Ergebnisse

Barnett und Cormier ziehen ins Finale ein

Das Schöne an Turnieren ist ihr unvorhersehbarer Verlauf. Nachdem die einstigen Favoriten des Strikeforce Schwergewichts-Grand Prix, Fedor Emelianenko und Alistair Overeem, ausgeschieden waren, wurden die Karten völlig neu gemischt – und der eine oder andere Joker dabei hervorgezogen. Ein solcher Joker ist Daniel Cormier, der für den verletzten Alistair Overeem einsprang und nun im Finale des Wettbewerbs stehen wird.

Dort trifft er auf den langjährigen Veteranen Josh Barnett, der im Hauptkampf des Abends kaum Schwierigkeiten mit dem russischen Sambo- und Box-Spezialisten Sergei Kharitonov hatte. Anfänglichen Schlägen des Russen wich der Catch-Wrestler gekonnt aus, bevor er ihn mit einem schönen Trip-Takedown zu Boden befördern konnte. Dort sicherte sich der gefährliche Grappler sofort die Mount-Position und bearbeitete Kharitonov mit zähem Ground and Pound. Als er bemerkte, dass er den Kampf mit dieser Strategie nicht zu einem vorzeitigen Ende bringen konnte, wechselte Barnett blitzschnell zu einem Sidechoke, in dem Kharitonov sofort abklopfte.

Josh Barnett beendete seinen Halbfinalkampf somit nach 4:28 Minuten der ersten Runde und scheute sich nicht, eine selbstbewusste Prognose für das Finale abzugeben: „Ich werde den Olympiaringer zu Boden bringen“, gab Barnett eine Kampfansage in Richtung Cormier ab, auf den er im Turnierfinale treffen wird.

Ebenjener Cormier überzeugte im zweiten Halbfinale des Abends, gegen Antonio „Bigfoot“ Silva, aber nicht nur durch starkes Ringen, sondern vor allem durch gefährliches Striking. So schickte er den brasilianischen Hühnen bereits nach wenigen Sekunden mit einer krachenden Overhand auf die Bretter. Silva kam zwar wieder auf die Beine, musste nach einem Single Leg-Takedown aber direkt wieder auf den Boden. Vom Grappling mit dem BJJ-Ass wollte Cormier jedoch nichts wissen und winkte Silva zurück nach oben. Dort wich er einer verzweifelten Schlagserie des Bigfoots aus, bevor er ihn ein weiteres Mal mit einer harten Rechten auf den Allerwertesten und dort mit zwei harten Hammerfäusten ins Reich der Träume beförderte.

Damit steht ein Mann im Finale des Grand Prix, den vor einigen Wochen noch niemand auf der Rechnung hatte, der nicht einmal als Reservekämpfer für das Turnier gelistet war. Nun fordert der zweifache Olympionike: „Gebt mir endlich etwas Respekt!“

Den hat er sich nach überzeugenden Leistungen gegen Jeff Monson und nun Antonio Silva ohne Zweifel verdient.

Ronaldo „Jacare“ Souza und Luke Rockhold lieferten sich in ihrem Strikeforce Mittelgewichtstitelkampf eine unterhaltsame Schlacht über fünf komplette Runden. Während Souza zu Beginn die Nase vorn zu haben schien und Rockholds ständige Kicks mit Konterschlägen und Takedowns beantwortete, schien ihm ab Runde drei ein wenig die Luft auszugehen, so dass der Amerikaner das Ruder herumreißen konnte. Nach vier enorm knappen Durchgängen schaltete Rockhold in der letzten Runde schließlich auf Dauerfeuer um und sicherte sich so mit unverständlichen 50-45 und gerechtfertigten 48-47 sowie 48-47 den einstimmigen Punktsieg und somit den Mittelgewichtstitel von Strikeforce.

Nach seinem Titelverlust gegen Rafael Cavalcante im August 2010, und einer langen, verletzungsbedingten Auszeit, kehrte Muhammed „King Mo“ Lawal in der vergangenen Nacht wieder in den Strikeforce-Käfig zurück. Sein Gegner war der gefeierte Grappler Roger Gracie. Lawal war ein denkbar schlechter Gegner für den mehrfachen ADCC-Champion. Nach einer schier endlos langen Abtastphase, in der keiner von beiden Kämpfern Wirkungstreffer erzielen konnte, landete „King Mo“ einen perfekt getimten rechten Haken und schickte Gracie damit zu Boden. Dort beendete der Amerikaner den Kampf mit Folgetreffern und brachte dem Spross der großen Gracie-Dynastie somit nach nur 4:33 Minuten dessen erste MMA-Niederlage ein.

Das Hauptprogramm eröffneten Pat Healy und Maximo Blanco mit einem dramatischen Duell. Zunächst hatte Blanco die Oberhand und beförderte Healy recht schnell mit einem Leg-Kick zu Boden, wo er ihn aus der Half Guard bearbeitete. Zurück im Stand landete der Venezuelaner einen Headkick und verfolgte Healy daraufhin mit Schlag-Kick Kombos aus allen denkbaren Winkeln. Der versuchte sich in einen Takedown zu retten, doch Blanco sprawlte und arbeitete aus der Top-Position und später Guard. Healy rollte sich plötzlich in einen Leglock und wollte das Blatt wenden, doch Blanco, der viel Erfahrung in Japan gesammelt hatte, verteidigte die Submission mit Kicks zum Kopf von Healy – die sind in den USA allerdings verboten. Blanco bekam einen Punkt abgezogen und die Runde endete somit unentschieden.

Auch zu Beginn des zweiten Durchgangs sah es aus, als hätte Healy keine Chance gegen den unorthodox strikenden Blanco, doch plötzlich landete er einen Jab und schickte seinen Gegner damit auf den Boden. Blanco stand auf, wurde aber sofort wieder geworfen und musste einen Rear-Naked Choke verteidigen, was ihm schließlich auch gelang. Nach einem Double-Leg Takedown Healys, und einem weiteren Wurf, nachdem Blanco sich nach oben winden konnte, landete der erneut in einem Rear-Naked Choke und klopfte nach 4:24 schließlich ab. Es war die erste Submission-Niederlage in der Karriere des jungen Mannes aus Venezuela.

Unter den Vorkämpfen sollte die Begegnung zwischen Ex-Strikeforce Halbschwergewichtschampion Rafael „Feijao“ Cavalcante und dem in Deutschland lebenden und trainieren Exilkubaner und olympischem Silbermedaillengewinner Yoel Romero Palacio gesondert erwähnt werden. Leider enttäuschte Palacio die an ihn gesetzten, enorm hohen Erwartungen. Nachdem er sich im ersten Durchgang praktisch ausschließlich durch seine Beinarbeit, jedoch nicht durch eine irgendwie geartete Attacke auszeichnete, versuchte er dies in der zweiten Runde alles nachzuholen.

Er konnte Feijao nun zwar mit diversen Schlagserien eindecken, jedoch kaum echte Wirkungstreffer landen. Auch diverse Takedown-Versuche Romeros schlugen fehl und wirkten allesamt halbherzig. Im Gegenzug brachte Cavalcante den Ex-Olympiaringer scheinbar problemlos zu Boden. Die Quittung bekam Palacio gegen Ende der Runde. Cavalcante, der die diversen Schlagserien Romeros geduldig abgewartet hatte, drehte sich nach einem verfehlten Headkick einfach weiter und schickte den Kubaner schließlich mit einer Spinning-Back Fist auf die Bretter. Romero stand sofort wieder auf, erholte sich jedoch nicht mehr von dem Treffer. Nach einigen weiteren Händen ging er erneut zu Boden und wurde dort mit Folgeschlägen aus dem Kampf befördert.

Mike Kyle und Marcos Rogerio de Lima führten das Vorprogramm mit ihrem Duell an und lieferten sich einen ansehnlichen Kampf über drei Runden. Kyle überzeugte mit technischem Striking und konnte seinen Gegner somit Runde um Runde auspunkten. Es war die erste Karriere-Niederlage für de Lima.

Nach seinem Kampf gegen Nick Diaz musste Evangelista „Cyborg“ Santos nun gegen Jordan Mein seine zweite Strikeforce-Niederlage in Folge einstecken. Santos begann stark mit akkuraten Leg-Kicks, doch ließ sich im Laufe des Kampfes das Heft vom vielversprechenden Nachwuchstalent aus der Hand nehmen. Gegen Ende der dritten Runde attackierte Mein mit harten Ellenbogenschlägen und schickte Santos damit auf die Bretter, wo der unter dem Dauerfeuer schließlich komplett einbrach. Der Referee winkte das Duell nach 3:18 Minuten ab.

Alexis Davis und Amanda Nunes lieferten sich das einzige Damen-Duell auf der Card. Anfangs schien die Puncherin Nunes mit ihren wilden Attacken einen frühzeitigen Sieg nachhause bringen zu können, doch Davis kam im zweiten Durchgang überraschend zurück und beendete den Kampf nach 4:53 mit einem TKO-Sieg.

Den Abend eröffnete Dominique Steele, der sich mit 29-28, 29-27 und 29-27 einstimmig gegen Chris Mierzwiak durchsetzen konnte.

Strikeforce Schwergewichts-Grand Prix Halbfinale: Barnett vs. Kharitonov
10. September 2011
U.S. Bank Arena in Cincinnati, Ohio, USA

Strikeforce Schwergewichts-Grand Prix Halbfinale 1
Josh Barnett bes. Sergei Kharitonov via Submission (Sidechoke) nach 4:28 in Rd. 1

Strikeforce Schwergewichts-Grand Prix Halbfinale 2
Daniel Cormier bes. Antonio Silva via KO nach 3:56 in Rd. 1

Strikeforce Mittelgewichtstitelkampf
Luke Rockhold bes. Ronaldo Souza einstimmig nach Punkten (50-45, 48-47, 48-47)

Muhammed Lawal bes. Roger Gracie via KO nach 4:33 in Rd. 1
Pat Healy bes. Maximo Blanco via Submission (RNC) nach 4:24 in Rd. 2

Vorprogramm
Mike Kyle def. Marcos Rogerio de Lima einstimmig nach Punkten (29-28, 29-28, 30-27)
Rafael Cavalcante bes. Yoel Romero via KO nach 4:51 in Rd. 2
Jordan Mein bes. Evangelista Santos via TKO nach 3:18 in Rd. 3
Alexis Davis bes. Amanda Nunes via TKO nach 4:53 in Rd. 2
Dominique Steele bes. Chris Mierzwiak einstimmig nach Punkten (29-28, 29-27, 29-27)