Ergebnisse

Bradley schlägt Alexander durch technischen Punktentscheid

Ärgerliches Ende des großen Vereinigungskampfes.

Unter Experten und Fans war es ein lang erwarteter Kampf, im Silverdome in Pontiac, Michigan: die Titelvereinigung zwischen WBO-Halbweltergewichtschampion Timothy Bradley (27-0, 11 KO) und WBC-Titelträger Devon Alexander (21-1-0, 13 KO). Die beiden bis dato ungeschlagenen Talente sollten im Ring ausmachen, wer in ihrer Gewichtsklasse künftig die Spitze der Weltranglisten anführt und einen weiteren Schritt in Richtung eines potentiellen Kampfs gegen Pound-for-Pound-König Manny Paqcuiao geht. Leider nahm die Begegnung ein Ende, dass dem großen Hype im Vorfeld und dem Einsatz beider Boxer nicht gerecht wurde.

Ein unabsichtlicher Kopfstoß Timothy Bradleys verletzte Devon Alexander in der Mitte der zehnten Runde derart am linken Auge, dass er daraufhin nicht mehr in der Lage war, ordnungsgemäß zu sehen. Auf Nachfrage des Ringarztes konnte er das Auge kaum öffnen, der Ringrichter musste den Kampf daher abwinken. Das Regelwerk sieht in einem solchen Fall vor, dass die Karten der Punktrichter ausgewertet werden. Dort setzte sich Bradley einstimmig mit 98-93, 97-93 und 96-95 durch.

Der Kampf verlief jedoch ausgeglichener als es die Punktzahlen vermuten lassen. Bradley war zwar von Beginn an der Aggressor und ließ Alexander kaum eine Sekunde in Ruhe. Dennoch musste er dabei auch viele Hände nehmen. Alexander, der deutlich schnellere und technischere Boxer, bewegte sich viel Rückwärts und konterte, wirkte aufgrund der Aggressivität Bradleys aber oft in die Enge getrieben. Ein Blick auf die Statistiken zeigte jedoch, dass auch er effektiv boxte und, obwohl es oft anders aussah, viele Konterattacken ins Ziel brachte. Am Ende hatte er insgesamt 129 von 475 Schlägen getroffen, Bradley traf von 419 Händen 128. Dafür hatte er die deutlich härteren Fäuste und schien jeden Power-Punch, vor allem seine Rechte, mit voller Wucht zu schlagen, während Alexander sich darauf verließ, mit schnellen Händen Treffer zu erzielen und so Punkte zu kassieren. Eine Taktik, die nicht aufging.

Schon in der dritten Runde verursachte ein Kopfstoß Bradleys einen Cut über Alexanders rechtem Augenlid. Der Cutman konnte die Platzwunde gut verarzten, doch war es nicht der letzte Kopfstoß Bradleys in diesem Kampf - bis zu dessen Ende in Runde zehn gab es davon vier oder fünf Stück. Alle wurden als unabsichtlich gewertet (und damit nicht geahndet) und waren es wahrscheinlich auch, dennoch sollte man bei einer solchen Anzahl an Kopfstößen Verwarnungen aussprechen und im Ernstfall Punktabzüge verhängen. Vor allem bei einem Boxer wie Bradley, der dafür bekannt ist, mit dem Kopf voranzustürmen und dadurch im In-Fight mit dem Schädel des Gegners zu kollidieren. In jedem seiner letzten fünf Kämpfe verursachte ein solcher unabsichtlicher Kopfstoß einen Cut bei seinem jeweiligen Gegner.

In diesem Fall beendete er sogar den Kampf. Bradley lag auf den Punktzetteln vorn und hätte vermutlich sowieso gewonnen, dennoch ist ein solches Ende immer unschön. Der Fight an sich war vielleicht nicht das erwartete große Spektakel, aber dennoch eine sehenswerte Begegnung, die etwas Klarheit in die Spitze der Halbweltergewichtsklasse bringt. Bradley erwartet nun vermutlich ein Kampf gegen Amir Khan, Alexander eventuell ein Duell gegen Marcos Maidana (der zuletzt knapp gegen Khan verlor) oder ein Rückkampf gegen Andrij Kotelnik (gegen den er nur knapp gewann). Im Interview nach dem Kampf beteuerte Alexander, einen baldigen Rückkampf gegen Bradley bestreiten zu wollen. Trotz der Existenz einer solchen Klausel in den Verträgen beider Boxer, ist das angesichts der Zukunftsaussichten Bradleys und dem Ergebnis auf den Punktzetteln sehr unwahrscheinlich.

Alexander vs. Bradley
29. Januar 2011
Silverdome in Pontiac, Michigan, USA


WBC Weltmeisterschaft im Halbweltergewicht &
WBO Weltmeisterschaft im Halbweltergewicht

Timothy Bradley bes. Devon Alexander durch technischen Punktentscheid in Rd. 10 (98-93, 97-93 und 96-95)

Vorkämpfe

Bermane Stiverne bes. Kertson Manswell via TKO in Rd. 2
Allen Conyers bes. James De la Rosa einstimmig nach Punkten
Julio Diaz bes. Pavel Miranda via TKO in Rd. 8
Kendall Holt bes. Lenin Arroyo via TKO in Rd. 1
Vernon Paris bes. Emanuel Augustus einstimmig nach Punkten
Darryl Cunningham bes. Alberto Mercedes einstimmig nach Punkten
Marcus Oliveira bes. Demetrius Jenkins einstimmig nach Punkten
Julian Williams bes. Torrence King via TKO in Rd. 1