Ergebnisse

Der MMA-Marathon von Düren

Das Objekt der Begierde von Superior FC. (Foto: Valentino Kerkhof/SportMMA)

Im vierten Teil ihres 2012er Turniers zeigten die Macher hinter Superior FC am gestrigen Abend in Düren eine Mammut-Show, die voll überzeugte. Titelkämpfe, Turnierhalbfinale, sehenswerte Schlachten und ein Skandal sorgen dafür, dass der NRW-Ausflug der Frankfurter Veranstaltungsreihe noch lange für Gesprächsstoff sorgen wird.

Göttelich gemacht
Fliegengewicht Dimitri Götte ließ gegen Miroslav Asenov nichts anbrennen und stoppte ihn nach knapp über 90 Sekunden Kampfzeit mit einem Rear Naked Choke.

St. Pauli Style
Der Hamburger Kamil Lipski kopierte im zweiten Kampf Göttes Blitz-Taktik und überrumpelte Willi Frank, entschied sich aber nicht für einen Hebel, sondern für die Working-Man's-Submission: präzise und knallharte Schläge, die den Gegner zum Abklopfen bringen.

Kontrollier den Boss
Sich mit Onur Bozkurt auf ein offenes Schlagduell einzulassen, ist Harakiri der feinsten Art. Rasim Lemberskij wusste das und nutzte seine soliden Sambo-Kenntnisse, um Bozkurt am Boden zu kontrollieren und sich nach drei Runden den entscheidenden Punkte-Vorsprung zu sichern.

Aoki, ick hör' dir trapsen!
Martin Buschkamps bunte und hautenge Grappling-Hose sollte jedem Warnung genug gewesen sein. Sieht lustig aus, ist es aber nicht. Speziell nicht, wenn man ihm im Ring gegenübersteht wie Denny Peters aus den Niederlanden. Ergebnis: Buschkamp-Bodenwirbel a la Aoki, Submission in 43 Sekunden.

Harmonie unter Freunden
Freunden haut man nicht auf die Mütze. Nach fünfzehn Minuten weitestgehendem Grappling-Kampfes löste Niels Wernersbach sein Finalticket in der 93kg-Klasse gegen Tomislav Iverac höchst unspektakulär. Freunde, halt.

Wohldosiertes Feuerwerk
Zwei zehn Sekunden andauernde Usain-Bolt-Sprints umrahmt von vier Minuten rückwärts Kriechen gab es im Titelkampf zwischen Lom-Ali Eskiew und Vladimir Dammer zu bestaunen. Eskiew schlug seinen Gegner in Windeseile mit spektakulärer Aggressivität zu Boden, biss sich danach aber an der technischen Bodenabwehr seines Gegners die Zähne aus. Erst am Ende der Runde reichte ein weiterer Sprint, Takedown und Rear Naked Choke inklusive, um sich den vakanten Leichtgewichtstitel zu sichern.

Nordin Asrih langt zu. (Foto: Valentino Kerkhof/SportMMA)

Deiner ist größer als meiner
Irritierendes Motto für ein sehenswertes Gefecht zweier Veteranen unter PRIDE-Regeln. Nordin Asrih und Philipp Schranz brachten die Halle zum Toben und ließen die Fetzen fliegen. Ein Duell auf Augenhöhe. Entschieden von einem Kämpfer-Problem auf Augenhöhe: einem tiefen Cut im Gesicht des österreichischen Vorzeige-Gladiators, hervorgerufen durch zwei aufeinanderfolgende krachende rechte Geraden von Asrih. Der Ringarzt nahm den enttäuschten Schranz aus dem Kampf, wobei dieser auf Asrih verwies, der ebenfalls einen tiefen Cut an der Augenbraue hatte. Auch der Ringsprecher befand: Asrihs war größer als der von Schranz. Das Urteil war aber gesprochen.  Rückkampf, bitte! Bitte, bitte bitte!

Wer hat's erfunden?
Sicher nicht die Schweizer, sondern Ground-and-Pound-Legende Mark Coleman. Aber was der junge Schweizer Azdren Thaqi im Halbfinale des 66kg-Turniers zeigte, war eine Erwähnung des alten Vorreiters des Zu-Boden-Bringens-und-auf-die-Omme-Hauens alle Male wert. Thaqi ließ wie ein Löwe, der Blut geleckt hat, Soufian Haj Haddou keinen Platz, sein eigenes Arsenal auszupacken. Und er tat gut daran. Beinahe hätte Haddou ihn mit einem Blitz-Armbar überrascht. Nach fünfzehn Minuten siegte Thaqi aber verdient.

Andreas Birgels (l.) auf dem Weg zum Erfolg. (Foto: Valentino Kerkhof/SportMMA)

Payback-Time
Er hat lange warten und in seiner Karriere viele Rückschläge einstecken müssen: Andreas Birgels. Am gestrigen Abend gelang ihm aber der große Wurf, als er den Sambo-Kämpfer Derwisch Cidar gegen Ende der ersten Runde vorzeitig stoppte und den Superior-Titel an sich riss.

Alexander Heinrich (l.) nimmt Maß. (Foto: Valentino Kerkhof/SportMMA)

Heinrich der Wilde
Es gibt sie immer wieder: Diese spezielle Sorte Kämpfer, die erst am Rande der Niederlage stehen muss, bevor sie ihr Potential entfalten kann. Dieser Zeitpunkt war bei Alexander Heinrich gekommen, als ihm der Pole Piotr Niedzielko den Arm derartig übel überstreckte, dass die Zuschauer reihenweise für ihn abklopften und wegsahen. Heinrich blendete den Schmerz aus, entkam dem Hebel und drehte auf. Seinen Gegner wiederholt zum offenen Schlagwechsel auffordernd, drosch Heinrich der Wilde auf Niedzielko ein, der außer seiner Zähigkeit nichts mehr in die Waagschale zu werfen hatte. Kurt Braun, have mercy. Die hatte der Ringrichter auch und krönte Heinrich zum Sieger.

Den Ring gepützt
Stephan Pütz aus München zeigte eine solide Leistung gegen den erfahrenen Bremer Grappler Sascha Ernst. Indem er sich nicht am Boden verknoten ließ und seinerseits mit Schlägen antwortete,  löste der Schlaks sein Ticket ins 93kg-Finale mit einem Zweitrunden-Submission-Sieg.

DSDS
Düsseldorf sucht den Superkämpfer. In Düren leicht fehl am Platze, aber als geniales Duell zweier Jungspunde, die sich rein gar nichts schenkten, wird der Kampf zwischen David Zawada und Kerim Engizek in die Annalen des noch jungen Sports hierzulande eingehen. Beide hatten den vorzeitigen Sieg beinahe in den Händen, beiden standen im Kampfverlauf nur wenige Millimeter vor dem Abgrund, und vor beiden muss man den Hut ziehen. Den Kampfverlauf mit Worten zu beschreiben würde angesichts des dramatischen Hin-und-Hers und der Offensivaktionen tausende Worte verschlingen und wäre nur ein schäbiger Versuch, eine denkwürdige Schlacht in Worte zu fassen. Zawada gewann am Ende knapp aber verdient mehrheitlich nach Punkten und zieht ins Finale des 77kg-Turniers ein.

Serbischer Stolperstein
Jessin Ayari hatte seine liebe Mühe mit einem stark kämpfenden und brandgefährlichen Aleksandar Rajicic, der sich als Bodenkampfexperte entpuppte. Ayari nahm im Kampfverlauf das Heft in die Hand, bekam von Rajacic aber die Nase blutig gehauen. Gutes Ground and Pound des Nürnbergers war am Ende der entscheidende Faktor für den Punktsieg und den Einzug ins 77kg-Turnierfinale.

Schwergewichtskrösus David Shvelidze umringt von seinem Trainer und den Veranstaltern. (Foto: Valentino Kerkhof/SportMMA)

Der 120-Kilo-Kolibri
Georgien-Import David Shvelidze zeigte in seinem Schwergewichtsfinalkampf trotz stattlichem Bauchumfang flinke Beinarbeit und astreine Technik. Geschmeidig und grazil wie ein kleiner Vogel – gefangen im Körper eines holzfällenden Bergbewohners – trat und schlug er sich in knapp einer Minute zum Sieg gegen Nugzar Beridze, dessen Titelhoffnungen ein platzierter Shvelidze-Haken abrupt beendete.

Der Zalewski-Skandal
Deutschlands Vorzeige-Mittelgewicht Gregor Herb hatte im Hauptkampf arge Probleme mit dem unbeschriebenen Blatt aus Polen, Pawel Zalewski. Der Allrounder war hochmotiviert und entkam dem Grappling-Meister mehrfach aus prekären Situationen am Boden. Zum Ende der ersten und zu Beginn der zweiten schaffte er es sogar, Herb mit platzierten Schlägen auf die Bretter zu schicken. Lediglich ein Punktabzug für illegales Verhindern eines Takedowns trübte seine Leistung. Im dritten Durchgang legte Herb alles daran, den Punkterückstand wettzumachen, konnte außer vorsichtiger Kontrolle aber kaum Offensivaktionen verbuchen. Fünfzehn Sekunden vor Ende des Kampfes schallte es daher auch aus Herbs Ecke: „Setz' alles auf eine Karte, versuch den Armbar!“

Herb tat dies auch, wurde aber gekontert. Kampf vorbei, Polen feierte. Zalewski standen nur noch die Punktrichter im Weg. Mehrheitlich wurde für Herb gewertet! Ein Skandal. Zalewski war entsetzt, Polen trauerte und die Fans in der Halle pfiffen sich die Seele aus dem Leib. Heimvorteil, ein an sich schönes Wort, dessen Bedeutung aber eine grässliche, immer wiederkehrende Plage im Kampfsport beschreibt. Herb selbst ist hier kein Vorwurf zu machen, er stand im Ring, hat gekämpft, sein Bestes gegeben. Zalewski tat dies ebenso, und sein Bestes war an jenem Abend zumindest ebenbürtig oder knapp besser als das des Freiburgers. Nationalität hin oder her!

Superior FC Tournament 2012 – Part IV
15. September 2012
Arena Düren

Gregor Herb bes. Pawel Zalewski nach Punkten (mehrheitlich)

Schwergewichtsturnier – Finale
David Shvelidze bes. Nugzar Beridze via KO nach 1:13 in Rd. 1

Weltergewichtsturnier – Halbfinale
Jessin Ayari bes. Aleksandar Rajacic nach Punkten (einstimmig)
David Zawada bes. Kerim Engizek nach Punkten (mehrheitlich)

Halbschwergewichtsturnier – Halbfinale
Stephan Pütz bes. Sascha Ernst via Rear Naked Choke nach 1:23 in Rd. 2

Alexander Heinrich bes. Piotr Niedzielko via TKO nach 2:23 in Rd. 2

Mittelgewichtsturnier – Finale
Andreas Birgels bes. Derwisch Cidar via TKO nach 4:34 in Rd. 1

Federgewichtsturnier – Halbfinale
Azdren Thaqi bes. Soufian Haj Haddou nach Punkten (einstimmig)

Nordin Asrih bes. Philipp Schranz via TKO nach 1:43 in Rd. 2

Leichtgewichtsturnier – Finale
Lom-Ali Eskijew bes. Vladimir Dammer via Rear Naked Choke nach 4:42 in Rd. 1

Halbschwergewichtsturnier – Halbfinale
Nils Wernersbach bes. Tomislav Iverac nach Punkten (einstimmig)

Martin Buschkamp bes. Denny Peters via Rear Naked Choke nach 0:43 in Rd. 1

Federgewichtsturnier – Halbfinale
Rasim Lemberskij bes. Onur Bozkur nach Punkten (einstimmig)

Kamil Lipski bes. Willi Frank via Aufgabe nach 2:23 in Rd. 1
Dimitri Götte bes. Miroslav Asenov via Rear Naked Choke nach 1:34 in Rd. 1