Ergebnisse

Bombenstimmung bei Respect.3

Für Veranstalter Ben Helm hätte es am gestrigen Abend kaum besser laufen können. Die Zuschauer kamen in Scharen, füllten die Essener Bergeborbeckhalle prall und sorgten für Bombenstimmung, wenn die Action im Ring von Respect heiß her ging. Genau das sollte gestern keine Seltenheit bleiben, was zum einem an den durchweg starken Leistungen der Athleten, zum anderen an Helms geschicktem Händchen beim Matchmaking lag. Mit Marco Broersen, der inner- und außerhalb des Rings mit großer Umsicht für Ordnung sorgte, war einer der besten Ringrichter ganz Europas anwesend.

Die Fibo in Essen ermöglichte zudem, dass mit Dennis Siver, Pascal Krauss, Andreas Kraniotakes und Carlos Eduardo zahlreiche Spitzenkämpfer vor Ort waren, und es sich natürlich nicht nehmen ließen, das Jahresdebüt von Respect live mit zu verfolgen. Respect.3 setzte Maßstäbe und bot mit dem Hauptkampf zwischen Nordin Asrih und Sebastian Baron eine Schlacht der Gegensätze, die einer der spannendsten Kämpfe in der noch jungen Geschichte des MMA-Sports in Deutschland werden sollte.

Baron, mit Afro und wildem Vollbart, in der blauen, Asrih, mit Millimetergenau rasiertem Bart und mehr Kunstwerk als Frisur, in der roten Ecke standen sich gegenüber. Wuppertal gegen Düsseldorf, und der Mann aus der Stadt mit der weltberühmten Schwebebahn dominierte die erste Runde. Baron zeigte einen schönen Takedown und ließ Asrih mit seiner Kontrolle keine Chance, selbst in die Offensive zu gehen, während er mit Ground and Pound punktete.

Baron setzt Asrih unter Druck.

Erst Anfang Runde 2 wachte Asrih auf, aber es war nicht er selbst, sondern Barons linker Tritt, der das bewirkte. Der Düsseldorfer taumelte benommen zurück in die Ringecke, sammelte sich jedoch schnell wieder und clinchte. Von dort aus begann er, sich mit harten Uppercuts und Haken wieder ins Geschehen zurück zu bringen. Gegen Ende der Runde, in der Baron wieder und wieder seinen linken High Kick mit Erfolg anbrachte, während Asrih boxerisch überlegen war, kochte die Halle. Asrih hatte Baron mit einem platzierten rechten Haken in Bedrängnis gebracht, konnte den Sack aber nicht zumachen, da Baron ihn mit letzter Kraft zu Boden brachte.

Mitte der dritten Runde sind beide vom Kampf gezeichnet.

Zu Beginn des dritten Durchgangs waren beide sichtlich gezeichnet. Baron hatte ein dickes Veilchen unterm linken Auge und eine blutige Nase, während Asrihs rechte Augenbraue von Barons Tritten gecuttet war. Das Publikum war außer sich, als es den beiden Athleten dennoch gelang, ihre Leistung der Vorrunde zu toppen. Barons linker Kick bereitete Asrih weiterhin Kopfzerbrechen, während dem Wuppertaler mit jedem erlittenen Treffer die Puste verloren ging. Mitte der Runde nahm Baron aber allen Mut zusammen und setzte im Vorwärtsgang eine Schlagkombo, die er mit einem Knie abschloss, das Asrih durch die Ringseile schickte. Sichtlich erschöpft und gezeichnet, versuchte Baron, den Kampf mit nur noch 90 Sekunden auf der Uhr zu Boden zu bringen. Sein Takedown wurde gesprawlt, und Asrih setzte sofort einen Guillotine Choke an, der Baron zum Abklopfen zwang.

Respect! Baron (l.) und Asrih (r.) setzen ein Zeichen für den Sport.

Die Fans waren aus dem Häuschen, hatten sie doch gerade einen Kampf erlebt, der an Spannung und Brisanz wohl kaum zu überbieten ist. Beide Kämpfer zeigten alle Facetten des Sports, enormen Kampfgeist und ließen, obwohl Einiges auf dem Spiel stand, die nötige Fairness nicht vermissen. Bezeichnend für den Veranstaltungsnamen Respect, knieten sich beide am Ende der Schlacht auf dem Ringboden gegenüber und zogen den Hut vor der Ausnahmeleistung des Gegenübers. Wer die euphorischen, aber völlig erschöpften Blicke der beiden, einer mit blutender Nase und Veilchen, der andere mit blutender Augenbraue, gesehen hat, weiß, was unseren Sport wirklich ausmacht: Respekt!

Der Berliner Veteran Jesse-Björn Buckler zeigte in seinem Kampf gegen den kleinen, aber ungemein bulligen Hamburger Judoka Andreas Bernhard, dass seine Zukunft im Federgewicht liegt. Vom Abkochen wenig gezeichnet, zeigte Buckler in der ersten Runde sehr schöne Schlag- und Trittkombos, die er meist mit platzierten Knien abschloss. Bernhard gelang es nicht, die Reichweitennachteile zu überwinden und er verstrickte sich in erfolglose Schlagwechsel. Runde zwei begann er aber mit einem Ausrufezeichen: Sofort stürmte er mit Schlägen auf den Berliner zu, um zu clinchen und ihn zu Boden zu bringen. In Windeseile erkämpfte er sich die Side Mount und begann, Buckler mit Knien zum Kopf zu attackieren.

Buckler erwischt Bernhard mit einem platzierten Knie.

Im Verlauf der Runde konnte Buckler im Stand erneut punkten, doch wendete Bernhard den Spieß kurz vor Schluss und warf seinen Gegner mit einem schönen Judowurf auf die Matte. In der entscheidenden dritten Runde setzte Buckler erneut schöne Tritte und Kniestöße, während Bernhard das Tempo nach zwei Minuten sichtlich anzog. Er clinchte, und verteidigte einen Guillotine Choke des Berliners, um diesen aus der Front Headlock-Position erneut mit Knien zum Kopf zu attackieren. Buckler kassierte über zwei Minuten lang Knie, die nicht wirklich hohen Schaden anrichteten, sich aber in Punkte ummünzten. Im Gespräch mit Ground and Pound gab Buckler später zu Protokoll, dass er sich zu dem Zeitpunkt nach Punkten vorne gesehen hatte und daher die eher leichten Knie in Kauf nahm. Ein Kampfentscheidender Fehler: Bernhard gewann nach Ablauf der Kampfzeit die Majority Decision (2-0).

Bernhard gewinnt die Oberhand und lässt Knie auf Bucklers Kopf regnen.

Björn Schmiedeberg, die schwerste Gazelle aus ganz Wuppertal, traf auf den Bremer Sascha Meuthen. Der German Top Five-Kämpfer aus Sebastian Barons Kampfstall legte furios los und brachte Meuthen, nachdem er ihn im Stand mit einer schönen rechten und einem Knie angeknackt hatte, zu Boden. Aus der Full Mount begann er, zu schlagen, doch gelang dem Bremer Meuthen ein schöner Reversal. Nach kurzem Doktor-Check wegen Meuthens blutender Nase ging es weiter, und er setzte mit einem schönen Tritt, der Schmiedeberg zu Boden gehen ließ, erste Akzente. Gegen Ende der Runde punktete Meuthen mit schönen Schlägen, die ihre Wirkung in Schmiedebergs Gesicht hinterließen.

Schmiedeberg kontrolliert Meuthen.

Nach der Pause – und wohl einiger deutlicher Worte seiner Ecke – kehrt mit Schmiedeberg 2.0 ein anderer Kämpfer in den Respect-Ring zurück. Ohne lang zu fackeln, setzte er nach einer brillanten Takedown-Finte einen mörderischen rechten Schwinger, der den FFA-Meister Meuthen nach nur 25 Sekunden KO zu Boden gehen ließ.

Stefan Hebers Duell im Weltergewicht zeigte, dass der zähe Münsteraner in der 77kg-Klasse in Zukunft besser aufgehoben ist. Gegen den ungeschlagenen Laurens-Jan Thijssen aus dem Amsterdamer Mikes Gym brachte er den Kampf schnell zu Boden und bedrohte ihn mit einem eng sitzenden Triangle Choke. Thijssen verteidigte den Griff sehenswert und ging seinerseits in die Offensive. Aus dominanter Position setzte er Schläge und gegen Ende der Runde ein hartes Knie, das Eisenschädel Heber aber wegsteckte.

Heber beendet den Kampf mit einem schönen Armbar.

Runde zwei begann wie die erste, doch verlor Heber seine gut erarbeitete Position, als er beim Rear Naked Choke von Thijssen abgeschüttelt wurde. Thijssen begann, erneut Ground and Pound zu setzen, ließ aber dabei seinen Arm außer Acht und wurde von einem sauber vorbereiteten Armbar Hebers zur Strecke gebracht.

Mit Andre Hagemeister stand ein weiterer FFA-Meister im Ring. Er traf auf den Essener Ringer Manuel Masuch, der mit Bodycount als Einlaufmusik das musikalische Highlight des Abends war. Der Kampf begann langsam, bis Masuch seinen Gegner zu Boden brachte und aus der Half Guard Ground and Pound setzte, das den Kampf zu seinen Gunsten beendete.

Masuch schafft Platz zum Schlagen.

Taifun Luta Livre/IMAG-Schüler Kaan Yesiller traf auf den aus dem Mittelgewicht kommenden Hürther Rainer Prang. Unter den Rufen seines Trainers Armin Eslami begann Yesiller den Kampf offensiv mit einem schönen linken Haken, gefolgt von einem Takedown. Prang reagierte zügig und sweepte Yesiller, musste jedoch sofort einen Guillotine Choke verteidigen. In der Guard von Yesiller kam es dann zu einem unbeabsichtigten Kopfstoß, der den Düsseldorfer aus dem Konzept brachte. Prang übernahm das Ruder und setzte Ground and Pound. Kurz danach verlor Yesiller auf dem Boden eine an sich gute Position, die Prang einen Angriff auf sein Bein ermöglichte. Das nutze der Hürther, um den Kampf mit einem Kneebar für sich zu entscheiden.

Prang (r.) wehrt sich gegen den Takedown von Yesiller.

Lokalmatador Niko Lohmann gelang gegen Mohamed Saleh eine überzeugende Vorstellung. Zügig sicherte er sich den Takedown und erarbeitete sich methodisch und fehlerfrei – inklusive eines verteidigten Guillotine Chokes durch Saleh - den Rear Naked Choke-Sieg.

Niko Lohmann in der Full Mount.

Judo-Schwarzgurt Daniel Jacko zeigte gegen den Paderborner Paul Urbanik sein Können. Runde eins dominierte Jacko mit Takedowns, Würfen und Positionswechseln am Boden fast nach Belieben. Zu Beginn der zweiten suchte Urbanik sein Heil in der Offensive und konnte Jacko mit einem schönen Spinning back Kick in die Ecke drängen, doch läutete ein erneuter Judowurf den Anfang vom Ende für ihn ein. Jacko machte den Sack am Boden mit einem Rear Naked Choke zu.

Jacko dominierte das Geschehen am Boden.

Florian Ziebert gelang es, seinen Gegner Osojan Zurab zu sweepen, nachdem der ihn aus dem Clinch zu Boden gebracht hatte. Dort verschwendete Ziebert keine Zeit und stoppte Zurab schnell mit einem Triangle Choke.

Der Triangle Choke von Ziebert sitzt.

Kevin Demmin hatte in seinem Kampf gegen Michael Erdinc einen schweren Stand. Unterstützt von zahllosen Fans lief der Essener Erdinc vor heimischer Kulisse nämlich zu Hochtouren auf. Er schlug den FFA-Meister Demmin im Stand zu Boden und setzte von da an erbarmungslos nach. Demmin bewies enorme Zähigkeit und schlug, während das Ground and Pound von Erdinc auf ihn niederfuhr, kraftvoll von unten zurück. Erdinc ließ aber nicht mehr los und sicherte sich nach Positionskampf die Back Mount, von wo er den Kampf per TKO für sich entschied.

Erdinc (l.) setzt Demmin schwer zu.

Der Bremer Gasi Achmelov kann sich mit Dan Hardy auf eine Stufe stellen. Während der Brite kürzlich erst von GSP zum Gummimann erklärt wurde, zeigte Achmelov im Kampf gegen den Essener Grappler Ali-Selcuk Ayin, dass er aus dem selben Holz geschnitzt ist – dem des Gummibaums. Ayin sicherte sich sofort den Takedown und bedrohte Achmelov wenig später mit einem Kimura. Achmelov wehrte sich verbissen und war nicht zur Aufgabe zu zwingen, während Ayin den gut sitzenden Hebel weiter anzog, bis selbst die Zuschauer schon die Gesichter verzogen. Achmelov blieb hart und entkam in die Side Mount, aus der er den verblüfften Ayin dann wenig später durch TKO schlug.

Achmelov (o.) im Kampf um die bessere Position.

In den Amateurkämpfen feierte Thorsten Klein zu früh. Er schlug Sören Schmidt nieder, setzte aber nicht nach, sondern drehte sich jubelnd ab. Schmidt stand auf und es ging weiter bis in die zweite Runde, wo Klein das Duell gewann, nachdem der Ringarzt seinen Gegner nicht weiterkämpfen ließ. „Big Country“ Klein ergriff das Mirko und verkündete, es mit den Kämpfern der German Top Five aufnehmen zu wollen.

Thorsten Klein (r.) mit einem passenden Low Kick.

Daniel Kimmling zwang seinen Gegner Chris Drageano nach ausgeglichenem Kampf in der zweiten Runde mit einem Triangle Choke zur Aufgabe. Im ersten Kampf des Abends zwang Hagen Schmidt Christian Spieker nach 45 Sekunden mit einem Kimura zur Aufgabe.

Die einzige Hiobsbotschaft des Abends war die nicht erhaltene Kampffreigabe von Maurice van Waeyenberghe. Das Duell des ungeschlagenen Bremerhaveners gegen den ebenfalls ungeschlagenen Essener Christian Kroetsch wäre sicherlich ein weiteres Schmankerl für die anwesenden Fans gewesen. Nach der Veranstaltung wurde uns versichert, dass der Kampf schon für den vierten Respect.FC-Event im September fest in Planung sei.

Bilder von Sebastian Kappes, www.groundandpound.de.