit diesem Schlag hatte Loosa in der Vorrunde bereits einen spektakulären Knockout erzielt. Ultes schien mit dieser Aktion gerechnet zu haben, denn er schoss Loosa im Sprung mit einer Rechten ab. Loosa rettete sich mit einem Takedown in die Guard vor weiterem Schaden und gewann kurz darauf den Titel nach Punkten.

-65 Kilo: Schwäbisches Nachwuchstalent holt Gold

Mit zwei Aufgabesiegen und einem großartigen Knockout via Headkick kämpfte sich der Stuttgarter Nicholas Djember (Stallion Cage) in der Klasse bis 65 Kilo ins Finale gegen den flinken Holländer Arshin Dehghani (Tatsujin Dojo) vor.

Djember und Dehghani wechselten sich mit Kicks ab, ehe Dehghani zu einem Takedown ansetzte und die beiden im Clinch zweimal quer durch den Ring stürmten. Dehghani konnte Djember schließlich von den Beinen holen, doch nur wenige Sekunden später landete er in einem Triangle Choke, aus dem es für ihn kein Entkommen mehr gab.

-60 Kilo Frauen: Gold für Deutschland

Im ersten Kampf der Abendveranstaltung traf Tanja Hoffmann aus Bad Griesbach nach längerer Auszeit auf die Holländerin Miranda Berendijk (Tatsujin Dojo). Hoffmann brachte Berendijk gleich mit mehreren Links-Rechts-Kombinationen in Bedrängnis. Dann feuerte sie Kniestöße ab und warf Berendijk mit einem Hüftwurf in die Kesa-Gatame. Von dort aus erarbeitete sich Hoffmann mit einem Armhebel den schnellen Aufgabesieg.

Peter Angerer zog exklusiv für GroundandPound ein Resümee von den Europameisterschaften.

Valentino Kerkhof hat auf der Facebookseite von SportMMA erste Bilder der Abendveranstaltung.


12. Europameisterschaften im Amateur-Shooto
30. Juni 2012
Arena Aschaffenburg

Finale -91 Kilo
Brian Fischer bes. Mijo Milos nach Punkten

Finale -70 Kilo
Lorenzo Navarro bes. Marko Kovacevic nach Punkten

Finale +60 Kilo Frauen
Kristin Handel bes. Madeleine Zehnter nach Punkten

Finale -100 Kilo
Kenneth M. Bergh bes. Arhontis Taksiarhis nach Punkten

B-Klasse Superfight
Benjamin Nüßle bes. Kristian Ozimec via Kimura in Rd. 2

Finale -83 Kilo
Daniel De Maddalena bes. Jorgen Gad nach Punkten

Finale -60 Kilo
Cris Hadji bes. Brian Gensicke nach Punkten

Finale +100 Kilo
Andreas Lagaard bes. Igor Pellivan nach Punkten

Finale -76 Kilo
Ange Loosa bes. Fabian Ultes nach Punkten

Finale -65 Kilo
Nicholas Djember bes. Arshin Dehghani via Triangle Choke in Rd. 1

Finale -60 Kilo Frauen
Tanja Hoffmann bes. Miranda Berendijk via Armhebel in Rd. 1

 

Die Platzierungen in der Übersicht:

Frauen -60 kg
1. Platz: Tanja Hoffmann (Bad Griesbach/Deutschland)
2. Platz: Miranda Berendijk (Tatsujin Dojo Deventer/Holland)

Frauen +60 kg
1. Platz: Kristin Handel (German Top Team/Deutschland)
2. Platz: Madeleine Zehnter (Arena Aschaffenburg/Deutschland)

Herren -60 kg
1. Platz: Cris Hadji (Fight Move Academy/Schweiz)
2. Platz: Brian Gensicke (German Top Team/Deutschland)
3. Platz: Vinko Roditi (Icon Jiu-Jitsu/Schweiz)

Herren -65 kg
1. Platz: Nicolas Djember (Stallion Cage Stuttgart/Deutschland)
2. Platz: Arshin Dehghani (Tatsujin Dojo Amsterdam/Holland)
3. Platz: Alexandros Petridis (Shooto Hellas/Griechenland)

Herren -70 kg
1. Platz: Lorenzo Navarro (Enomoto Dojo/Schweiz)
2. Platz: Marko Kovacevic (Fight Move Academy/Schweiz)
3. Platz: Yanick Isenmann (KC Anglikon/Schweiz)

Herren -76 kg
1. Platz: Ange Loosa (Fight Move Academy/Schweiz)
2. Platz: Fabian Ultes (Body Attack Viernheim/Deutschland)
3. Platz: Joachim Tollefsen (Frontline Academy/Norwegen)

Herren -83 kg
1. Platz: Daniel De Maddalena (Icon Jiu-Jitsu/Schweiz)
2. Platz: Jorgen Gad (Frontline Academy/Norwegen)
3. Platz: Giulio Nadalin (Shooto Italy/Italien)

Herren -91 kg:
1. Platz: Brian Fischer (The Unit BJJ Hagen/Deutschland)
2. Platz: Mijo Milos (S.I.T. Vale Tudo Team Pforzheim/Deutschland)
3. Platz: Kevin Hays (Team Shaolin/Belgien)

Herren -100 kg
1. Platz: Kenneth M. Bergh (Frontline Academy/Norwegen)
2. Platz: Arhontis Taksiarhis (Shooto Hellas/Griechenland)
3. Platz: Markus Bürgi (Frota-Team Nogueira/Schweiz)

Herren +100 kg
1. Platz: Andreas Lagaard (Frontline Academy/Norwegen)
2. Platz: Igor Pellivan (Team Reiz/Schweiz)
3. Platz: Dave Felida (R-Grip Amsterdam/Holland)

 

Die Nationenwertung:

1. Platz: Deutschland (4 Gold, 4 Silber)
2. Platz: Schweiz (4 Gold, 2 Silber, 3 Bronze)
3. Platz: Norwegen (2 Gold, 1 Silber, 1 Bronze)
4. Platz: Holland (2 Silber, 1 Bronze)
5. Platz: Griechenland (1 Silber, 1 Bronze)
6. Platz: Italien und Belgien (jeweils 1 Bronze)